Abwasser

Kanäle werden für Hawangen zur kostspieligen Aufgabe

Bis zum kommenden November soll der erste Sanierungs-Abschnitt des Hawanger Kanalnetzes abgeschlossen sein.

Bis zum kommenden November soll der erste Sanierungs-Abschnitt des Hawanger Kanalnetzes abgeschlossen sein.

Bild: Franz Kustermann

Bis zum kommenden November soll der erste Sanierungs-Abschnitt des Hawanger Kanalnetzes abgeschlossen sein.

Bild: Franz Kustermann

Hawangen will sein Abwassernetz in den kommenden Jahren Zug um Zug auf Vordermann bringen. Was die Gemeinde und ihre Bürger dafür berappen müssen.
31.01.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Nach dem Beginn der kostspieligen Quellsanierung in Stephansried steht der Gemeinde Hawangen nun das nächste Mammutprojekt bevor: Einstimmig fasste der Gemeinderat einen „Grundsatzbeschluss“, den bereits gefilmten, ersten Untersuchungsabschnitt der rund 50 Jahre alten Kanäle heuer „grabenlos“ sanieren zu lassen. Bürgermeister Ulrich Ommer (CSU) rechnet hierfür mit Gesamtkosten von etwa 210 000 Euro.

Kosten können mit bis zu 75 Prozent auf Bürger umgelegt werden

Auf die Bürger können hier – im Rahmen eines sogenannten Verbesserungsbeitrags – anders als bei der Quellsanierung nur etwa 70 bis 75 Prozent der Kosten umgelegt werden: „Weil mit dem Kanal auch Wasser auf öffentlichem Straßengrund mit entwässert wird“, erklärte Ommer. Zug um Zug sollen jedes Jahr weitere Teilbereiche des Ortskanalnetzes gefilmt und dann saniert werden. Dritter Bürgermeister Bertram Hörtensteiner rechnete vor: „Wenn wir 200 000 Euro im Jahr einplanen, sind wir in zehn Jahren mit zwei Millionen Euro gut dabei.“

Roboter kann Reparaturen erledigen

Florian Übelhör vom Ingenieurbüro IWA Kempten erläuterte die Ergebnisse der ersten Kanalfilmung, die im vergangenen Jahr erfolgte. Dem Ingenieur zufolge können in dem Bereich alle Schäden auch ohne Öffnung der Straßen behoben werden: Ein Roboter fräst die in den Kanal hineinragenden Anschlüsse ab, repariert schadhafte Stellen und zieht einen nur wenige Millimeter starken Kunststoffschlauch hindurch. Dieser Kunststoffschlauch wird mit Druck an die vorhandene Kanalwand gepresst und mit Epoxidharz verklebt. Die vorher ausgemessenen Hausanschlüsse werden anschließend ausgefräst und gleichermaßen abgedichtet. So entstehe für die nächsten 70 bis 80 Jahre faktisch ein neuer Kanal mit glatter Oberfläche, der die Abwässer schneller als bisher abfließen lässt. Wenn die Straßenoberflächen an den betreffenden Stellen nicht ohnehin ebenfalls einer Verbesserung bedürfen, ist dies laut dem Experten die kostengünstigere Vorgehensweise. Auf Nachfrage des Zweiten Bürgermeisters Xaver Keller berichtete der Planer, dass Kanaldurchmesser zwischen 15 Zentimeter mit bis zu zwei Metern so instandgesetzt werden können.

Sanierung soll nacheinander in neun Teilgebieten stattfinden

Übelhör stellte die Schäden in den betreffenden Gebieten vor und stufte sie als „nicht ganz so schlimm“ ein. Die Kanäle seien einst teilweise im „Trennsystem“ erstellt worden – teilweise aber auch im „Mischsystem“, bei dem Schmutz- und Regenwasser in einem Rohr entsorgt werden: Bereits im Jahr 2005 sei die Gemeinde vom Landratsamt Unterallgäu aufgefordert worden, den bestehenden Generalentwässerungsplan grundlegend zu überarbeiten. Im Jahr 2015 genehmigte die Behörde einen bereits 2013 eingereichten Vorschlag der Gemeinde, das Niederschlagswasser in den Krebsbach zu leiten. Der Bescheid beinhaltete jedoch unter anderem die Auflage, dass die Gemeinde ihre Kanäle baulich saniert. Dazu wurde das Ortsnetz in neun Gebiete eingeteilt, die nun nacheinander saniert werden sollen. In der Ringstraße befinden sich zudem zwei wichtige Entwässerungsanlagen: der Stauraumkanal und das Regenüberlaufbecken mit Pumpwerk. Dort eine Sanierung zu beginnen, ist laut Übelhör jedoch nicht sinnvoll, weil noch weitere Maßnahmen und zudem drei zusätzliche, große Regenrückhaltebecken notwendig sind.

Angefangen werden soll dort, wo die Hausanschlüsse und Straßeneinläufe – teilweise in den Kanal hineinragend – nicht fachgerecht angeschlossen wurden. Teils seien Rohrverbindungen undicht und an manchen Stellen – etwa im Alten Stadtweg – könne sogar Grundwasser in den Schmutzwasserkanal eindringen. Rohrbrüche wurden in der Allgäuer Straße festgestellt und in der Milchwerkstraße sei der Beton des Kanals teils stark beschädigt.

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