Katastrophenhilfe

Memminger helfen im Katastrophengebiet: "Diese Bilder nimmt man mit"

MM Ahrweiler

Heiko Feist mit seiner Maschine. Der Rettungssanitäter fährt seit knapp zehn Jahren Motorradstreife für das Bayerische Rote Kreuz.

Bild: Heiko Feist

Heiko Feist mit seiner Maschine. Der Rettungssanitäter fährt seit knapp zehn Jahren Motorradstreife für das Bayerische Rote Kreuz.

Bild: Heiko Feist

Heiko Feist fährt Motorradstreife für das Rote Kreuz in Memmingen und war nun im Hochwassergebiet Ahrweiler im Einsatz. Auch das THW aus der Maustadt half dort.
27.08.2021 | Stand: 05:00 Uhr

„Die Eindrücke aus Ahrweiler haben mich erschüttert“, sagt Heiko Feist. Er war als Motorradstreife für das Bayerische Rote Kreuz (BRK) vor Ort im Ahrtal, das im Juli von Hochwasser verwüstet worden war. Nach der großen Flutkatastrophe fuhren Hilfskräfte aus ganz Schwaben für fünf Tage nach Nordrhein-Westfalen, um bei den Aufräumarbeiten zu unterstützen.

Mit 22 Fahrzeugen rückten die Hilfskräfte an

„Wir waren in einem Konvoi von 22 Fahrzeugen unterwegs“, erzählt Feist. Vier Motorradstreifen aus Schwaben hätten diesen Zug begleitet. „Unsere Aufgabe bei der Begleitung des Konvois ist beispielsweise die Sicherung von Kreuzungen und Ausfahrten.“ Die Motorradfahrer sperren beispielsweise die anderen Einfahrten der Kreuzung, damit keine Unfälle passieren.

Motorradstreife übernimmt Erkundungsfahrten und Botengänge

Im Katastrophenfall, wie im Ahrtal, übernimmt eine Streife meist Erkundungsfahrten. „Wir überprüfen, ob man gewisse Straßen noch befahren kann, und erledigen Botengänge“, sagt Feist. Gerade wenn das Mobilnetz zusammenbreche, überbringe er Nachrichten zwischen den verschiedenen Standorten der Hilfskräfte. (Lesen Sie auch: Mehrere Leichen in einem Sarg im Flutgebiet)

„Wir haben auch kleinere Versorgungen übernommen“, erzählt der 52-Jährige. Einmal hätten sie ihre Taschen am Motorrad komplett ausgeräumt und bis oben hin mit Wasserflaschen gefüllt. „Dann sind wir durch die Orte gefahren und haben jedem Wasser angeboten.“

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Seit knapp zehn Jahren fährt Heiko Feist für das Rote Kreuz. Der 52-Jährige absolvierte zunächst die Ausbildung zum Rettungssanitäter, bevor er den Fachlehrgang Motorrad machte. Von Anfang Mai bis Ende September sind sie auf den Autobahnen unterwegs und helfen bei Unfällen.

Bilderstrecke

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Heiko Feist: "Die Ausmaße der Katastrophe kann man sich kaum vorstellen"

Auch 2013 bei der großen Überschwemmung im niederbayerischen Landkreis Deggendorf war er im Einsatz. „Das war bereits ein sehr einprägendes Erlebnis, aber Ahrweiler war noch heftiger. Die Ausmaße kann man sich kaum vorstellen.“ Er versucht, die Zerstörung trotzdem zu beschreiben. Erzählt von Straßen, in denen die Wucht der Wassermassen einfach den Asphalt weggerissen haben. Von Wohnhäusern, die von den Besitzern nicht mehr betreten werden dürfen, weil sie einsturzgefährdet sind. Und von den leeren Gesichtern der Leute, die dort Tag und Nacht arbeiten. „Diese Bilder nimmt man mit“, sagt Feist.

THW-Ortsverband Memmingen hilft beim Brücken bauen

Auch der THW-Ortsverband Memmingen war im Ahrtal noch einmal mit einer fünfköpfigen Mannschaft im Einsatz. „Der Schwerpunkt wurde dieses Mal auf die Instandsetzung der Infrastruktur gesetzt“, erzählt Gruppenführer Stephan Zettler. Die sogenannte Fachgruppe Räumen rückte in Bad Neuenahr mit Bagger und Tieflader an. In sechs Einsatztagen half die Truppe beim Aufbau von Brücken, beispielsweise in dem sie Brückenteile transportierte. „Rund 40 Brücken sind bei der Flutkatastrophe zerstört worden“, sagt der 28-Jährige. Nun werden 24 Behelfs-Übergänge gebaut. Es sind weiterhin viele Hilfsorganisationen und Privathelfer vor Ort, beobachtet Zettler. „Generell gibt es eine große Solidargemeinschaft hier.“

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