Kaugummi-Automaten

Die „Glücklichmacher“ am Straßenrand - Das Auffüllen von Kaugummi-Automaten ist für Gerhard Jahn der schönste Job

Gerhard Jahn aus Kammeltal bei Günzburg hegt und pflegt seine Kaugummi-Automaten.

Gerhard Jahn aus Kammeltal bei Günzburg hegt und pflegt seine Kaugummi-Automaten.

Bild: Privat

Gerhard Jahn aus Kammeltal bei Günzburg hegt und pflegt seine Kaugummi-Automaten.

Bild: Privat

Gerhard Jahn befüllt in Bayern und Baden-Württemberg die Kaugummi-Automaten. Wie und warum er die Augen der jüngsten Nutzer zum Strahlen bringen möchte.
24.10.2021 | Stand: 06:43 Uhr

Sein Lager gleicht einem Paradies aus Süßigkeiten und Spielwaren. Gerhard Jahn aus Kammeltal bei Günzburg hegt und pflegt seine Kaugummi-Automaten. „Viele Tausende“, sagt er. Einige davon lassen sich auch in Memmingen und der Region entdecken. Die kleinen roten Automaten am Straßenrand werden noch regelmäßig befüllt.

Vor über 35 Jahren hat Gerhard Jahn damit begonnen. Es sei ein Freiheitsgedanke gewesen und vor allem eines: „Es ist die Genugtuung. So, wie beim Bäcker, der seine Semmeln sieht, freuen wir uns, wenn wir glückliche Kinder von den Automaten weggehen sehen.“ Trotzdem gehöre eine große Portion Idealismus zu seinem Job. Reich werde er wohl nie – zumindest nicht in finanzieller, dafür aber in menschlicher Hinsicht.

Eine Tour umfasst bis zu 34.000 Kilometer

In seinem Unternehmen beschäftigt er derzeit sechs Mitarbeiter. Diese gehen regelmäßig auf Tour, die zuvor per Computer erarbeitet wurde. Die Route wird durch Algorithmen zusammengestellt, schließlich „geht es nicht nur um einen Weg, sondern auch um Wirtschaftlichkeit und einen Umwelt-Gedanken“. Bei einer Tour kommen nämlich bis zu 34.000 Kilometer zusammen. Da sei sein Team eingespielt. Der 58-Jährige ist selbst weniger im operativen Geschäft tätig, tüftelt mehr bei anstehenden Reparaturen an den Automaten, kauft die Ware ein – und gibt diese beispielsweise auch an 60 Kollegen deutschlandweit aus. Sein Unternehmen ist für Süddeutschland zuständig – in Bayern und Baden-Württemberg.

So funktioniert ein Automat

Seinem Team stehen fünf Wagen für die Touren zur Verfügung; darunter sind drei Elektroautos. Auch da gehe es wieder um den Wirtschaftlichkeits- und Umweltgedanken. Der Anfahrtsrhythmus beträgt drei Monate. Das heißt: Die Automaten werden vier Mal im Jahr neu bestückt, also Kästen gewechselt. Der Automat sei wie eine Art Schranksystem. Fahrer entnehmen bei ihren Touren die nummerierten Kästen und setzen neue ein. Die leeren und abgeholten Boxen werden gesäubert, das Geld verarbeitet und die Vorrichtungen neu befüllt. Dann gehen sie auf die nächste Reise.

In den 50er-Jahren, so erzählt Gerhard Jahn, ist der Trend der Kaugummi-Automaten aus Amerika auch nach Deutschland übergeschwappt. Seither habe sich das Aussehen der Kästen kaum geändert. Die Nachfrage allerdings schon. „Maxi Galaxy“, der bunte Kaugummi, sei derzeit bei den Mädchen und Jungen sehr gefragt – ebenso bei den Spielsachen die so genannten „Stickies“. Das seien Gummipfropfen, die an einer Wand herunterlaufen können.

Erst die Münze einstecken, dann drehen ....
Erst die Münze einstecken, dann drehen ....
Bild: Maike Scholz
... und schon kullert der Kaugummi heraus.
... und schon kullert der Kaugummi heraus.
Bild: Maike Scholz

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Gerhard Jahn möchte die „Glücklichmacher“ am Straßenrand auch weiterhin füllen. Mit der Einführung des Euros habe dieser Entschluss auf der Kippe gestanden. Der Grund: Alle Automaten mussten auf die damals neue Währung umgestellt werden. „Und dann natürlich so, dass der Münzkanal nicht verstopft.“ Man habe die Münzträgerscheibe so verändert, dass es funktionierte. Dann sei auch klar gewesen, dass es weiter geht.

Das Unternehmen und die Corona-Pandemie

Der jüngste „Schlag“: die Corona-Pandemie. „Insgesamt muss man sagen, waren auch wir von Corona gebeutelt“, erzählt Gerhard Jahn und erklärt: „Viele Menschen sind gerade am Anfang der Pandemie wenig bis gar nicht mehr rausgegangen, haben in Konsequenz auch nicht mehr an die Automaten gefasst, weil die Angst vor dem Virus da war. Es hat gebraucht, bis sich die Leute wieder getraut haben.“

Der Verlust habe sich später kompensiert. Jahn: „Es sind viel weniger Menschen in den Urlaub gereist, sie waren also Zuhause.“ In der Konsequenz wurden die Automaten wieder genutzt. „So hat es sich relativiert. Wir hatten keine Kurzarbeit und keine Entlassungen“, freut sich der 58-Jährige. Das sei ihm einfach sehr wichtig.

Zeit gemeinsam gemeistert

Gut vier Monate, die es in der Pandemie zu überbrücken galt, wurden „Arbeiten in Angriff genommen, die sonst zumeist liegen bleiben“. So habe man es gemeinsam gemeistert. Gerhard Jahn kann also weiterhin die Automaten mit Kaugummi und Spielsachen befüllen. So können weiterhin die Nutzer im Portemonnaie nach der passenden Münze kramen, diese in den Automatenschlitz stecken, drehen und einen kleinen Moment warten, bis der Kaugummi langsam herauskullert.