Nachhaltigkeit

Kieswerk im Darast: Mit der Sonne Energie tanken

BG Allgäu Kies

Die Photovoltaik-Anlagen der Firma Allgäu Kies bei der Kiesgrube im Darast.

Bild: Theresa Osterried

Die Photovoltaik-Anlagen der Firma Allgäu Kies bei der Kiesgrube im Darast.

Bild: Theresa Osterried

Die Allgäu Kies GmbH baut neue Photovoltaik-Anlagen. Wie Kieswerke versuchen, nachhaltig zu werden und warum es bei Solarenergie noch Probleme gibt.
05.11.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Sie sind dreckig, verschandeln die Natur und verbrauchen Unmengen an Wasser und Strom: Wer an Kieswerke denkt, denkt oft an schwere Umweltproblematiken. Doch auch Kieswerke versuchen, einen Pfad der Nachhaltigkeit einzuschlagen. Dafür gibt es verschiedenen Ansätze.

Photovoltaik: „Der Vorteil eines Kieswerks: Wir haben viel rekultivierte Freifläche zur Verfügung“, sagt Jürgen Unglehrt, Geschäftsführer der Allgäu Kies GmbH. Das eigne sich gut für den Bau von Photovoltaik-Anlagen.2014 wurden die ersten für den Eigenbedarf in Betrieb genommen.

Und ab diesem Jahr sollen drei neue Photovoltaik-Freiflächenanlagen gebaut werden. Die größte Anlage entsteht im Frühjahr im überregionalen Kiesabbaugebiet Darast und wird insgesamt eine Energie von 1,9 Megawatt produzieren. „Mit den neuen Bauten werden wir viel ins öffentliche Stromnetz einspeisen können“, sagt Jürgen Unglehrt, Geschäftsführer von Allgäu Kies. Denn etwa das Fünffache des Eigenbedarfs werde durch die regenerative Energie produziert. Das seien rund 3,1 Millionen Kilowatt.Das Kieswerk selbst hat im Jahr einen Stromverbrauch von rund 626 000 Kilowattstunden im Jahr.

Das Problem dabei: Die gewonnene Solarenergie könne nicht in dieser Menge gespeichert werden. „Aktuell können wir circa 40 bis 50 Prozent unseres Strombedarfs mit regenerativer Energie decken“, sagt Geschäftsführer Jürgen Unglehrt.

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Den Rest muss die Firma dazukaufen. Und das, obwohl die erzeugte Energie eigentlich ausreiche, um das Werk zu versorgen. „Wir produzieren, beispielsweise am Wochenende, umsonst für das Werk und speisen die überflüssige Energie dann ins öffentliche Netz ein.“

Freiflächennutzung und Rekultivierung: Die Freiflächen seien laut Unglehrt ein weiterer Grund für die Nachhaltigkeit beim Kiesabbau. Ein Drittel der Abbauflächen wird – und muss gesetzlich – nach erfolgtem Kiesabbau für den Naturschutz zur Verfügung gestellt werden. Dadurch entstehen Habitate für Tiere und Pflanzen, beispielsweise Biotope für Vögel, Amphibien und Insekten.

Wasserverbrauch: Rund 350 000 bis 400 000 Kubikmeter Wasser verbraucht das Kieswerk im Jahr. Doch „Verbrauch“ ist hier laut Prokuristin und Geschäftsführerin Brigitte Inhofer-Scheppach relativ zu sehen. „Das Wasser wird zur Kieswäsche benötigt und dem Grundwasser entnommen“, erklärt sie. Nach der Wäsche wird das Wasser in Teiche eingeleitet und wieder dem Grundwasser zugeführt. Ein Kreislauf, bei dem laut Inhofer-Scheppach kaum Wasser verloren geht. Die aus der Kieswäsche mitgeführten Feinpartikel setzen sich in den Schlammteichen ab und das verwendete Wasser versickert wieder ins Grundwasser. „Im Endeffekt wird nur das Wasser, das während des Vorgangs verdunstet, verbraucht“, erklärt Inhofer-Scheppach.

Innerhalb dieses Kreislaufs sei die Gefahr einer Verunreinigung des Wassers sehr gering. Zweimal im Jahr werde die Wasserqualität geprüft. Nach zwei bis drei Jahren, wenn die Schlammteiche gefüllt sind, wird der Bereich der Vegetation überlassen.

Betonbruch-Recycling: „Die Allgäu Kies ist auch im Bereich des Betonbruch–Recyclings tätig“, erklärt Unglehrt. Mit mobilen Brechanlagen wird am Standort Darast Betonbruch aus dem nahe gelegenen Betonwerk zu Recycling-Baustoffen verarbeitet. Das Material werde davor auf Grundwasserverträglichkeit geprüft. Die Wiederverwendung als Baustoff schone den Geschäftsführern zufolge die natürlichen Rohstoffvorkommen und leiste damit einen wichtigen Umweltbeitrag.

In den vergangenen Jahren sei der Bedarf an Baumaterialrecycling, speziell dem Betonrecycling, stark gestiegen: „Früher gab es keinen Rohstoffmangel – heute schon, da wird das Recycling natürlich interessanter“, sagt Brigitte Inhofer-Scheppach. Auch wenn es ungleich teuer sei, investiere das Unternehmen mehr in diese Richtung. Denn auch der Kiesabbau ist keine unendliche Ressource: Im Darast geht Geschäftsführer Unglehrt davon aus, dass die Kiesförderung bei Allgäu Kies vielleicht noch für 15 Jahre reicht.

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