Gesundheit

Klinikum Memmingen: Diese Premiere gab es jetzt in Memminger Operationssaal

Gefäßchirurg Stefan Schlechter vom Klinikum Memmingen zeigt das Modell eines Stents, der bei Operationen eingesetzt wird und Leben retten soll.

Gefäßchirurg Stefan Schlechter vom Klinikum Memmingen zeigt das Modell eines Stents, der bei Operationen eingesetzt wird und Leben retten soll.

Bild: Eva Häfele/Klinikum Memmingen

Gefäßchirurg Stefan Schlechter vom Klinikum Memmingen zeigt das Modell eines Stents, der bei Operationen eingesetzt wird und Leben retten soll.

Bild: Eva Häfele/Klinikum Memmingen

Aneurysma der Bauchaorta: Das Team der Gefäßchirurgie am Klinikum Memmingen implantiert erstmalig eine maßgeschneiderte Stent-Prothese.

Gefäßchirurg Stefan Schlechter vom Klinikum Memmingen zeigt das Modell eines Stents, der bei Operationen eingesetzt wird und Leben retten soll.
Von Redaktion Allgäuer Zeitung
15.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Erstmalig wurde jetzt am Klinikum Memmingen bei einem Aneurysma der Bauchaorta an einer komplizierten Stelle eine maßgeschneiderte Stent-Prothese eingesetzt, die in einem aufwendigen Verfahren geplant und implantiert wurde.

Bluthochdruck, Arteriosklerose (Arterienverkalkung) oder eine genetische Veranlagung können dazu führen, dass die große Schlagader im Körper (Aorta) erkrankt und eine Wandschwäche ausbildet. Durch den im Gefäß herrschenden Blutdruck kann es zu einer Erweiterung der Gefäßwand, einem Aneurysma, kommen. „Die Gefahr hierbei ist, dass das Aneurysma platzt und es durch das Loch in der Gefäßwand zu einem großen, mitunter auch lebensgefährlichen Blutverlust kommt“, erklärt der Gefäßchirurg Stefan Schlechter von der Klinik für Allgemein-, Visceral-,Thorax- und Gefäßchirurgie am Klinikum Memmingen.

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Offene Operation ist für ältere Menschen belastend

Durch das Einsetzen einer Prothese kann ein Platzen der Gefäßwand verhindert werden. „Früher musste zum Einsetzen der Kunststoffprothese der Bauchraum geöffnet werden“, erklärt Schlechter. Doch diese offene Operation ist für ältere und chronisch kranke Menschen sehr belastend. „Heute können wir bei rund 80 Prozent der Patienten die Prothese minimal-invasiv, also mit kleinen Schnitten, über die Leistenarterie einsetzen.“ Dabei wird mit einem kleinen Schnitt in der Leiste ein dünner Katheter in die Arterie eingeführt und bis in das Aneurysma vorgeschoben, um dort die Stentprothese einzusetzen. Die Prothese besteht aus einem Drahtgeflecht und ist mit Kunststoff ummantelt. An der Stelle des Aneurysmas wird das Geflecht entfaltet und in der Bauchschlagader fixiert. Der Katheter wird anschließend wieder zurückgezogen. Das Blut strömt dann durch den Stent.

„Dadurch wird die Gefäßwand entlastet, sodass die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass das Aneurysma weiterwächst oder reißt“, so Schlechter. Die Stentbehandlung ist allerdings nur dann erfolgreich, wenn sich die Prothese in einem gesunden Gefäßabschnitt oberhalb und unterhalb des Aneurysmas verankern kann. Fehlt diese sogenannte Landungszone für den Stent, kommen komplexere Katheterbehandlungen zum Einsatz, wie jetzt am Klinikum Memmingen geschehen.

„Bei einem unserer Patienten befand sich das Bauchaortenaneurysma genau an der Stelle, wo von der Aorta lebenswichtige kleinere Arterien abzweigen wie die Leberarterie, die Darmarterie und die beiden Nierenarterien“, erklärt Schlechter. Deswegen mussten diese kleineren Arterien ebenfalls in die Prothese miteinbezogen werden, was das Ganze sehr schwierig macht. „Hierfür mussten an den Stellen, wo die kleineren Arterien abzweigen, kleine Öffnungen (Fenestrierung) in die Prothese eingearbeitet werden.“ Hier wird zwischen zwei, drei oder vierfach fenestrierten Aortenprothesen unterschieden, je nachdem, wie viele Fenster die Prothese enthält.

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Aufwendige Planung

„Die Planung einer sogenannten gefensterten oder fenestrierten Prothese ist sehr aufwendig und muss millimetergenau erfolgen“, erklärt der Gefäßchirurg. „Anhand der Planungsskizze erfolgt die handgefertigte Produktion der maßgeschneiderten Prothese. Dies nimmt mehrere Wochen in Anspruch.“ Die gefäßchirurgische Operation zum Einsetzen der fenestrierten Stentprothese erfolgt ebenfalls über die Leistenarterien und braucht eine leistungsfähige Bildgebung (Angiografie-System), um in die kleinen Öffnungen der Stentprothese zusätzliche Stents in die Abgänge der Aorta zu platzieren. „Diese kleineren Stents werden ebenfalls mittels Kathetertechnik implantiert und mithilfe eines Ballons zur Entfaltung gebracht.“ Es schließt sich eine lebenslange Nachsorge an, um das erfolgreiche Ergebnis der gefäßchirurgischen Stentbehandlung des Bauchaortenaneurysma zu überprüfen.