Bauprojekt

Kommunalpolitiker ringen ums Adler-Areal in Illerbeuren

KB Adlerareal

Jetzt ist es beschlossen: Die Gemeinde Kronburg vergibt zwei Drittel des Adlerareals zum Bau einer Wohngruppe mit Tagespflege sowie für ein Mehrgenerationenhaus mit sozialer Wohnbebauung an zwei Bauträger. Die detaillierten Bedingungen müssen aber noch ausgehandelt werden.

Bild: Franz Kustermann

Jetzt ist es beschlossen: Die Gemeinde Kronburg vergibt zwei Drittel des Adlerareals zum Bau einer Wohngruppe mit Tagespflege sowie für ein Mehrgenerationenhaus mit sozialer Wohnbebauung an zwei Bauträger. Die detaillierten Bedingungen müssen aber noch ausgehandelt werden.

Bild: Franz Kustermann

Grundstück soll geteilt werden. Gemeinde will Sporthalle und Begegnungszentrum bauen, soziale Träger eine Wohngruppe mit Tagespflege und Mehrgenerationenhaus.
18.09.2021 | Stand: 17:45 Uhr

„Verkauf oder Erbpacht?“ – so lautete die alles entscheidende Frage für den Gemeinderat Kronburg. Das Gremium machte sich die Entscheidung nicht leicht: Das sogenannte Adler-Areal in Illerbeuren, das früher einst fünf verschiedenen Besitzer gehörte und von der Gemeinde Kronburg erworben wurde, soll nun geteilt werden.

Etwa ein Drittel des Areals an der Kirche will die Kommune selbst behalten und darauf eine Sporthalle für die nahe gelegene Schule und ein Begegnungszentrum für ihre Bürger errichten. Die anderen zwei Drittel des Grundes (südlich an der Kronburger Straße) sollen an Bauträger zur Nutzung für soziale Zwecke vergeben werden. Nach einer leidenschaftlichen Diskussion gab es aber keine einheitliche Entscheidung: Sieben Räte stimmten für einen klaren Verkauf, vier hielten „Erbpacht“ auf mindestens 80 Jahre für die bessere Lösung.

Verkauf oder Erbpacht: Notarin erklärt Vor- und Nachteile

Bereits bei der vorherigen Sitzung stellte Notarin Sigrun Erber-Faller eineinhalb Stunden lang die Vor- und Nachteile von Verkauf und Erbbaurecht gegenüber. Bei beiden Optionen gelten solide Rechtsverhältnisse und die Gemeinde könne im Grunde nichts falsch machen, so die Expertin. Beide Varianten böten der Gemeinde die Möglichkeit, die Nutzung für soziale Zwecke festzuschreiben; ebenso ein Vorkaufs- und Rückkaufsrecht. Ein Mitspracherecht der Gemeinde bei Entscheidungen könne sich beim Verkauf auf den Preis auswirken. Erbpacht hingegen beeinflusse eher die Höhe der Beleihung des Grundstückes, erklärte damals die Notarin.

Auch nach dieser ausführlichen Information konnte sich der Rat bei der jüngsten Sitzung nicht auf eine einheitliche Linie einigen. Laut Bürgermeister Hermann Gromer soll der Sozialträger – die Vinzenz von Paul eGmbH (Göppingen) – die bei den Bürgertischen geforderte Wohngruppe mit Tagespflege bauen und betreiben. Die „Landkreis Wohnungsbau Unterallgäu GmbH“ hingegen sei für die Errichtung des Mehrgenerationenhauses mit sozialer Wohnbebauung vorgesehen. Vinzenz von Paul würde sein Grundstück lieber kaufen, könnte sich aber auch ein Erbbaurecht vorstellen. Die Landkreis-Wohnungsbau sei für beide Optionen offen. Beide Varianten seien also möglich; beide hätten Vor- und Nachteile, aber die Gemeinde könne im Grunde bei beiden Möglichkeiten ihre Vorstellungen dauerhaft umsetzen.

Bürgermeister ist für Verkauf

Der Gemeindechef sprach sich für einen „klaren Schnitt“ und damit für einen Verkauf aus: „Die Mehrheit entscheidet; man muss aber mit beiden die gleichen Kriterien wie etwa Verkaufspreis oder Pachtpreis aushandeln.“ Bei Erbpacht gäbe es bei jeder Veränderung weitere Verhandlungen mit dem Besitzer. Beim Verkauf müsse die Nutzung für das Grundstück festgeschrieben werden.

Lesen Sie auch
##alternative##
Ortsgestaltung

Neue Pläne für das Gewerbegebiet Karweidach in Oberstdorf stoßen auf geteiltes Echo

Rat Josef Hengler mahnte: „Wir sollten geradlinig vorgehen; ich bin für einen Verkauf.“ Vorteil sei hierbei, dass so die schwierige Situation des Erbbaurechtes nicht auf die künftigen Generationen abgewälzt werde. Ein Verkauf ist laut Hengler „eine geradlinige Geschichte“. Im Falle einer Pleite der Bauträger „müsste die Gemeinde das Projekt bei Erbpacht zurücknehmen, egal was es kostet“. Da spreche man dann von Millionen.

Thomas Zeller sieht bei Erbpacht die Verlagerung auf kommende Entscheidungsträger eher als Vorteil: „Dann haben die die Möglichkeit, es zurück zu nehmen und weiter zu verkaufen.“ Sogenannte „Dienstbarkeiten“ beim Verkauf seien komplizierter als die Erbpacht. Laut seinem Kollegen Matthias Zeller hat die Gemeinde „Jahrzehntelange rumgemacht, bis sie die Grundstücke mitten im Ort in Besitz bekam“. Jetzt solle man diese auch behalten. Die Kosten für die geplante Sporthalle könne die Gemeinde „jetzt gut stemmen“. Wenn in Jahrzehnten immer höher werdende Unterhaltskosten kämen, sei die Kommune froh, wenn sie über jährliche Einnahmen aus der Erbpacht verfüge. Deshalb sei er klar für diese Variante. Konsens bei den Bürgertischen sei zudem gewesen: „Die Gemeinde soll das Grundstück nicht veräußern.“ Kein Bauer verkaufe ohne Not seine Grundstücke, wenn er aufhört; er verpachte sei.

Stefan Fürgut konterte: „Der Bauer zahlt beim Verkauf 50 Prozent Einkommensteuer; das sind zweierlei Schuhe.“ Bei einem Verkauf müsse der Bauherr nicht fragen, ob er einen Nagel reinschlagen dürfe oder nicht.

Dritte Bürgermeisterin Anni Reisle sprach sich klar für einen Verkauf aus: „Erbpacht ist ein immerwährender Prozess – da muss man dauernd überprüfen, ob alles eingehalten oder nicht eingehalten wird.“