Denkmalgeschütztes Gebäude

Komplizierte Eigentumsverhältnisse in der Kartause Buxheim

BX Kartause

Der kleine Kreuzgang verkommt zu einer muffigen Rumpelkammer und zeigt, dass es im Interesse eines Gesamt-Ensembles sehr wichtig wäre, dass die Gebäude des Salesianer-Ordens einem neuen Besitzer und damit einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden sollten.

Bild: Franz Kustermann

Der kleine Kreuzgang verkommt zu einer muffigen Rumpelkammer und zeigt, dass es im Interesse eines Gesamt-Ensembles sehr wichtig wäre, dass die Gebäude des Salesianer-Ordens einem neuen Besitzer und damit einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden sollten.

Bild: Franz Kustermann

Salesianer wollen über fünf Millionen Euro für ihren Teil an dem historischen Areal. Heimatdienst: „Das ist jenseits von gut und böse.“
23.08.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Die Eigentumsverhältnisse im einst sehr großen und mächtigen Kartäuser-Kloster Buxheim sind reichlich kompliziert: Das Kassenhäuschen am Eingang zur Kartause und das Klosterstüble gehören der Gemeinde Buxheim. Das weltberühmte Chorgestühl nennt der Bezirk Schwaben sein Eigen. Der große Kreuzgang und die Klosterkirche gehören dem Freistaat Bayern. Der angebaute „kleine Kreuzgang“, das große Prioratsgebäude und Refektorium sowie die Priorats-Wohnungen aber sind im Eigentum der Salesianer. Nach ihrem Weggang aus Buxheim will der Orden seine dortigen Liegenschaften nun verkaufen – für 5,5 Millionen Euro.

„Jenseits von gut und böse“ sei dieser Preis für die sanierungsbedürftigen, denkmalgeschützten Gebäude, sagt der Vorsitzende des Heimatdienst Buxheim, Dr. Wolfgang Wettengel. Gerechtfertigt und realistisch erzielbar hielte er etwa den Grundstückswert. Der bayerische Staat oder andere potenzielle Investoren müssten nämlich sehr viel Geld in die Hand nehmen, um diese begehrten Bauwerke einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.

Kartause Buxheim hat "absolutes Alleinstellungsmerkmal"

„Alle zieren sich noch – bei dem Preis schlägt ja jeder die Hände über dem Kopf zusammen“, sagt der Ägyptologe, der mit 67 Jahren mit der Organisation von weltweiten Ausstellungen noch immer voll berufstätig ist. Ob die einmalige Chance einer Zusammenführung der durch die Säkularisation getrennten Architektur- und Gebäudeteile sinnvoll genutzt wird, sei im Moment „leider mehr als fraglich“. Dabei habe das Buxheimer Kartäuserkloster als ehemalige Reichskartause, die nur dem Habsburger Kaisertum unterstellt war, ein absolutes Alleinstellungsmerkmal und eine große Geschichte hinter sich.

Wettengel könnte sich für das „Ensemble aus dem 14. Jahrhundert“ viele sinnvolle Nutzungen vorstellen: Der kleine Kreuzgang etwa und das Refektorium seien einst von den Gebrüdern Zimmermann stuckiert worden. Sie bilden mit dem Großen Kreuzgang und dem Rest des Klosters – auch baulich – eine Einheit. Weil die ungenutzten Gebäude nicht besser werden, müsste laut dem Fachmann bald möglichst eine „Sicherung“ stattfinden. „Zumindest müsste jetzt einmal der Kauf erfolgen.“ Erst dann könnten entsprechende Fachleute hinzugezogen werden, um die bestmöglichen Nutzungen auszuloten.

Derzeit herrscht Platzmangel für Ausstellungsstücke

Wettengel würde sich mehr Platz für weitere „museale Sammlungen“ wünschen. Der Heimatdienst verfüge als „Kloster Buxheim“ nicht mal über ein Magazin, wo er seine immer mehr werdenden Exponate lagern oder ihrer Bedeutung entsprechend würdig ausstellen könnte. Derzeit müsse der Verein wegen Platzmangels bereits seine Ausstellungsstücke im Kreuzgang platzieren. „Irgendwann wird das dann eine Rumpelkammer. Es ist dann kein Vergnügen mehr, da durchzugehen“, klagt Wettengel.

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Mit Magazin- und Lagerräumen wären schon mal eine sinnvolle Nutzung erfolgt. Man könnte auch den „musealen Teil“ erweitern, etwa durch Kreuzgang und Refektorium – auch für Sammlungen, die sich im Laufe der Zeit auftun. Selbst der Freistaat könnte hier auch mal einen Bedarf anmelden, meint der Vorsitzende. Im Gespräch war auch schon, in den historischen Gemäuern ein Hotel (mit Entschleunigung und Spiritualität) einzurichten. Damit würde man die Tourismusregion – am Beginn der von vielen Radfahrern genutzten sogenannten Glückswege – massiv aufwerten. Wettengels Wunsch: „Ruhe und Natur in Verbindung mit Kunst und Kultur.“