Westerheim/Günz

Längst vergangenen Zeiten auf der Spur

Archäologie Forscher aus Vöhringen berichtet über Funde bei Rummeltshausen, die weit zurückreichen
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Von jd
27.10.2019 | Stand: 15:38 Uhr

Zurück in die Römer- und auch in die Steinzeit führte ein Treffen in Günz: Der Kreisarchivpfleger des Landkreises Neu-Ulm Peter Wischenbarth berichtete von Entdeckungen, auf die er in Rummeltshausen gestoßen ist. Spürsinn und sein Erfahrungsschatz führten den leidenschaftlichen Archäologen aus Vöhringen im Jahr 1993 in den Westerheimer Ortsteil. Dort wurde damals gerade die „Kiesgrube Forschner“ abgeschoben. Eigentlich war Wischenbarth auf der Suche nach Spuren der Steinzeit – stattdessen stieß er auf ein anderes Geschichtskapitel. Davon erzählte er Martin Glöckler vom Kultur- und Heimatverein, mehreren Bürgermeistern, Kreisheimatpfleger Peter Hartmann aus Mindelheim und Einwohnern umliegender Gemeinden.

Der Forscher gelangte, „immer mit der Nase am Boden“, in eine Zeit zurück, als die Iller ganz anders verlief. Als Fachmann sah er Bodenverfärbungen, entdeckte eine Feuerstelle und eine „Abfallgrube mit Scherben“. Anhand gefundener Pfostenlöcher und schwarzer Holzrückstände konnte er zwei Gebäude nachweisen, darunter ein Vorratsschuppen eines römischen Gutshofs – einer sogenannten „Villa rustica“. Die weiche Keramik der Funde deutete auf Gefäße für Milch und Öl hin, außerdem stieß Wischenbarth auf Reste von „Soldatentellern“.

Auch hochwertiges, rot lasiertes „Luxusgeschirr“ konnte er rekonstruieren. Ein fein verzierter Speckstein war als feuerfester Topf verwendet worden und Bruch von Dachziegeln wies auf eine stabile Bauweise hin. Die Römer waren vor gut 2000 Jahren ins Allgäu gekommen und hatten sich mit dem Grenzwall Limes gegen Feinde aus dem Norden abgesichert. Doch laut Wischenbarth durchbrachen 233 die Alamannen erstmals die Hürde. Als sie im Jahr 259 brandschatzten, wurde laut Wischenbarth der Gutshof bei Rummeltshausen dem Erdboden gleich gemacht.

Die Funde in Rummeltshausen reihen sich ein in Entdeckungen entlang der Römerstraßen nach Babenhausen, Memmingen und Buchloe. Entlang von Wasserläufen folgen die Archäologen den Spuren einstiger Besiedelung. Die geologischen Gegebenheiten bei Rummeltshausen waren nach Meinung des Forschers ideal für die Landwirtschaft. Der Lößboden wurde für den Ackerbau genutzt, Auenbereiche an der Günz dienten als Viehweiden. Eine „Villa rustica“, eine Art Gutshof, erhielten Soldaten gewissermaßen in Anerkennung ihres jahrzehntelangen Einsatzes. Sie konnten sogar ein Badehaus betreiben. Martin Glöckler fand weitere Tonscherben von „Ofenkacheln“ und Platten der Fußbodenheizung, welche die Sammlung ergänzen. Besondere Aufmerksamkeit erregte überdies ein Fund bei Westerheim am Altenberg: Das dort Entdeckte reicht weit zurück – in eine Zeit lange vor Ankunft der Römer. Wischenbarth zeigte noch einen bei Rummeltshausen gefundenen Faustkeil aus der späten Steinzeit vor 75 000 Jahren. Im Normalfall wurden deren Reste während der Eiszeiten zerstört. Ein Fund so weit im Süden besitze Seltenheitswert.