Neues Programm im LTS in Memmingen

Landestheater Schwaben: Diese Premieren gibt es im Dezember

Willkommen im Landestheater in Memmingen: Intendantin Kathrin Mädler (links) und Projektleiterin Katja Hofmann bereiten auch das Programm für die wegen Corona um ein Jahr verschobenen Bayerischen Theatertage vor.

Willkommen im Landestheater in Memmingen: Intendantin Kathrin Mädler (links) und Projektleiterin Katja Hofmann bereiten auch das Programm für die wegen Corona um ein Jahr verschobenen Bayerischen Theatertage vor.

Bild: Matthias Becker

Willkommen im Landestheater in Memmingen: Intendantin Kathrin Mädler (links) und Projektleiterin Katja Hofmann bereiten auch das Programm für die wegen Corona um ein Jahr verschobenen Bayerischen Theatertage vor.

Bild: Matthias Becker

Das Landestheater Schwaben plant in Memmingen drei Premieren im Dezember. Doch auch hier erschwert Corona die Planung.
10.11.2020 | Stand: 17:45 Uhr

Auch wenn Zuschauer das Landestheater Schwaben (LTS) im November nicht betreten dürfen, geht die Arbeit im Ensemble und den Werkstätten der Bühne weiter. Vorbereitet werden für den Dezember gleich drei Premieren. Um aufwendiges Verschieben zu vermeiden, falls der Kultur-Lockdown auch über das Monatsende hinaus fortbestehen sollte, gibt es aber momentan noch keine festen Termine, wann sich der Vorhang für die beiden Uraufführungen „Die Füße im Feuer“ und „Lügnerin“ sowie „Szenen einer Ehe“ das erste Mal hebt.

"Die Füße im Feuer": ein Balladenabend im Landestheater Schwaben

Intendantin Kathrin Mädler probt für die Uraufführung von „Die Füße im Feuer“, einen Abend mit Balladen und Songs, in dem Agnes Decker, Klaus Philipp, André Stuchlik, Regina Vogel und Ekaterina Isachenko (am Klavier) im Bühnenbild und in Kostümen von Mareike Delaquis Porschka auftreten. In der Szenenfolge sucht ein Mann Schutz vor dem Wetter in einem Schloss, doch bald schon plagen ihn schuldbeladene Erinnerungen: Ein Vater versucht vergeblich, seinen todkranken Sohn mit einem mutigen Ritt zu retten; ein Kapitän geht nicht vom brennenden Schiff; ein König lästert Gott und wird zur Strafe ermordet; Miss Otis kann nicht zum Kaffeeklatsch kommen, weil sie auf dem Weg von einem Mob gelyncht wurde. Balladen sind hochdramatische Gedichte oder Songs, die in der kleinen Form eine ganze Welt eröffnen. An einem ebenso düster-melancholischen wie absurd-komischen Abend reitet das Ensemble des LTS durch Nacht und Wind, erzählt gegen die Einsamkeit und die Isolation an und träumt von großen Zeiten.

Junge Frau beschuldigt Ex-Schlagerstar, sie angefasst zu haben

Ebenfalls eine Uraufführung ist „Lügnerin“ nach dem gleichnamigen Roman von Ayelet Gundar-Goshen. Es inszeniert Niko Eleftheriadis mit Elisabeth Hütter, Franziska Roth und Tim Weckenbrock, Bühne und Kostüme sind von Heike Mondschein. Als die junge, schüchterne Nuphar von einem alternden Ex-Schlagersänger massiv beleidigt wird, schreit sie die Nachbarschaft zusammen und behauptet, er habe sie angefasst. Mit dieser Lüge erkauft sie sich unerwarteterweise die lang ersehnte Aufmerksamkeit. Eine Lüge führt zur nächsten, sie findet bald Freude an der Manipulation der Wirklichkeit – und auch alle um Nuphar herum verstricken sich immer mehr in moralische Fragwürdigkeiten.

Die israelische Autorin Ayelet Gundar-Goshen (Jahrgang 1982) hat mit „Lügnerin“ eine abgründige Erzählung geschaffen über die Macht der Worte, die verführerische Leichtigkeit der Lüge und die unsichere Konstruktion unserer Welt. Gundar-Goshen studierte Psychologie in Tel Aviv, später Film und Drehbuch in Jerusalem. Für ihre Kurzgeschichten, Drehbücher und Kurzfilme wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet. Sie lebt in Tel Aviv.

"Szenen einer Ehe" im Landestheater Schwaben: Intimer schonungsloser Zweikampf

Die Theateradaption eines Filmklassikers folgt als dritte Premiere im Dezember: Ingmar Bergmans höchst erfolgreiche Filmserie von 1973 „Szenen einer Ehe“ ist die brillante Mutter des modernen Ehedramas. Vom Regisseur selbst in den 1980ern erstmals auf die Bühne des Residenztheaters München gebracht, hat der intime Zweikampf nichts von seiner Brisanz, Schonungslosigkeit und Härte eingebüßt. Aber auch nichts an Aktualität und psychologischem Feinsinn. In Memmingen bringt das hochdramatische Kammerspiel Regisseur Max Claessen auf die Bühne von Ilka Meier. Anke Fonferek und Jens Schnarre spielen das Ehepaar Marianne und Johan, das gerade noch als Musterpaar in einer Zeitschriftenreportage vorgestellt wurde. Doch nun reiben sich die beiden zwischen perfekter Fassade, Ansprüchen ihrer Familie und der Suche nach sich selbst auf – bis fast in die Katastrophe.

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