Kindertheater

"Das Dschungelbuch" im LTS ist ein großer Spaß für die ganze Familie

KU Dschungelbuch

"Dschungelbuch am LTS Beste Freunde im Dschungel sind (von links) der Bär Balu (Nadja Bruder) und das Menschenkind Mogli (Luisa Böse). Geier Chil (hinten, Anne Weise) beobachtet die beiden ganz genau.

Bild: Landestheater/Monika Forster

"Dschungelbuch am LTS Beste Freunde im Dschungel sind (von links) der Bär Balu (Nadja Bruder) und das Menschenkind Mogli (Luisa Böse). Geier Chil (hinten, Anne Weise) beobachtet die beiden ganz genau.

Bild: Landestheater/Monika Forster

Das Landestheater Schwaben bringt eine hinreißende Version des "Dschungelbuchs" auf die Bühne. Das LTS-Ensemble entführt in Memmingen in eine Urwald-Welt.
09.11.2021 | Stand: 12:20 Uhr

Ob als Bilderbuch, Zeichentrickfilm von 1967 oder als computeranimierter Realfilm: Das Dschungelbuch liegt in vielen optisch beeindruckenden Versionen vor. Kann der Kinderbuchklassiker von Rudyard Kipling da noch auf der Bühne bestehen? Dem Team um Regisseur Mirko Böttcher ist es gelungen, ein hinreißendes Gesamtkunstwerk mit Musik auf die Bretter zu zaubern, das Kinder und Erwachsene bei der Premiere im Großen Haus des Landestheater Schwaben gleichermaßen begeisterte.

Bühnen- und Kostümbildnerin Franziska Isensee konkurriert bei der Darstellung von Urwald und Tieren erst gar nicht mit detailgetreuem Realismus anderer Medien. Sie traut sich ins Abstrakte zu gehen und das funktioniert. Ihr Dschungel ist ein drehbarer Turm aus drei kreisrunden Ebenen, die gegeneinander gekippt sind. Sie lassen sich wie eine Pyramide von allen Seiten bespielen. Lichtleisten betonen die Kreise und sorgen in wechselnden Farben für stimmungsvolle Atmosphäre. Mit den Kostümen schafft sie eine stimmige Verbindung zwischen Mensch und Tier, ohne die menschliche Gestalt zu verstecken. Die Schauspieler sind wie Menschen gekleidet, doch Stoffe und Muster definieren eindeutig Aussehen und Charakter der dargestellten Tiere.

"Das Dschungelbuch" am LTS Memmingen: Mischung aus Mafioso und Gigolo

Das gelingt, weil die Schauspieler, die in Mehrfachbesetzungen auftreten, ihre Tierrolle auch körperlich und stimmlich ausgezeichnet herausarbeiten. Anne Weise als Geier Chil krächzt frech aus einer Federhalskrause heraus. Die Wölfe, die das auf der Flucht vor dem Tiger Shir Khan verlorene Baby in ihrer Mitte aufnehmen und später Mogli („kleiner Frosch“) taufen, tragen Pelzmäntel und Pelzkappen und heulen schaurig schön im Chor. Nadja Bruder als Balu, der Bär, trägt eine dick ausgestopfte, bunte Hose und einen lustigen Hut. Den Rest an Gutmütigkeit und Sympathie erreicht sie mir ihrer Spielfreude. Das schwarze glänzende Fell von Panther Baghira (Regina Vogel), übersetzt Franziska Isensee in einen glitzernden Frack. Jan Beller als sein Gegenpart, der Tiger Shir Kahn, der menschenhungrige Schrecken des Urwalds, kommt dagegen in einem gemusterten grünen Anzug mit rotem Hut und dicker Halskette herangeschlichen. Eine Mischung aus smartem Mafioso und Gigolo.

Grandios auch sein Auftritt als Boss der Affenhorde King Lui, der immer wieder vergisst, was er gerade sagen wollte. Nach einem rockigen Showauftritt der Affen beweist er, was Mogli zunächst nicht glauben will: dass die Affen geschwätzig, töricht und eitel sind. Baghira hält sie sogar für gefährlich. Das erkennt Mogli erst, als es schon zu spät ist und er in einer Schlangengrube eingesperrt wird.

Mogli ist ein Mädchen

Mogli ist in der Memminger Inszenierung übrigens ein Mädchen und wird lebendig und liebenswert von Luisa Böse verkörpert. Wunderbar und witzig ihr Auftritt als Baby, das noch nicht sprechen kann und schlagartig aus grundlosem Heulen in glucksendes Lachen wechselt. Gerne verfolgt man ihre Entwicklung vom hilflosen Kleinkind zum selbstbestimmten Mitglied des Wolfsrudels. Besonders feinfühlig und spannend ist der Moment, wenn Mogli ihresgleichen, also einen Menschen, kennenlernt. Mogli holt in der von Hansjörg Betschart, Konrad Kuhn und Jutta Ferbers bearbeiteten Fassung das Feuer von den Menschen, um sich gegen den gefährlichen Tiger zu wehren. Der lässt sich überraschend schnell von der „roten Blume“ beeindrucken und verzieht sich, nach dem er Mogli den prophetischen Satz entgegengeschleudert hat: „Der Dschungel wird brennen!“

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Bemerkenswert sind auch die musikalischen Übergänge und Lieder von Maria Moling und Marcus Grassl. Sie runden die hervorragende Leistung des Ensembles ab, das bis auf Regina Vogel nur aus Gästen besteht. Die unterhaltsame und lehrreiche Inszenierung bekommt viel Applaus und ist ein großer Spaß für die ganze Familie.