Ein Jahr im Amt

Markt Rettenbachs Bürgermeister: „Der große Unterschied ist die Vielfältigkeit“

MR Bürgermeister

Vor einem guten Jahr nahm Martin Hatzelmann erstmals auf dem Chefsessel im Markt Rettenbacher Rathaus Platz.

Bild: fk

Vor einem guten Jahr nahm Martin Hatzelmann erstmals auf dem Chefsessel im Markt Rettenbacher Rathaus Platz.

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Wie Martin Hatzelmann sein erstes Jahr als Rathauschef von Markt Rettenbach wahrgenommen hat und welche Herausforderungen das Amt für ihn mit sich bringt.
19.05.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Seinen Alltag als neuer Bürgermeister von Markt Rettenbach hätte sich Martin Hatzelmann schon ein bisschen anders vorgestellt. Wichtige Projekte wie der Neubau des Kindergartens in Frechenrieden, der im Juli fertig sein soll, und Investitionen in die Wasserversorgung samt neuem Hochbehälter sind das eine. Doch seit der 44-Jährige auf dem Chefsessel des Rathauses Platz genommen hat, ist das gesellschaftliche Leben quasi zum Erliegen gekommen.

Wegen Corona: Bezirksmusikfest in Frechenrieden musste abgesagt werden

Gefreut hätte er sich über das Bezirksmusikfest in Frechenrieden, das eigentlich im vergangenen Jahr stattfinden sollte und nun auch heuer abgesagt werden musste. Auch Stadel- und Schlossfest fielen der Pandemie zum Opfer. Ebenso zahlreiche Versammlungen der Vereine. „Das Gespräch und der direkte Austausch mit den Bürgern, das fehlt schon“, erklärt Hatzelmann.

Vor einem guten Jahr noch Sachgebiet bei der Autobahndirektion

Noch vor einem guten Jahr war er als Sachgebietsleiter bei der Autobahndirektion Südbayern für die A 96 von Lindau bis München zuständig. Auf diese Erfahrungen kann der 44-Jährige auch als Bürgermeister zurückgreifen – und nicht nur dann, wenn es um den Ausbau oder die Sanierung von Straßen geht. „Mein Team von damals war in etwa so groß, wie nun das im Rathaus.“ Auch habe er es damals schon mit sehr großen Bauprojekten zu tun gehabt.

Der entscheidende Unterschied sei die Vielfältigkeit, die das Amt des Bürgermeisters mit sich bringe. „Gerade ist man an einer Bausache dran und im nächsten Moment geht es schon um das Anliegen eines Bürgers. Da muss man gedanklich schnell von A nach B springen. Es ist schon sehr anspruchsvoll, da immer den Spagat hinzubekommen“, verrät Hatzelmann, der im Ortsteil Wineden aufgewachsen ist. Mit seinem Vorgänger Alfons Weber, der zuvor 36 Jahre im Amt war, habe er ein gutes Verhältnis. „Die Übergabe war sehr gut.“

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Dass er aus Markt Rettenbach stammt, ist für ihn ein klarer Vorteil. „Man ist einfach mit vielen Dingen vertraut, was als Bürgermeister sehr wichtig ist.“ Doch völlig unproblematisch ist diese Vertrautheit nicht immer. Denn die Marktgemeinde habe sehr viele Ortsteile und entsprechend viele Vereine. Da sollte man es laut Hatzelmann unbedingt vermeiden, dass einem in irgendeiner Form eine „Verbandelung“ nachgesagt wird. „Gerade als Bürgermeister ist es wichtig, eine neutrale, objektive Position beizubehalten.“

Er habe den Anspruch an sich, „sachgerechte Entscheidungen“ zu treffen. Vor allem bereite es ihm Freude, wenn er Bürgern bei ihren Anliegen helfen konnte. „Wenn man dann ein positives Feedback bekommt, ist das schon schön“, sagt Hatzelmann.

Neuer Pächter für den „Adler“ in Markt Rettenbach

Eine wohl für die meisten Markt Rettenbacher erfreuliche Nachricht ist, dass die Gemeinde wieder einen Pächter für den Gasthof „Schwarzer Adler“ gefunden hat. Auf entsprechende Anzeigen hätten sich mehrere Interessenten gemeldet. Die neuen Pächter, Michaela und Marius Lacatus aus Memmingen, hätten „das beste Paket“ im Angebot gehabt.

Vor Kurzem haben sie den Betrieb mit einem Abhol- und Bringservice aufgenommen, der laut Hatzelmann räumlich „völlig entkoppelt“ vom Betrieb des örtlichen Kindergartens läuft. Wie berichtet, werden derzeit rund 100 Buben und Mädchen des katholischen Kindergartens „Hand in Hand“ dort betreut, bis der neue Kindergarten in Markt Rettenbach fertig ist.

Rathauschef muss auch als Ersatzlehrer ran

Apropos Nachwuchs: Hatzelmann hat zwei Kinder im Grundschulalter, die jedoch wegen der Pandemie per Homeschooling unterrichtet werden. Da auch seine Frau berufstätig ist und in einer Klinik arbeitet, muss er auch zusätzlich zu seinem Job als Rathauschef hin und wieder auch als „Ersatzlehrer“ ran. „Wobei meine Frau einen Großteil übernimmt“, räumt der 44-Jährige ein.

Die zeitweise Betreuung seiner Kinder sei vor allem deswegen möglich, da wegen Corona viele Termine online und kaum Veranstaltungen stattfinden. Dennoch wünscht sich Hatzelmann, der als Rathauschef mit dem Laufen begonnen hat („das kann man sich zeitlich am besten einteilen“), nichts sehnlicher herbei als ein Ende des Lockdowns und damit den direkteren Kontakt zu den Bürgern.

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