Memmingen

Markus Söders Haare und Ottfried Fischers Mundwerk

MM Zinner

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Bild: Horst Hacker

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Kabarett Bei der Allgäu-Premiere seiner „Raritäten“ spricht und singt Stephan Zinner im Antoniersaal von Geschenken, Wein und Wohnbau
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Von von Horst Hacker
28.01.2020 | Stand: 16:23 Uhr

Die Allgäu-Premiere von Stephan Zinners „Raritäten“ haben sich etwa 200 Besucher im Memminger Antoniersaal angeschaut. Der vor 45 Jahren in Trostberg geborene, jetzt in München lebende bayerische Kabarettist, Musiker und Schauspieler verkörpert seit 16 Jahren beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg den inzwischen Bayern regierenden Landesvater Markus Söder. Auch in Memmingen trug er unverkennbar dessen Perücke, um einen fetzigen Gitarrenhit donnern zu lassen.

Der letztjährige Gewinner des Bayerischen Kabarettpreises legte von Anfang an los. Eine Pointe nach der anderen stürzte seine Gäste fortlaufend in schallendes Gelächter. Mit schnell in Bayern-Slang ausgestoßenen, von Pausen unterbrochenen Wortfolgen ähnelte er dem beleibten Kult-Kabarettisten Ottfried Fischer. Nach dem ersten Gelächter provozierte Zinner augenzwinkernd mit „Begeisterung sieht anders aus“ eine deutliche Steigerung.

Davon ausgehend, dass nicht alle der zahlreichen Besucher freiwillig da seien, begründet er seine Behauptung: „I bin oft a G’schenk“. Und die Dauer seines Auftritts gibt er mit zweimal 45 Minuten mit einer Pause an, ganz wie beim Fußball im Bayern-Stadion. Verwandte seien schon mit Tickets für Fußballspiele beschenkt worden. Weil sie damit nichts am Hut hatten, hätten sie die gegen Karten für sein Soloprogramm umgetauscht, erzählt er.

Was Zinner über alles zu schätzen weiß, sind g’standne Bedienungen – ganz egal, ob weiblich oder männlich – wie sie früher gang und gäbe waren. Aber die Zeiten ändern sich. Gehe man heutzutage z’Minga in ein Lokal und frage: „Madame, was haben wir denn für Weine?“, dann entstehe erst eine Pause. Sofern man doch eine Antwort kriegt, dann eine solche: „Roten und weißen – und wenn man die z’samm schüttet auch noch einen Rosé“.

In München mangelt es an Wohnraum, vor allem an bezahlbarem, berichtet der Kabarettist. Dennoch sei dort kaum einmal ein Rohbau zu sehen. Woran das liegt? Da bauen sie so schnell, dass der Rohbau gar nicht mehr zu bemerken ist. Da sei es vor lauter Eile sogar „scho vorg’kema, dass sie oan polnischen Fliesenlega mit ei’baut hab’n“. Und wer an Münchens Wohnungsmisere schuld ist, hat Zinner auch längst rausgefunden: „Die aus’m Norden ob’n! Kumma in den Süden runter – und bleib’n einfach do!“ Beim Thema Wohnungsbau ist Zinner einer Meinung mit Münchens OB Dieter Reiter und Bauminister Hans Reichhart. So besingt er nach rockig gitarristischem Anspiel raustimmig: „Wir müssen bau’n, wir müssen bau’n, jo wir müssen bau’n...“

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