Verkehrsstatistik

Mehr Unfälle, aber weniger Schwerverletzte in Memmingen

Über 1500 Mal waren Beamtinnen und Beamte der Polizeiinspektion Memmingen im Jahr 2021 bei Verkehrsunfällen im Einsatz.

Über 1500 Mal waren Beamtinnen und Beamte der Polizeiinspektion Memmingen im Jahr 2021 bei Verkehrsunfällen im Einsatz.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Über 1500 Mal waren Beamtinnen und Beamte der Polizeiinspektion Memmingen im Jahr 2021 bei Verkehrsunfällen im Einsatz.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Im Bereich der Polizeiinspektion Memmingen hat es im vergangenen Jahr 1500 Mal gekracht. Die Schulwegunfälle haben sich verdoppelt.
15.05.2022 | Stand: 18:00 Uhr

Die Unfallstatistik der Polizeiinspektion Memmingen für das Jahr 2021 hat jetzt Polizeihauptmeisterin Sandra Wegele dem Verkehrsausschuss des Stadtrats vorgestellt. Die Zahl der Unfälle ist im Vergleich zum Vorjahr zwar von 1411 auf 1505 Fälle gestiegen, dafür gab es weniger schwer verletzte Personen, die im Klinikum behandelt werden mussten (39 statt 45). Der einzige Unfalltote im letzten Jahr war ein alleinbeteiligter Radfahrer. Insgesamt spricht die Polizei von einem eher unauffälligen Unfallgeschehen in Memmingen – bis auf die stark angestiegene Anzahl der Schulwegunfälle.

Nach dem strengen Lockdown 2020, in dem die meisten Schüler im Homeschooling waren, nahmen die Schulwegunfälle 2021 gegenüber dem Vorjahr um 100 Prozent zu – von fünf auf zehn Fälle. Glücklicherweise gab es dabei nur leicht Verletzte, allerdings auch dabei eine Zunahme um 100 Prozent. Laut Wegele waren hauptsächlich Kinder der fünften, sechsten und siebten Klassen betroffen. „In diesem Alter sind viele erstmals ohne Begleitung unterwegs“, lieferte sie als Erklärung dazu. Allein sieben der gemeldeten Unfälle waren junge Radlerinnen und Radler. „Die hätte man aber verhindern können, wenn die Kinder besser aufgepasst oder rote Ampeln beachtet hätten“, sagte die Polizeibeamtin.

Auffahrunfälle wegen Ablenkung durch Handy

Was die Unfallursachen insgesamt anbelangt, gab es 2021 einen neuen Spitzenreiter. Am häufigsten krachte es wegen zu geringem Sicherheitsabstand, also bei klassischen Auffahrunfällen. „Meine persönliche Meinung dazu ist, dass da Ablenkung durch das Handy eine große Rolle spielt“, sagte Wegele. Sie sehe oft bei Kontrollen, dass Fahrerinnen und Fahrer mit dem Handy hantieren. Die zweit- und dritthäufigsten Ursachen waren Fehler beim Abbiegen und Alkoholfahrten.

Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war, haben 2021 gegenüber 2020 deutlich zugenommen (28 statt 21 Fälle). Dazu kamen 122 festgestellte Trunkenheitsfahrten, die folgenlos blieben. 48 alkoholisierten Personen wurde die Fahrt noch vor Antritt verwehrt. Auch zwei Unfälle, bei denen Drogen im Spiel waren, hat die Polizei im vergangenen Jahr registriert (2020 gab es gar keinen).

Häufig kam es zu Unfällen wegen nicht angepasster Geschwindigkeit – entweder bei schlechten Wetterverhältnissen oder weil man sein Fahrvermögen überschätzt hat. Knapp 5000 Verstöße gegen die Höchstgeschwindigkeit hat die Polizeiinspektion Memmingen im vergangenen Jahr geahndet, 225 Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer mussten danach einen Monat „zu Fuß gehen“, wie Wegele den Führerscheinentzug bildlich beschrieb.

Ein toter Radler

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Zurückgegangen sind die Radlerunfälle von 130 auf 119 Kollisionen. Auffällig sei dabei, dass zu 50 Prozent die Radler selbst Unfallverursacher waren, berichtete Wegele. Davon waren elf als Geisterradler unterwegs. Pedelec-Fahrer waren an 25 Unfällen beteiligt (2020 waren es 19), dabei wurden 24 Männer und Frauen verletzt.

Auch der einzige Verkehrstote im Jahr 2021 war ein Radler. Der Rennradfahrer, der einen Helm trug, stürzte in der Allgäuer Straße ohne Fremdbeteiligung und krachte dabei gegen eine Mauer. Er hatte 1,8 Promille Alkohol im Blut.

Deutlich zugenommen hat die Zahl der Wildunfälle: 71 Mal war dies der Grund, warum die Polizei ausrücken musste (im Vorjahr: 47). Unfallschwerpunkte waren dabei die Europastraße, die Bodenseestraße stadtauswärts, die Grönenbacher Straße, die Strecken zwischen Dickenreis und Illerbeuren sowie Holzgünz und Niederrieden und die Otterwaldstraße.

Unfallflucht: Bevölkerung hilft bei Aufklärung

338 Unfallfluchten mussten die Beamten und Beamtinnen im Jahr 2021 aufnehmen – fast 24 Prozent mehr als 2020. Das sei aber nur die Spitze des Eisbergs, sagte Wegele. Eine wesentlich größere Anzahl würde gar nicht erst gemeldet bei der Polizei. Deutlich gestiegen sei erfreulicherweise auch die Aufklärungsquote. Zu 20 Prozent gelang es dabei, die Täter und Täterinnen mit Hilfe der Bevölkerung zu finden.

Deshalb appelliert die Polizeihauptmeisterin eindringendlich an alle: „Rufen Sie unbedingt bei der Polizei an und melden Sie das Kennzeichen, wenn Sie etwas gesehen haben.“ Sie rät, überhaupt alles zu melden, was einem verdächtig vorkommt. „Das ist auch eine Bürgerpflicht.“