Ausstellung

Mein Freund, der Baum: Besondere Ausstellung im Unterallgäu

SH Naturausstellung

Was wäre, wenn die Bäume handeln würden wie wir Menschen? Am „Fotolyser“, der die Energie aus dem Erdöltank direkt in die Bäume füllt, stehen (von links) Ursula Lerchenmüller, Irene Merkl, Hannelore Kral und BN-Kreisvorsitzender Helmut Scharpf.

Bild: Martin Muth/BN

Was wäre, wenn die Bäume handeln würden wie wir Menschen? Am „Fotolyser“, der die Energie aus dem Erdöltank direkt in die Bäume füllt, stehen (von links) Ursula Lerchenmüller, Irene Merkl, Hannelore Kral und BN-Kreisvorsitzender Helmut Scharpf.

Bild: Martin Muth/BN

Bund Naturschutz zeigt Objekte in Sontheim, die auch zum Augenzwinkern veranlassen. Schau zeigt bis einschließlich Samstag auch Lösungsansätze samt Kinder-Quiz.
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Von Redaktion Memminger Zeitung
15.09.2021 | Stand: 11:45 Uhr

Bäume gießen ihre Wurzeln mit Wasser aus dem Supermarkt, das mühsame Ansaugen des Wassers über die Wurzeln entfällt. Bäume lassen sich per Flugzeug Luft mit viel Stickoxiden aus den Großstädten der Welt liefern, „weil die besser schmeckt“. Sogar die Ameisen beziehen „Läuse zum Melken aus Italien, denn die italienischen Läuse haben einfach süßere Ausscheidungen“. Es gibt Bäume, die „zum Winterurlaub in den Süden fliegen“.

Klingt alles absurd – und ist es auch. Genauso absurd wie das Konsumverhalten der Menschen, das mit Hilfe der Fabeln im Ausstellungsteil in der Salzstraße in Sontheim deutlich gemacht wird, erklärt der Bund Naturschutz (BN). Nichtsdestotrotz überwiegt das Augenzwinkern in den Objekten, die Absurdität reizt zum Lachen, das Lachen gerät zu einem Lachen über sich selbst.

"Sollten Bäume als Lebewesen verstehen"

„Wir sollten die Bäume als Lebewesen verstehen“, sagt die Sontheimer BN-Ortsvorsitzende Hannelore Kral in ihrer Begrüßung, „und ihnen als Lebewesen Wertschätzung entgegenbringen“. Auch wir Menschen würden „Dreck machen“, die Leistung der Bäume sei Schwerstarbeit und sollte ins Bewusstsein gerückt werden. In einer Umgebungskarte wurden von Joachim Stiba Standorte ortsbildprägender Bäume eingezeichnet. Die Besucher der bis Samstag (18.September) laufenden Ausstellung können ihre eigenen Lieblingsbäume eintragen.

Irene Merkl von der Ortsgruppe Erkheim bezeichnete Bäume als „Multitalente“, doch nur sechs Prozent der bayerischen Kommunen hätten eine Baumschutzverordnung – darunter Bad Wörishofen und Memmingen. Damit verband Merkl „einen Appell an Bürgermeister und Gemeinderäte, die mutig sind“.

Erkheims Bürgermeister Seeberger erinnerte in seinem Grußwort an das Lied „Mein Freund der Baum“ der Sängerin Alexandra aus dem Jahr 1968, meinte aber: „Die Probleme von damals sind durch den Klimawandel, Unwetter und Schädlinge, die an den Bäumen nagen, heute noch viel bedeutender – es gibt immer mehr Bauvorhaben, für die Bäume weichen müssen.“ Kommunen hätten Vorbildcharakter, Erkheim beteilige sich zum Beispiel seit Gründung am Projekt des Landkreises „Mehr Bäume für den Klimaschutz“, aus dem heraus eine Allee in Richtung Sontheim wachse.

"Mensch ist Teil des Problems, aber auch der Lösung"

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Sein Sontheimer Kollege Alfred Gänsdorfer sieht die Menschen „als Teil des Problems, aber auch als Teil der Lösung“. Die nötige Bildung sei mehr als nur Information, sie müsse Spaß machen, es brauche „kreative Wege der Wissensvermittlung“. Vom Konzept der Ausstellung zeigt er sich – wie auch Kreisfachberater Markus Orf und Eggs Bürgermeister Wolfgang Walter – begeistert, „weil auch die Lösungsschritte genannt werden“.

Die nötige Kreativität sowie ihr handwerkliches Geschick brachte die Graphik-Designerin Ursula Lerchenmüller ins Projekt ein. Sie erstellte nicht nur ein liebevoll gestaltetes Rätselheft für Kinder, sondern baute auch die Installationen in der Salzstraße. Die Ausstellung wurde in das Konzept des Umweltbildungsangebots „Prima-Klima-Kids“ der Kreisgruppe des BUND Naturschutz Memmingen-Unterallgäu integriert, unterstützt von der Klimaschutzfachstelle des Landratsamtes Unterallgäu. Für Kinder ist ein Quiz vorbereitet, sie können in der Ausstellung ihre eigenen Wege gehen.