Straßenkunst

Memmingen: Künstler verschönern Bauzaun

Wall of Fame im Rosenviertel

Christina Christ hat die „Hall of Fame“ im Stadtpark dazu inspiriert, Street-Art ganz einfach mal selbst auszuprobieren. Mit ihrem Mau, der in die Sterne blickt, hat sich die 43-Jährige viel vorgenommen.

Bild: Dunja Schütterle

Christina Christ hat die „Hall of Fame“ im Stadtpark dazu inspiriert, Street-Art ganz einfach mal selbst auszuprobieren. Mit ihrem Mau, der in die Sterne blickt, hat sich die 43-Jährige viel vorgenommen.

Bild: Dunja Schütterle

Im Rahmen eines Wettbewerbs wird der Bauzaun im Rosenviertel am Memminger Bahnhof kreativ gestaltet. Was das mit dem Festival „Meile“ zu tun hat.
20.06.2021 | Stand: 12:01 Uhr

Der Mau und der Blick in die Sterne: Christina Christ tauscht an diesem Tag Pinsel und Farbkasten – mit denen sie sonst ihre Motive zu Papier bringt – mit den Farben aus der Spraydose. „Für mich ist es das allererste Mal, dass ich ein Bild an eine so große Wand sprühe“, sagt die 43-Jährige Hobbymalerin und zeigt auf ihre farbig ausgearbeitete Skizze, deren Ergebnis am Ende den fünf Meter langen, rohen und grauen Holzzaun-Abschnitt verschönern wird.

Der zwei Meter hohe Zaun rahmt das freie Gelände im Rosenviertel, dem ehemaligen Bahnhofsviertel, ein. Die künstlerisch gestaltete Umzäunung wird ab Donnerstag zum Dreh- und Angelpunkt rund um das temporäre Festivalgelände der Memminger Meile, die bis zum 18. Juli stattfindet.

Die jüngsten Teilnehmer sind zwölf Jahre alt

Während Christ ihre selbst gemachte Schablone (Stencil) des Memminger Rathauses in die richtige Position für den Farbauftrag bringt, wird an der Nachbarwand schon das Feintuning gesprüht. Die Freunde Vincent Niebling und Adrian Mock aus Kaufbeuren sind die jüngsten Teilnehmer des Graffiti-Wettbewerbs, für den eine Jury zehn eingereichte Motivvorschläge ausgewählt hat und drei weitere der schönsten Street-Art-Gemälde mit Geldpreisen von 100 bis 250 Euro prämieren wird. „Unser Motiv ist einfach verspielt und farbenfroh“, sagen die beiden Zwölfjährigen und zeigen auf ihre Interpretation des zusammengesetzten Wortes Lemontree: eine Zitrone und einen Baum. „Wir haben den Teilnehmern einen relativ großen Spielraum zur Interpretation ihrer Kunst gelassen“, erklärt Kulturamtsleiter Dr. Wolfgang Bayer. Mit einem Verbrauch von rund vierundzwanzig Farbdosen rechnet Tobias Fischer, der Memmingens prägnante Silhouette ganz in Schwarz vor einen orangefarben-gelben Sonnenuntergang setzt. „Für mich steht der künstlerische Aspekt klar im Vordergrund“, betont er, weswegen für ihn illegales Sprühen auch nie infrage käme.

Stadtjugendpfleger: Graffiti längst kein Vandalismus mehr

„Graffiti hat längst den Weg aus dem Vandalismus hin zur urbanen Kunst gefunden. Und je mehr Flächen legal verschönert werden, desto weniger unschöne Beschmierungen in der Stadt gibt es“, sagt Stadtjugendpfleger und Initiator Andreas Kerler, der auch für die „Hall of Fame“, das Graffitiprojekt im Stadtpark, verantwortlich ist.

Sprayer wie „Isuok“ alias Moritz Bitzer suchen Freiflächen für ihre Kunst, die sie legal verschönern können. Der Grafikdesign-Student aus Steinheim setzt gerade den Schriftzug „MM“ in Szene. Mit Fingerspitzengefühl bedient er den Auslöser der Spraydose, um aus der rot angelegten Linie eine verlaufsfreie Rose zu kreieren, die sich als Stilelement um die Buchstaben legt. „Man braucht Gefühl für Proportionen und Sinn für Ästhetik“, weiß er aus Erfahrung.

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Maximilian Schlegel am Zaunabschnitt neben ihm hat statt der Spraydose einen Pinsel in der Hand. „Ich mache Mural Art“, sagt er, eine auffälligere Art der Wandmalerei, bei der Motive wie sein Astronaut lebensgroß in Szene gesetzt werden.

Wissenswertes zum Street-Art-Wettbewerb in Memmingen

  • Wettbewerb: Street-Art fasst verschiedene Techniken der Straßenkunst zusammen, die im städtischen Raum legal wie illegal angebracht werden. Die bekanntesten sind Graffiti, Stencil-Art (gesprayte Schablonen-Kunst) und Mural Art (lebensgroße Bilder und Motive, die gemalt und gesprayt werden).
  • Jury: Andreas Kerler (Jugendamt), Max Lanzl (Künstler), Stefan Porkert (Grafiker), Dr. Wolfgang Bayer (Kulturamtsleiter), Lukas Schmidl (Lechwerke GmbH), Armin Geyer (a-man Boardingstore)
  • Preise: 1. Platz: 250 Euro, 2. Platz: 150 Euro, 3. Platz: 100 Euro.
  • Förderung: Gefördert wird die Aktion durch das Memminger Kulturamt und die Lechwerke (LEW).