Mammutprojekt Kombibad

Memminger Bad-Pläne: „Bürgernah“ oder nur „eine halbe Sache“?

Am Standort des Memminger Freibads (Foto) will die Stadt ein Kombibad errichten – die Baukosten werden derzeit mit etwa 38 Millionen Euro angegeben. Doch ob hier tatsächlich ein zukunftsfähiges Bad entsteht, ist aus Sicht einiger Leser zweifelhaft.

Am Standort des Memminger Freibads (Foto) will die Stadt ein Kombibad errichten – die Baukosten werden derzeit mit etwa 38 Millionen Euro angegeben. Doch ob hier tatsächlich ein zukunftsfähiges Bad entsteht, ist aus Sicht einiger Leser zweifelhaft.

Bild: Eva Maria Häfele (Archiv)

Am Standort des Memminger Freibads (Foto) will die Stadt ein Kombibad errichten – die Baukosten werden derzeit mit etwa 38 Millionen Euro angegeben. Doch ob hier tatsächlich ein zukunftsfähiges Bad entsteht, ist aus Sicht einiger Leser zweifelhaft.

Bild: Eva Maria Häfele (Archiv)

Viele Menschen in Memmingen und Umgebung begrüßen das Vorhaben, ein zukunftsfähiges Bad zu bauen. Doch bei einigen lässt das Konzept Zweifel aufkeimen.
12.02.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Die kürzlich vom Stadtrat beschlossenen Pläne für das neue Kombibad beschäftigen die Menschen in Memmingen und Umgebung: Nicht nur bei unserer Online-Umfrage (zu den Ergebnissen geht's hier), auch in einer Vielzahl von Zuschriften haben sich unsere Leser damit auseinandergesetzt. In einer ersten Zusammenstellung haben wir einige Positionen zusammengefasst: Während viele Leser den Neubau begrüßen, befürchten andere dadurch deutlich höhere Eintrittspreise und hätten eine Sanierung der bestehenden Bäder vorgezogen. Kritisch sieht mancher auch die beschlossene Ausstattung und die Standortwahl.

  • Standort: Das Areal des bisherigen Freibads sieht etwa Karl-Heinz Straßer aus Memmingen als ungeeignet an: „Die Parkplatzsituation, zum Beispiel an einem schönen Sommertag, ist eine Zumutung.“ Margot Schwarzer aus Benningen bezeichnet ein neues Bad als „überfällig“, doch auch sie merkt an: „Man erhofft sich auch mehr Besucher. Wo sollen die parken? Die jetzigen Parkplätze werden nicht ausreichen.“ Keine Antwort darauf ist es nach ihrer Meinung, beispielsweise auf Parkplätze in der Bahnhofstraße zu verweisen: „Sollen die Badegäste dann mit Badetasche, Kühltasche und so weiter über den Steg laufen? Für Familien und ältere Menschen unzumutbar.“ Ähnliche Bedenken gegen einen Neubau an der vorgesehenen Stelle hat Carmen Hampl aus Memmingen: „Wir haben im Ortsteil Amendingen am Stadtrand genügend Platz für ein neues Bad. Man könnte großzügiger bauen und locker mit Fahrrad oder Auto anreisen“, so ihr Einwand. Generell plädiert sie aber dafür, das alte Bad zu erhalten und das Vorhaben zu überdenken: „Es ist nur eine halbe Sache und Geldverschwendung.“
  • Sanierung: Mehrere Leser und Leserinnen hätten nach eigenen Worten eine Sanierung der Bäder als bessere Lösung empfunden – so zum Beispiel Helga Schubert. Sie schreibt: „Ich bin 69 Jahre alt und besuche das Memminger Freibad seit meiner Kindheit. In den vergangenen Jahren von der Eröffnung bis zum Ende: jeden Tag bei Wind und Wetter.“ Schubert lobt das bestehende Bad für die angenehm warme Wassertemperatur, Sauberkeit und günstige Preise. Sie befürchtet, dass bei einem Neubau „dann zwei bis drei Jahre kein Badebetrieb möglich ist: Was machen wir Schwimmer dann?“ Viele von denen, „die unbedingt ein neues Bad wollen“, glaubt Schubert, „werden nach der Fertigstellung nicht hingehen, weil es ihnen dann zu teuer ist“. Eine überaus zufriedene Besucherin des Freibads ist auch Heike Englert aus Woringen: „Dabei genieße ich die wunderschöne Liegewiese und den alten Baumbestand und das mitten in Memmingen, ohne lange Anfahrt.“ Eine Verjüngungskur für die Becken hätte ihrer Ansicht nach genügt. Das Konzept für das neue Bad erinnert sie an das Prinzip „Eier legende Wollmilchsau“, das aus ihrer Sicht aber nicht funktioniert, weil ein Bad für die Erholung nicht mit einem Spaßbad zu vereinbaren ist. Im nahen Umkreis existierten überdies genug Erlebnisbäder, schreibt die ehemalige Memmingerin. Darauf verweist ebenso Marion Warth und bezeichnet das Kombibad als „absolut unnötig“. Stattdessen hätte auch sie für eine Renovierung „unseres wunderschönen Freibads“ plädiert, um so auch möglichst die günstigen Eintrittspreise so zu belassen wie bisher. Verbesserungsbedarf mahnt sie bei den Öffnungszeiten an – schaffe es die Stadt doch „nicht einmal, in den ,Hauptsommermonaten’ das Freibad länger als bis 20 Uhr zu öffnen“.
  • Ausstattung: Eine Befürworterin des Kombibads ist Doris Huith aus Memmingen.Der Stadtrat hat demnach eine gute Entscheidung getroffen – auch in puncto Ausstattung: Anstelle eines Spaßbads habe er eine „bürgernahe“ Variante auf den Weg gebracht. Die acht Bahnen in der Halle machten zudem Wettkämpfe für Schüler und Vereine möglich. Huith hofft nicht nur auf ein energetisch auf die Zukunft ausgerichtetes Bad, sondern auch auf eines mit „fairen Eintrittspreisen – auch für Geringverdiener, die nicht ins Studio gehen können“. Grundsätzlich positiv bewertet auch Alfons Guggenmos aus Memmingerberg die Bad-Pläne. „Jedoch würden sich viele Memminger sowie auch Bürger aus der Umgebung zusätzlich eine kleine Saunalandschaft wünschen.“ Besonders reizvoll wäre es aus seiner Sicht, dabei den vorbeifließenden Bach in irgendeiner Form zu integrieren.

Schärfere Kritik an der Ausstattung äußern andere Leser: „Ein Hallen-/Freibad muss eine Saunawelt haben. Ansonsten ist es einfach nicht attraktiv“, ist etwa einer der weiteren Punkte im Beitrag von Karl-Heinz Straßer. Auch spricht er sich für neue Öffnungszeiten aus: „Heute ist es jedenfalls so, dass an Feiertagen und am Sonntagnachmittag das Hallenbad geschlossen ist. Exakt an den Tagen, an denen Familien Zeit hätten, ins Bad zu gehen.“ Das Kombibad sei „ja nicht nur eine Kombination von Hallen- und Freibad, sondern auch von Sport- und Spaßbad“, schreibt Andrea Schropp aus Memmingen und deutet dabei Zweifel an, ob dieses Konzept aufgehen kann: „Was aber gar nicht geht, ist, dass es keinen Saunabereich geben soll.“ Aus ihrer Sicht ein „Armutszeugnis“ für die Stadt. Angesichts der vielen Aufschübe des Projekts und der derzeit schwierigen Haushaltssituation wäre Schropps Meinung nach ein weiteres Zurückstellen um zwei bis drei Jahre nicht mehr ins Gewicht gefallen. Klare Worte findet auch Ralf Helmut Reinhardt aus Kirchdorf: „Für 38 Millionen ein Kombibad ohne Spaß für Kinder zu bauen, ist schon lächerlich.“ Denn gerade im Winter sei für die jüngeren Besucher des Bades kaum etwas geboten. Überdies fehlt auch ihm die Sauna: „Ich möchte nicht immer zum Saunieren nach Illertissen, Kempten oder Ulm fahren müssen.“ Ohnehin ist für Reinhardt bei der Planung „alles viel zu klein und Parkplätze sind da auch zu wenig“. Der beste Standort wäre für Reinhardt jener, auf dem sich früher die Rinderbesamungsanlage befand.