Pandemie

Memminger Kleinkunstbühne PiK gibt nicht auf

KU PiK

Holger Paetz, der viele Jahre das Singspiel für den Starkbieranstich am Nockherberg geschrieben hat, hält im PiK eine Buß- und Fastenpredigt.

Bild: Erik Dreyer

Holger Paetz, der viele Jahre das Singspiel für den Starkbieranstich am Nockherberg geschrieben hat, hält im PiK eine Buß- und Fastenpredigt.

Bild: Erik Dreyer

Trotz aller Corona-Widrigkeiten will das PiK am 15. Januar sein Frühjahrsprogramm starten. Auch um den Künstlern eine Perspektive geben zu können.
10.01.2022 | Stand: 13:55 Uhr

Fest entschlossen ist das ehrenamtliche Betreiber-Team des PiK (Parterretheater im Künerhaus), am 15. Januar das geplante Frühjahrsprogramm 2022 zu starten. Und die erste Vorstellung mit BlöZinger ist bereits ausverkauft – kein Wunder, dürfen die etwa 80 Plätze der Memminger Kleinkunstbühne aktuell nur zu 25 Prozent besetzt werden. „Wichtig ist uns einfach, dass man sieht, es geht bei uns weiter, wir geben nicht auf“, betont Conni Bader vom Vorstandsteam. „Außerdem haben uns so viele Leute unterstützt. Das Geld muss weitergegeben werden an die Künstler!“ Alle hoffen darauf, dass bald zumindest wieder 40 Prozent der Zuschauerinnen- und Zuschauerplätze belegt werden dürfen wie zuletzt im Herbst.

Vor knapp zwei Jahren – im März 2020 – musste im PiK nach Verhängung des ersten Lockdowns zum ersten mal eine Vorstellung wegen Corona abgesagt werden. Betroffen war damals der Auftritt von Jess Jochimsen mit dem zufällig passenden Titel „Heute wegen gestern geschlossen!“ Erst im Herbst gab es dann wieder eine Vorstellung, verlegt ins Landestheater Schwaben, das seine Bühne – und vor allem den größeren Zuschauerraum – für die Kleinkunst zur Verfügung gestellt hatte. Es sollte für fast ein Jahr die einzige bleiben, nachdem die Pandemie weitere Kultur-Lockdowns beziehungsweise so strenge Zugangsregeln erzwungen hatte, die es dem PiK-Team unmöglich machten, zu öffnen. Da half nicht einmal die ausgetüftelte Lüftungsanlage, die PiK-Mitglied Werner Bader bis zum Januar 2021 eingebaut hatte.

Großzügige Spenden

„Dank großzügiger Spenden und vor allem dank unserer treuen Mitglieder waren wir in der Lage, im Herbst 2021 trotz drastisch reduzierter Zuschauerzahl und damit geringerer Einnahmen beim Kartenverkauf den Spielbetrieb wieder aufzunehmen“, blickt Bader zurück. Geholfen habe auch, dass viele auf eine Rückzahlung ihrer nicht in Anspruch genommenen Karten verzichtet haben. Leider sei es im November zu neuen massiven Einschränkungen gekommen, nach denen drei Vorstellungen abgesagt werden mussten, da bereits mehr Karten dafür verkauft worden waren, als nach den dann geltenden Regeln erlaubt gewesen wären.

Doch das PiK-Team lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn die Situation gerade wieder wenig ermutigend ist. Nicht zuletzt, um den Künstlern, die der Bühne teils schon viele Jahre treu sind, eine Perspektive bieten zu können. Im Frühjahrsprogramm stehen jetzt größtenteils Auftritte, die manchmal schon mehrfach Corona bedingt verschoben werden mussten:

- Samstag, 15. Januar: BlöZinger, „Vorzügliche BetrACHTungen –Ein Best of“-Kabarett. Die vielfach ausgezeichneten Kabarettisten, die auch das Memminger Maul 2019 gewonnen haben, lassen die besten Figuren ihrer vergangenen Programme noch einmal zu Höchstform auflaufen – zusammengestrickt mit einem neuen Faden.

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- Samstag, 5. Februar: Holger Paetz, „Fürchtet euch – Die Buß- und Fastenpredigt“. Wenn einer gut ein Jahrzehnt lang das Singspiel für den Starkbieranstich am Nockherberg geschrieben hat, weiß er, wie Politiker-Derblecken geht. In seiner schwarzhumorigen Art zieht der preisgekrönte Münchner Kabarettist kräftig vom Leder.

- Samstag, 12. Februar: Anne Folger, Klavierkabarett „Fußnoten sind keine Reflexzonen“. Die Künstlerin wirbelt mit flinken Fingern und augenzwinkernd über die Tasten. Dafür gab es den Baden-Württembergischen Kleinkunstpreis 2021 (Förderpreis).

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Alle Vorstellungen beginnen um 20 Uhr, Eintritt 20 Euro.