Pandemie

Memminger Schuhläden öffnen nach Corona-Gerichtsurteil wieder

Eine Kundin freut sich bei Schuh-Mann in Memmingen, dass sie endlich wieder Schuhe vor Ort anprobieren kann. Verkäuferin Andrea Lanzinger (links) berät sie.

Eine Kundin freut sich bei Schuh-Mann in Memmingen, dass sie endlich wieder Schuhe vor Ort anprobieren kann. Verkäuferin Andrea Lanzinger (links) berät sie.

Bild: Thomas Schwarz

Eine Kundin freut sich bei Schuh-Mann in Memmingen, dass sie endlich wieder Schuhe vor Ort anprobieren kann. Verkäuferin Andrea Lanzinger (links) berät sie.

Bild: Thomas Schwarz

Kunden und Geschäfte reagieren erleichtert auf Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs. Warum aktuell besonders Kinderschuhe gut laufen.
02.04.2021 | Stand: 15:53 Uhr

Das Öffnungs-Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes vom Mittwoch nutzen auch Memminger Schuhgeschäfte so wie in vielen anderen Allgäuer Städten. Das Schuhhaus Werdich in der Kramerstraße hat seit Donnerstag um 14 Uhr wieder offen. „Wir brauchten einen kurzen Vorlauf, um das Personal zu informieren“, sagt Verkäuferin Roswitha Hopf. Die ersten Kunden seien schnell gekommen und würden vom dreiköpfigen Verkaufspersonal beraten. Besonders gefragt seien Kinderschuhe, konkret Sandalen für die nun nahende warme Jahreszeit. Erstmal hat Werdich am Donnerstag bis 18 Uhr auf. Für Samstag sind die Öffnungszeiten noch nicht klar. Gesundheitliche Bedenken hat Roswitha Hopf nicht. Man halte sich an die Hygieneregeln. Entsprechend gebe es beispielsweise Desinfektionsmittelspender und Absperrvorrichtungen, falls es zu voll werde. „Das ganze ist jedoch ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Verkäuferin Hopf. Denn viele Kunden wüssten noch nichts von den Auswirkungen des Gerichtsurteils oder würden es nicht glauben.

"Endlich mal positive Nachrichten"

Groß ist die Euphorie auch bei Markus Kunkel, dem Inhaber von Schuh-Mann in der Memminger Furtgasse: „Gott sei Dank, endlich mal eine positive Nachricht nach all den Hiobsbotschaften der vergangenen Monate. Das ist elementar wichtig für uns.“ Inhaber Kunkel hat am Mittwochabend gegen 23 Uhr erfahren, dass er wieder öffnen dürfe - und diese Erlaubnis in Memmingen gleich am Donnerstagmorgen um 9 Uhr in die Tat umgesetzt. Obwohl er sich erst mehrmals rückversichern musste, ob die Nachricht auch tatsächlich stimmte. „Denn ich dachte zuerst, dass es sich um einen Aprilscherz handelt.“ Doch es war keiner. Kunkel betont nun: „Auch die Mitarbeiter, die alle Angst um ihren Arbeitsplatz hatten, sind jetzt total happy, dass sie endlich wieder arbeiten können und nicht mehr zuhause rumsitzen müssen.“

"Politik hat beste Umsatzphasen zweimal kaputt gemacht"

Kunkel ist Geschäftsführer von 25 Schuhläden in Bayern und Baden-Württemberg und beschäftigt dort insgesamt 180 Mitarbeiter, neun davon in Memmingen. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Achstetten in Baden-Württemberg, wo Kunkels Läden noch nicht öffnen dürfen. Kunkel berichtet: „Viele Kunden haben in den vergangenen Monaten bei uns angerufen und gefragt, warum bei uns eigentlich zu ist. Ehrlich gesagt: Wir haben das auch nicht verstanden.“ Seit einem Jahr habe er sämtliche Umsätze verloren. „Deswegen ist es nun umso schöner, dass wir wenigstens in Bayern wieder öffnen dürfen. Die aktuelle Phase gehört nämlich zu unseren Hauptumsatzzeiten im Jahr – wie Weihnachten auch.“ Diese besten Umsatzphasen seien ihm zuletzt von den politischen Entscheidungsträgern „zweimal kaputt gemacht worden“.

Doch nun freut sich Markus Kunkel, dass seine Mitarbeiter wieder Kunden begrüßen dürfen. „Die wollen doch jetzt auch endlich alle raus aus den Winterstiefeln und neue Schuhe kaufen.“ Am Angebot wird es ganz sicher nicht hapern, denn: „Bei uns staut sich seit eineinhalb Jahren die Ware“, sagt Markus Kunkel. Vor Ort lässt sich eine Kundin von Verkäuferin Andrea Lanzinger beraten - sie sucht Sandalen. Ihr Mann hat bereits zwei Paar gefunden. "Klick&Collect" sei nicht ihr Ding, sagt die Kundin. Sie wolle die Schuhe lieber direkt anprobieren und schauen ob sie passen.

Wie bei Werdich wird auch bei Schuh-Mann in Memmingen wert auf Sicherheit gelegt. "Eigentlich dürfen wir bis zu 44 Kunden in den Laden lassen, wir haben es aber erstmal auf 22 begrenzt, damit wir eine bessere Übersicht behalten", sagt Andrea Lanzinger.

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