Auszeichnung

Memminger St. Martinskirche bekommt Denkmalpflegepreis

Bei der Preisverleihung: (von links) Memmingens evangelischer Dekan Christoph Schieder, Juryvorsitzender Klaus-Jürgen Edelhäuser und der verantwortliche Ingenieur Prof. Dr. Karl G. Schütz.

Bei der Preisverleihung: (von links) Memmingens evangelischer Dekan Christoph Schieder, Juryvorsitzender Klaus-Jürgen Edelhäuser und der verantwortliche Ingenieur Prof. Dr. Karl G. Schütz.

Bild: Tobias Hase

Bei der Preisverleihung: (von links) Memmingens evangelischer Dekan Christoph Schieder, Juryvorsitzender Klaus-Jürgen Edelhäuser und der verantwortliche Ingenieur Prof. Dr. Karl G. Schütz.

Bild: Tobias Hase

Warum die Jury das Instandhaltungskonzept für das fast 700 Jahre alte Gotteshaus lobt.
Bei der Preisverleihung: (von links) Memmingens evangelischer Dekan Christoph Schieder, Juryvorsitzender Klaus-Jürgen Edelhäuser und der verantwortliche Ingenieur Prof. Dr. Karl G. Schütz.
Von Redaktion Memminger Zeitung
20.09.2020 | Stand: 10:40 Uhr

Fünf Baudenkmäler in Schwaben und eines aus Oberbayern wurden jetzt bei der Preisverleihung mit Bauministerin Kerstin Schreyer im Neuen Schloss Schleißheim mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis 2020 ausgezeichnet – auch die Evangelisch-Lutherische St. Martinskirche in Memmingen, die bei den öffentlichen Gebäuden „Silber“ erhielt. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau verleiht den Preis mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege alle zwei Jahre in den Kategorien private und öffentliche Bauwerke.

Die Jury begründete ihre Entscheidung für die Martinskirche in Memmingen damit, dass es für das Gotteshaus ein vorbildliches Instandhaltungskonzept gebe. Denn die Kirche wurde seit dem Jahr 1350 immer wieder umgebaut und erweitert. Die dabei erfolgten Eingriffe in das Tragwerk, wie der Einbau schwerer Mauerwerksgewölbe in den Seitenschiffen und einer deutlich schwereren Konstruktion des Gewölbes, führten zu massiven Verformungen und Schäden, sodass das Bauwerk grundlegend statisch instandgesetzt werden musste.

Die Schadensursachen konnten im Zuge der Voruntersuchungen nur durch einen interdisziplinären Ansatz unter besonderer Berücksichtigung der baugeschichtlichen Umbauten festgestellt werden. Die durchgeführten statischen Maßnahmen zur Sicherung der Gewölbe des Kircheninnenraumes sind nicht sichtbar und lassen auch den Dachraum nahezu unbeeinträchtigt. „Die gesamtheitliche Betrachtung von der umfangreichen Voranalyse über die statische Betrachtung als Gesamtmodell mündete in ein besonders wirtschaftliches und denkmalverträgliches Instandsetzungskonzept“, so die Jury.

Ministerin Schreyer betonte bei der Preisverleihung: „Bayern ist reich an kulturellem Erbe. Unsere Aufgabe ist es, dieses Erbe zu erhalten und zu pflegen. “ Ein besonderes Augenmerk bei der Vergabe des Preises gilt den Leistungen der Ingenieure, die maßgeblich zum Erfolg der Instandsetzungen beigetragen haben. Ihre Arbeit ist besonders wichtig, aber meist weniger sichtbar als beispielsweise die neue Fassade. Ohne Ingenieurswissen, wie den richtigen Kniff bei der Statik oder auch der Lüftungsplanung, wäre der Erhalt vieler Baudenkmäler jedoch unmöglich.

„Obwohl der Bewerbungsschluss für den Preis mitten in der Corona-Krise lag, hatten wir mit 45 eingereichten Bauwerken eine hohe Beteiligung. In diesen schwierigen Zeiten ist die Baubranche eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft“, sagt Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

Sieger bei den öffentlichen Bauwerken sind neben der Martinskirche die Burgkirche Oberwittelsbach in Aichach (Gold) und die Historische König-Ludwig-Brücke in Kempten (Bronze). Bei den privaten Denkmälern wurden die Predigtstuhlbahn Bad Reichenhall (Gold), die Alte Spinnerei in Kempten (Silber) und das Gebäude Rainhausgasse in Lindau (Bronze) ausgezeichnet.