Kirche

Missbrauchsvorwürfe: Verfahren gegen Memminger Dekan eingestellt

Kirchturm St. Josef

Dunkle Wolken hängen über dem katholischen Dekanat Memmingen, zur dem auch die Kirche Sankt Josef gehört. Wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs hatte die Staatsanwalt gegen einen Geistlichen ermittelt - und das Verfahren nach zwei Wochen eingestellt. Denn dem Mann sei strafrechtlich nichts vorzuwerfen.

Bild: Uwe Hirt

Dunkle Wolken hängen über dem katholischen Dekanat Memmingen, zur dem auch die Kirche Sankt Josef gehört. Wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs hatte die Staatsanwalt gegen einen Geistlichen ermittelt - und das Verfahren nach zwei Wochen eingestellt. Denn dem Mann sei strafrechtlich nichts vorzuwerfen.

Bild: Uwe Hirt

Die Staatsanwaltschaft hat ihr Ermittlungsverfahren gegen den katholischen Kleriker eingestellt. Es habe kein strafrechtlich relevantes Handeln gegeben.
25.06.2021 | Stand: 16:11 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Memmingen hat ihr Ermittlungsverfahren gegen den bisherigen Memminger Pfarrer und Dekan, das ist ein leitender katholischer Kleriker, eingestellt. Das bestätigte sie unserer Redaktion am Freitag. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte auf Anfrage: "Es hat sich kein Anhaltspunkt dafür ergeben, dass es nicht einvernehmlich war."

Demnach sei auch kein strafbares Handeln festzustellen. Ihm zufolge habe sich eine Frau "spirituell" zu dem Geistlichen hingezogen gefühlt. Von einer Beziehung könne man gleichwohl aber eher nicht sprechen. Schwerpunktmäßig gehe es um das Jahr 2019.

Missbrauchsvorwürfe: Verfahren gegen Memminger Dekan eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Memmingen hatte zuvor erklärt, das sich der Geistliche "über Jahre hinweg durch mehrere sexualbezogene Handlungen, die gegenüber einer Person erfolgt sein sollen, strafbar gemacht" haben könnte. Das Bistum Augsburg hatte sie verständigt und vor gut zwei Wochen selbst mitgeteilt, den Geistlichen „mit sofortiger Wirkung“ von seinem Amt als Pfarrer und Dekan entpflichtet zu haben.

Damit sei er von allen seinen Aufgaben freigestellt. Zudem hatte das Bistum erklärt, es gehe um "einen sehr ernst zu nehmenden Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen den Priester". Und weiter: „Die zu Protokoll gegebenen Aussagen in diesem uns bekannt gewordenen Fall erschüttern uns zutiefst."

Der Anwalt des Dekans sieht ihn als rehabilitiert

Der Anwalt des Geistlichen, Florian Schwarz, sagte am späten Vormittag auf Anfrage: Bevor er sich zum Fall äußere, wolle er erst die schriftliche Erklärung der Staatsanwaltschaft abwarten. Am Nachmittag äußerte er sich dann doch und bestätigte die Informationen des Sprechers der Staatsanwaltschaft: Gegenstand des Ermittlungsverfahrens seien Handlungen "zwischen meinem Mandanten und einer zum damaligen Zeitpunkt längst erwachsenen Frau" gewesen, die "schwerpunktmäßig im Jahr 2019 stattgefunden hatten". Anhaltspunkte, "dass irgendetwas gegen den Willen dieser Frau stattgefunden hätte, waren ausweislich des Ergebnisses der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung nicht ersichtlich". Sein Mandat sei rehabilitiert.

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Schwere Vorwürfe machte Schwarz dem Bistum Augsburg und vor allem dem Generalvikar Harald Heinrich: "Völlig unverständlich und befremdlich ist allerdings die Presseerklärung des Generalvikariats die Einleitung des Ermittlungsverfahrensbetreffend. Unter eklatanter Verletzung der ihm als Dienstvorgesetztem obliegenden Fürsorgepflicht hat Generalvikar Heinrich in seiner Presseerklärung vom 10.06.2021 für eine Vorverurteilung meines Mandanten gesorgt, ohne dass hierdurch eine Förderung der Aufklärung der gegen meinen Mandanten erhobenen Vorwürfe zu erwarten gewesen wäre." Es dränge sich vielmehr der Verdacht auf, "dass vorrangiges Ziel dieser Erklärung war, die Person meines Mandanten über das unvermeidliche Maß hinaus zu beschädigen".

Unklar ist, welche Konsequenzen von kirchlicher Seite auf den Geistlichen zukommen. Entsprechend der kirchlichen Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche und den kirchenrechtlichen Normen in diesem Fall hatte der Bischof von Augsburg, Bertram Meier, die dafür zuständige Kongregation für die Glaubenslehre in Rom informiert und um Entscheidung gebeten. Die vom Kirchenrecht in solchen Fällen vorgesehene kanonische Voruntersuchung sei eingeleitet worden, hieß es.