Corona

Mit Abstand durch die Memminger Stadtgeschichte

MM Erste öffentliche Stadtführung

Überall war bei der Stadtführungspremiere nach der Corona-Zwangspause genügend Raum, um den erforderlichen Mindestabstand einzuhalten – wie hier am Martin-Luther-Platz.

Bild: Dunja Schüttele

Überall war bei der Stadtführungspremiere nach der Corona-Zwangspause genügend Raum, um den erforderlichen Mindestabstand einzuhalten – wie hier am Martin-Luther-Platz.

Bild: Dunja Schüttele

Beim Rundgang werden enge Gassen gemieden. Anmeldungen sind weiterhin notwendig. Am Freitag ist die nächste Führung - dieses Mal auf den Spuren der Zünfte.
17.06.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Hoch oben auf dem Kamin befindet sich das Nest der Storchenfamilie, deren gefiederte Vorfahren dem Haus vor 400 Jahren den Namen „Zum Storchennest“ gaben: Die Fülle der Vergangenheit, die Memmingen in seinem historischen Stadtbild bewahrt, zeigen ab sofort wieder die ausgebildeten Gästeführer der Stadt nach der Corona-Zwangspause.

Die Memmingerin Sabine Rogg ist eine von sechs Stadtführerinnen und einem Stadtführer, die Einheimische und Besucher durch die verschiedenen Jahrhunderte der Stadtgeschichte führen. Die dazugehörigen Themen halten dabei so manche Anekdote aus vergangenen Tagen zum Schmunzeln und Staunen bereit. „Anfang März war meine letzte Stadtführung, bevor die Corona-Krise alles lahmlegte. Seit meinen 17. Lebensjahr begleite ich nun Menschen durch die Geschichte unsere Stadt und heute bin ich echt ein bisschen nervös“, sagt Sabine Rogg vor ihrer ersten öffentlichen Stadtführung nach dem Lockdown.

Sie wartet am vereinbarten Treffpunkt am Brunnen auf dem Marktplatz auf die Teilnehmer. Diese mussten sich vorher bei der städtischen Touristikinformation anmelden und dort ihre Daten hinterlassen, die Sabine Rogg jetzt nochmals mit ihrer ausgedruckten Liste abgleicht. „Wir dürfen aktuell mit insgesamt maximal 15 Personen die Stadtführung begehen“, erläutert Rogg die neuen Auflagen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt. So können die Abstände von mindestens 1,5 Metern zwischen den Personen eingehalten werden, wie sie das neue Hygienekonzept der Stadt weiter erklärt.

„Auf unserer Tour werden wir die engen Gassen aussparen und uns auf die Plätze konzentrieren, damit alle genügend Abstand zueinander haben“, so Rogg, die ihre Gäste zunächst mit einer Mund-Nasenschutzmaske begrüßt. Das Aufziehen einer solchen Communitymaske ließ sie aber den Gästen frei, da man sich im Freien bewege und diese bei den eingehaltenen Abstandsregelungen nicht zwingend nötig wäre. Diese Wahlmöglichkeit begrüßten die Besucherinnen und Besucher der Stadtführung, die somit ohne Maske auf Tour gehen konnten.

„Wir laufen im Gänsemarsch in gebührendem Abstand hintereinander“, feixt Sabine Rogg, die vom Marktplatz aus direkt zur ersten Station der Führung zusteuert – dem Hexenturm. Ohne in die sprichwörtliche Torschlusspanik zu verfallen, geht es durch den Einlass, der früher das einzige Tor zur Stadt war, das nachts denjenigen öffnete, der dort um Einlass bat.

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Gleich innerhalb der Stadtmauer weist Sabine Rogg auf ein durchaus delikates Zeichen der früheren Ziegelmacher hin. Der dortige Schmuckziegel aus dem 15. Jahrhundert, der historisch „Feierabendsiegel“ genannt wird, zeigt dort eine Abbildung eines überdimensionierten männlichen Geschlechtsteils. „Der ist wohl in einer Feierabendlaune entstanden“, mutmaßt Rogg mit einem Augenzwinkern.

Nach guten eineinhalb Stunden kommt die kleine Gruppe wieder am Marktplatz an. „Das war bestimmt nicht unsere letzte Stadtführung durch Memmingen“, sagen Bruno Winzig und Marlies Lorenz, die ihre Heimatstadt und deren Geschichte immer wieder neu entdecken wollen.

Die nächste Stadtführung steht am Freitag, 19.Juni, ab 19 Uhr auf dem Programm: "Bloß nicht ins Handwerk pfuschen - Zünfte in der Reichsstadt". Anmeldungen sind bis Freitag, 12 Uhr, bei der Memminger Tourist-Information unter Telefon (08331) 850173 notwendig. Die Teilnahme kostet fünf Euro, Kinder und Jugendliche bis zwölf Jahre sind kostenfrei.

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