Kfz-Handwerk

Mitarbeiter eines Memminger Autohauses treffen sich nach 60 Jahren

60jähriges Firmentreffen von VW Steigmüller

Zum "Oldtimer"-Treffen inklusive VW Käfer lud Heinz Kandziora ein, der die ehemaligen Lehrlinge der 1950er- und 1960-Jahre zusammenführte.

Bild: Dunja Schütterle

Zum "Oldtimer"-Treffen inklusive VW Käfer lud Heinz Kandziora ein, der die ehemaligen Lehrlinge der 1950er- und 1960-Jahre zusammenführte.

Bild: Dunja Schütterle

Ehemalige des einstigen VW-Autohauses Steigmüller tauschen Erinnerungen aus. Anekdoten übers Samstagsputzen und eine besonders schmierige Kundenbindung.
22.09.2021 | Stand: 17:47 Uhr

Wie ein Detektiv hat sich Heinz Kandziora auf die Spur begeben, um seine früheren Arbeitskolleginnen und -kollegen der ehemaligen Ausbildungsstätte im einstigen VW Autohaus Steigmüller ausfindig zu machen. „Mich freut es, dass heute über 30 Ehemalige meinen Aufruf nachgekommen sind – dafür hat sich die viele Mühe des Suchens über Zeitungsanzeigen, das Einwohnermeldeamt und das Internet gelohnt. Bei den Frauen war es besonders schwierig, diese ausfindig zu machen - damals waren sie nämlich noch unverheiratete Fräuleins“, berichtet der Organisator des besonderen Treffens derer, die in den 1950er- und 1960er-Jahren ihre Ausbildung bei VW Steigmüller absolviert haben.

Das Bild stammt aus den 1950er-Jahren und zeigt die ehemalige Belegschaft mit der Familie Steigmüller: Sohn Gustav, Ehefrau und Ernst Steigmüller.
Das Bild stammt aus den 1950er-Jahren und zeigt die ehemalige Belegschaft mit der Familie Steigmüller: Sohn Gustav, Ehefrau und Ernst Steigmüller.
Bild: Dunja Schütterle

Damit die Erinnerung im Nebenzimmer des Hotels „Weisses Ross“ so richtig an Fahrt aufnimmt, dreht Heinz Kandziora in seiner Ansprache kurzerhand den Tacho der vergangenen Zeit zurück: „Der Inhaber Ernst Steigmüller gründete am 8. Juni 1932 die Autowerkstatt mit damaligem Fahrradhandel in der Äußeren Kempter Straße 28-30 (heute Allgäuer Straße). Ab 1945 hieß es dann Autowerkstatt und Autohandel, ab 1949 war Steigmüller offizieller VW-Händler und ab 1961 belieferte er bereits als Großhändler die Autohäuser Schöllhorn und Schragl in Mindelheim mit Neuwagen“, so der Einstieg in die Historie. Kandziora unterfütterte diese Informationen mit den Namen der Mitarbeiter aus den 1960er-Jahren und begrüßte die vor Ort Anwesenden.

Aus dem Nähkästchen der Lehrzeit

Doch was wäre ein Blick zurück in die „gute alte Zeit“ ohne die Anekdoten und persönlichen Geschichten? Veranstalter Kandziora machte den Anfang, um aus dem Nähkästchen seiner Ausbildungszeit zum Kfz-Mechaniker zu plaudern: „Jeden Samstag musste die Hälfte der Lehrlinge zum Putzen antreten – entweder hieß es Hof kehren, Scheiben reinigen oder die Schmiergrube mit dem Spachtel reinigen. Danach sahen wir immer aus wie Ferkel – so dreckig. Dafür gab es im ersten Lehrjahr 50 Mark, im Zweiten 60 und im Dritten 70 DM Lohn im Monat“.

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ – wie ein Sprichwort die Ausbildungszeit so schön umschreibt. Das weiß auch Norbert Szeiler, der aus dem 150 Kilometer entfernten Erding zum Treffen anreiste. Von 1959 bis 1962 war er als Lehrling zum Kfz-Mechaniker im Autohaus Steigmüller beschäftigt. „Eigentlich wollte ich Radio- und Fernsehmechaniker lernen, aber es gab keine freie Lehrstelle“, sagt er und zeigt auf ein Schwarz-Weiß-Bild, das ihn als jungen Mann schraubend unter einem Käfer zeigt.

„Wir kannten damals alle Käfer-Fahrer im Umkreis, weil sie nach 2500 Kilometern zum Schmierdienst (Ölwechsel) und nach 5000 Kilometern zum Kundendienst kommen mussten“, erklärt Kandziora die damalige Kundenbindung schmunzelnd.

Fingerkuppe in Lichtmaschine verloren

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Edeltraud Loesaus, geborene Würth, kann sich noch gut an ihre Lehrzeit von 1961 bis 1964 zur kaufmännischen Angestellten im Autohaus erinnern: „Wenn wir Inventur hatten, mussten wir jede noch so kleine Beilag-Scheibe zählen – das war sehr mühsam.“ Klaus-Dieter Klose, der extra aus Kiel in die Mau-Stadt kam, hat eine bleibende Erinnerung an seine Ausbildung davongetragen, in der er eine Fingerkuppe verlor. „Es passierte bei der Reparatur der Lichtmaschine eines VW Käfers“, sagt er und hebt den verkürzten Finger nach oben. Der Autobranche hat er danach den Rücken gekehrt und ist zur See gefahren. Trotzdem erinnert auch er sich gerne zurück an die Zeit, in der die Reparatur der Marken VW, Karmann Ghia und Porsche noch echtes Handwerk war. Eine gute Verbindung hatten die Steigmüller-Mitarbeiter auch mit der nahe liegenden Shell-Tankstelle – die damals noch über eigene Tankwarte verfügte.

Erich Staudenrausch kennt die Marke VW wie seine Westentasche. „Nach meiner Ausbildung zum Autoschlosser bei der Firma Steigmüller bin ich in die VW-Zentrale nach Wolfsburg gegangen, wo ich der jüngste Versuchs- und Testfahrer für VW und Porsche wurde. Bis heute bin ich fünf Millionen Kilometer gefahren“, erklärt der 87-Jährige.

Strenger Chef mit Weitblick

Heute beschreiben die ehemaligen Lehrlinge ihren Chef, der 1982 verstarb, als streng – eben ein Geschäftsmann durch und durch, der schon früh über den wirtschaftlichen Weitblick verfügte. „In den 1960ern kaufte er ein Grundstück im Osten der Stadt, um später zur Firmenübergabe an seinen Sohn Gustav einen modernen Großbetrieb zu bauen“, berichtet Kandziora. Aufgrund eines Unfalls konnte der Sohn das Erbe allerdings nicht antreten. Deswegen verkaufte Steigmüller 1970 das Autohaus mit dem dazugehörigen Grundstück in der Münchner Straße an die Firma Seitz aus Kempten.