Bürgerworkshop

Modellregion in Bayern: Die Mobilität der Zukunft in Memmingen

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In Kleingruppen werden verschiedene Vorschläge der Bürger diskutiert: Michael Haider von der Stadt Memmingen und Verena Kronester von SSP Consult nehmen am Stand „Stadt- und umweltverträglicher Berufs- und Wirtschaftsverkehr“ beim Bürgerforum Vorschläge für das Integrierte Mobilitätskonzept entgegen.

Bild: Theresa Osterried

In Kleingruppen werden verschiedene Vorschläge der Bürger diskutiert: Michael Haider von der Stadt Memmingen und Verena Kronester von SSP Consult nehmen am Stand „Stadt- und umweltverträglicher Berufs- und Wirtschaftsverkehr“ beim Bürgerforum Vorschläge für das Integrierte Mobilitätskonzept entgegen.

Bild: Theresa Osterried

In der Stadthalle treffen sich Bürgerinnen und Bürger, um mit Vertretern der Stadt über Mobilitätskonzepte der Zukunft zu sprechen. Was die Ziele sind
03.11.2021 | Stand: 18:00 Uhr

„Wer ist heute alles mit dem Fahrrad gekommen?“, fragt Moderator Michel-André Horelt beim Bürgerforum in der Stadthalle in die Runde. Etwa ein Viertel der Hände hebt sich. Genauso bei der Frage, wer zu Fuß gekommen sei und etwa die Hälfte der Anwesenden ist mit dem Auto gefahren. „Und wer hat den ÖPNV genutzt?“, will Horelt wissen. Daraufhin ertönt Gelächter – keiner hebt die Hand.

Wie sieht die Mobilität von morgen aus?

In der Mobilität von Memmingen – gerade beim öffentlichen Personennahverkehr – herrscht wohl noch Verbesserungsbedarf. Aber wie soll die Mobilität von morgen in Memmingen aussehen? Mit dieser Frage setzen sich teilnehmende Bürger bei einem Workshop in der Stadthalle Memmingen auseinander. Dieser findet im Rahmen des Integrierten Mobilitätskonzepts Memmingen statt – als Modellregion für Bayern.

SSP Consult - Die Firma plant das Mobilitätskonzept und stellt nun die definierten Ziele vor

48 Interessenten nehmen an der Veranstaltung teil. Das Planungsteam der Firma SSP Consult, unter der Leitung von Michael Welsch, stellt zunächst das Mobilitätskonzept und seine definierten Ziele vor. Die Bürgerinnen und Bürger sollen die vorgeschlagenen Oberziele hinterfragen und passende Unterziele ergänzen.

Die Mobilität der Zukunft: „Sie muss den Spagat schaffen, das Grundbedürfnis der Menschen nach uneingeschränkter Bewegungsfreiheit erfüllen und darf gleichzeitig keine Belastung für die Umwelt sein“, sagt Memmingens Dritter Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger in einer kurzen Begrüßungsrede. Im Moment ist das Projekt laut Michael Welsch in Phase zwei und definiert Ziele und Leitbilder für die Mobilität in Memmingen und das Umland. Deswegen der erste Bürgerworkshop: Das Planungsteam möchte Feedback und Ideen aus der Bevölkerung, um einen breiten Konsens im Hinblick auf eine künftige Gestaltung der Mobilität in Memmingen zu erhalten.

Die Bürgerinnen und Bürger werden in vier Gruppen aufgeteilt. An verschiedenen Ständen, die jeweils eines der Oberziele behandeln, können die Besucher diskutieren und eigene Zielvorstellungen einbringen. Die Vorschläge werden mit bunten Zetteln zu den bereits vorhandenen Zielen gehängt. An jedem Stand ist jemand aus dem Planungsteam und aus dem Lenkungsteam der Stadt für Rückfragen vertreten.

  • Ziel 1 – Mobilität für alle als Teil einer lebenswerten Stadtgestaltung: „Für alle“ – egal welches Einkommen und egal welche Altersklasse – das sei den Bürgern enorm wichtig, betont Patrick Miller vom Planungsteam SSP Consult. Barrierefreiheit sei in jeder Gruppe thematisiert worden. Auch der Verkehr in der Altstadt wurde von den Beteiligten kritisiert. Der Konsens: Der öffentliche Raum sollte mehr von Menschen genutzt werden, weniger vom Verkehr.
  • Ziel 2 – Ein starker Umweltverbund aus Bahn, ÖPNV, Fuß- und Radverkehr für Memmingen und die Region: Am wichtigsten ist den meisten der Ausbau von Fuß- und Radverkehr, dann der ÖPNV und danach erst Investitionen in die Bahn. Auch den Ausbau von Sharing-Angeboten und die Nutzung digitaler Angebote wünschen sich die Bürger laut Planungsteam. „Mit einfachen und kurzen Reisezeiten kann der ÖPNV dem Autoverkehr Konkurrenz machen“, sagt Andreas Schütz von SSP Consult zusammenfassend. Ein wichtiges Schlagwort sei die Flexibilität der Verkehrsmittel. Auch die Diskrepanz zwischen Hauptstadt und der Anbindung der einzelnen Stadtteile, beispielsweise Volkratshofen, ist ein oft diskutiertes Thema.
  • Ziel 3 – Emissionsarmeund ressourcenschonende Mobilität in Memmingen: Noch sind 18 Prozent der deutschen Emissionen auf den Verkehr zurückzuführen, sagt Andreas Schütz. Um das zu verringern, sei in den Augen der Bürger der Ausbau des Radverkehrs wichtig. Und in Memmingen sind nur 3,1 Prozent der zugelassenen Fahrzeuge elektrisch, hybrid oder gasbetrieben, hier ist laut Schütz noch „Luft nach oben.“ Auch der Ausbau von Park and Ride wurde von Teilnehmenden gefordert, genauso wie autofreie Quartiere.
  • Ziel 4 – Stadt- und umweltverträglicher Berufs- und Wirtschaftsverkehr: Fokus liegt hier vor allem auf dem Pendlerverkehr und dessen Vernetzung und Anbindung. 19 000 Personen pendelten laut den Ergebnissen der ISEK-Studie 2016 nach Memmingen hinein, 7000 heraus: Tendenz steigend. Die Reduzierung des Berufs- und Wirtschaftsverkehrs ist den Bürgern daher ein Anliegen, beispielsweise durch die Etablierung von mehr Homeoffice. Die Taktung des ÖPNV ist ein Thema, das laut dem Planungsteam an jedem Stand angesprochen wurde, zudem wünschen sich die Bürger bessere Anbindungen in und aus der Stadt.

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„Wenn man sich selbst nicht einbringt, darf man auch nicht meckern, dass sich nichts ändert“, sagt eine Besucherin des Bürgerforums. Eine andere Bürgerin findet die Veranstaltung ebenfalls gut, ist aber skeptisch, was die Umsetzung der Vorschläge angeht. Im weiteren Projektverlauf sind noch zwei Bürgerworkshops vorgesehen.

Wer weiß – vielleicht kommen dann auch Bürger mit dem ÖPNV.

Vorreiter in Bayern: Das Integrierte Mobilitätskonzept Memmingen „Modellregion Mobilität“

  • Sieht Mobilitätsformen nicht als einzelne Teile, sondern als verzahntes Gesamtkonzept, das beispielsweise auch Siedlungsstrukturen, Pendler und Nachbarregionen miteinbezieht.

Warum Memmingen?

  • Weil Memmingen ein umfassendes Angebot verschiedener Verkehrsträger und Verkehrssysteme hat: Schienennetz, Flughafen, Autobahn, Fahrradwegenetz, Fernstraßen, sowie ein regionales Straßennetz auf engem Raum.

Warum ein neues Konzept?

  • Mobilität muss neu gedacht werden, damit Deutschland seine Klimaziele erreichen kann. Denn durch den Klimawandel gibt es einen zeitkritischen Handlungsbedarf.
  • Für eine erfolgreiche Umsetzung des Mobilitätskonzeptes sollen neben Akteuren aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Mobilitätsdienstleistern und Interessen- und Umweltverbänden insbesondere auch die Bürgerinnen und Bürger als Nutzer und Wissensträger eng in die Konzepterstellung eingebunden werden.

Die Grundstruktur des Projektes gliedert sich in mehrere Phasen:

  • Vororientierung: Was haben wir bereits?
  • Festlegung von Zielen und Leitbildern: Wo wollen wir hin?
  • Problem-/ Chancenanalyse: Was hindert uns, was hilft uns, die Ziele zu erreichen?
  • Maßnahmenuntersuchung: Was müssen wir tun, um die Ziele zu erreichen?
  • Umsetzung und Wirkungskontrolle: Wie gehen wir vor und sind wir auf dem richtigen Weg?

Das Konzept wird gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.

Voraussichtlicher Abschluss des Projekts: Die letzte Phase soll Ende 2022 beendet werden.

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