Bad Grönenbach

Modernes Monumentalwerk für Orgel und Trompete

Trompeter Hermann Ulmschneider und Organist Kurt Renner gaben ein vorzügliches Kirchenkonzert in St. Philippus und Jakobus in Bad Grönenbach.

Trompeter Hermann Ulmschneider und Organist Kurt Renner gaben ein vorzügliches Kirchenkonzert in St. Philippus und Jakobus in Bad Grönenbach.

Bild: Horst Hacker

Trompeter Hermann Ulmschneider und Organist Kurt Renner gaben ein vorzügliches Kirchenkonzert in St. Philippus und Jakobus in Bad Grönenbach.

Bild: Horst Hacker

Organist Kurt Renner und Trompeter Hermann Ulmschneider meistern in Bad Grönenbacher Stiftskirche auch schwierigste Passagen mit Bravour.

07.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Obwohl aus pandemischen Gründen weite Sitzabstände nötig waren, fanden sich an die 80 Besucher zu einem Kirchenkonzert in der Bad Grönenbacher Stiftskirche St. Philippus und Jakobus ein. Sie erlebten vorzügliche Vorträge vom Heimertinger Organisten Kurt Renner an der von Jakob Maximilian Offner (Kissing) 1967 neu erbauten Orgel und dem großartigen Trompeter Hermann Ulmschneider aus Bad Wurzach-Seibranz. Im Mittelpunkt des 70-minütigen, sechsteiligen Programms standen die „Vier Sätze für Trompete und Orgel“ aus der Feder des in Leutkirch wirkenden Georg Piel (*1959), der in Holzgünz lebt.

Uraufführung in Maria Himmelfahrt

Piel komponierte das viersätzige Monumentalwerk von 2001 bis 2004. Erst im März 2019 erlebte es in der Memminger Kirche „Mariä Himmelfahrt“ seine Uraufführung. Renner und Ulmschneider präsentierten das nach eigenem Bekunden sehr schwer zu spielende, hochmoderne Stück jetzt zum zweiten Mal. Der Schlussbeifall fiel verdientermaßen groß aus.

Unorthodox und gewöhnungsbedürftig fürs Ohr

Mit Ausnahme des in einigermaßen harmonischen Bahnen verlaufenden zweiten Satzes drangen Piels andere Sätze gegenteilig unorthodox, daher gewöhnungsbedürftig ans Ohr: mit außergewöhnlichen Intervallsprüngen, rhythmisch unregelmäßig, mit enorm schnellen Wechseln der Tempi und Vortragsarten von pianissimo bis zu fortefortissimo (fff).

Obwohl beide Instrumente oft in wie unabgestimmt wirkende, verschiedene Richtungen tönten, offenbarten die Musiker meisterhafte Präzision. Wohltuend erholsam ließ Renner anschließend Johann Sebastian Bachs barockes „Adagio und Fuge“ (BWV 564) solistisch erklingen. Diese Komposition von Weimar (1708) stellt eine Besonderheit dar, weil der damalige Hoforganist zwischen Präludium und Fuge den langsamen Satz einschob.

Finale in höchsten Tonlagen

Kurzweilig kurze, aber vielgestaltige moderne Stücke des Wallisers William Mathias (1934 – 1992) und des französischen Komponisten Jean Langlais (1907 – 1991) boten kirchenmusikalische Unterhaltung. Getragen langsame Stücke wie Mathias’ „Jubilate“ (op. 67,2) wirkten bedeutungsschwer eindringlich, andere Stücke wie seine „Canzonetta“ (op. 78,2) kamen quicklebendig beschwingt, mitunter volkstümlich tänzerisch und mitreißend daher. Sie endete geradezu Gipfel stürmend in höchsten Tonlagen.

Lebhaft italienische Barockmusik

Mit dem „Concerto in D in drei Sätzen“ von Giuseppe Tartini (1692 – 1770) gab es zu Beginn lebhafte italienische Barockmusik. Weil eine toll rhythmisierte Passage („Gott der He-herr hat sie gezä-he-let, dass ihm au-auch nicht eines fe-he-let“) Anklänge an die kindliche Volks-weise „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“ erkennen ließ, schien es, dass sich Wilhelm Hey bei Tartini bedient hat.

Imposantes Finale

Ein wahrlich imposantes Finale zauberten Renner und Ulmschneider mit dem schwungvoll romantischen „Concerto für Trompete und Orgel“ in Es-Dur des 1801 in Catania geborenen und nur 34 Jahre lebenden Opernkomponisten Vincenzo Bellini. Nachdem das Stück mit satt fülligem Orgelsound begonnen hatte, posaunte der virtuos blasende Ulmschneider strahlend helle, weich fließende Tongirlanden zu einem fulminanten Abschluss: Belcanto pur.