Prozess in Memmingen

Einbruch auf der Durchreise: Mann nach Baustellen-Diebstahl vor Gericht

Ein 34-Jähriger ist auf einer Baustelle in Memmingen in einen Container eingebrochen. Dafür musste er vor sich vor dem Amtsgericht in Memmingen verantworten.

Ein 34-Jähriger ist auf einer Baustelle in Memmingen in einen Container eingebrochen. Dafür musste er vor sich vor dem Amtsgericht in Memmingen verantworten.

Bild: Kurt Kraus

Ein 34-Jähriger ist auf einer Baustelle in Memmingen in einen Container eingebrochen. Dafür musste er vor sich vor dem Amtsgericht in Memmingen verantworten.

Bild: Kurt Kraus

Ein 34-Jähriger musste sich wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten. Welche Rolle sein Komplize spielt und was den Angeklagten nun erwartet.
25.04.2022 | Stand: 18:30 Uhr

Mehr oder weniger im Vorbeigehen, bei einem kurzen Stop auf der Heimreise nach Rumänien, seien sie auf einer Baustelle in Memmingen in einen Container eingebrochen und hätten Arbeitsgeräte entwendet, gibt ein 34-jähriger Mechaniker Amtsrichterin Barbara Roßdeutscher gegenüber zu. Angeklagt wegen Bandendiebstahls verurteilt ihn die Richterin am Ende wegen Diebstahls in Mittäterschaft.

Die Firma in Belgien, bei der er im Juni 2020 gearbeitet habe, sei wegen Corona geschlossen worden. Er habe seinen Job verloren. Daher sei er zu einem Busbahnhof gegangen, um nach Hause zu fahren. Ein Landsmann habe ihn gefragt, ob er auch Rumäne sei und ihm angeboten, ihn für 200 Euro mitzunehmen. Auf einem Parkplatz bei Memmingen habe ihn der Mann, der sich ihm nur mit seinem Vornamen Adrian vorgestellt habe, dann gefragt, ob er ihm bei einem Einbruch behilflich sein wolle. Er würde dafür 700 Euro bekommen.

Zwischenstopp mit Einbruch: 34-Jähriger hilft beim Diebstahl

Der Mechaniker willigte ein und brach zusammen mit dem Landsmann den Baucontainer auf. Das Werkzeug zum Aufbrechen habe man auf der Baustelle vorgefunden. Danach habe er Adrian geholfen, das Diebesgut, darunter Schlag- und Akkuschrauber, Sägen, Scheinwerfer, Trenn- und Winkelschleifer, in dessen Auto zu laden. Es sei ein Opel Zafira gewesen oder ein ähnliches „Familienauto“. Mit dem Werkzeug im Kofferraum seien sie dann nach Rumänien gefahren. In Arad habe ihn Adrian aussteigen lassen. Danach habe er ihn nie mehr gesehen.

Die Polizei sichert an einem Spanngurt, der am Tatort zurück-bleibt, den genetischen Fingerabdruck des 34-Jährigen. Rund ein Jahr nach der Tat kann der Rumäne identifiziert werden. Ende Juli 2021 ergeht ein Europäischer Haftbefehl. Er wird in Frankreich aufgespürt und kommt in Auslieferungshaft. Etwa vier Monate später wird er Ende Dezember 2021 nach Deutschland überstellt. Also sitzt er jetzt vor Richterin Roßdeutscher und bittet um ein mildes Urteil. Er habe seine 12-jährige Tochter schon so lange nicht mehr gesehen, durfte nicht einmal mit ihr telefonieren, und möchte nur eines: nach Hause. Die zuständige Staatsanwältin geht von einem gemeinsamen Tatentschluss der beiden Einbrecher aus. Sie glaubt nicht, dass der Angeklagte nur geholfen, also Beihilfe geleistet habe. Sie fordert, den Angeklagten zu einem Jahr und sechs Monaten Haft zu verurteilen.

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Baufirma beziffert Schaden auf 44.000 Euro

Rechtsanwalt Alexander Kühne, der dem Angeklagten als Pflichtverteidiger beigeordnet ist, hält die Angaben seines Mandanten vor dem Amtsgericht Memmingen für plausibel. Da habe man auf der Heimfahrt „noch einen Bruch gemacht“. Bei dem Diebstahlsschaden von knapp 44.000 Euro habe die betroffene Baufirma die Netto-Einkaufspreise zugrunde gelegt. Tatsächlich seien die entwendeten Gegenstände schon lange in Gebrauch und kaum noch etwas wert gewesen. Die Tat liege fast zwei Jahre zurück und der Angeklagte sitze schon seit rund acht Monaten in Untersuchungshaft. Er habe aus wirtschaftlicher Not gehandelt. Sein Heimatort Vaslui in Rumänien sei das Armenhaus Europas. Er sei „geständig“ gewesen und werde Deutschland künftig meiden. Er halte daher eine Freiheitsstrafe von einem Jahr für ausreichend. Die Strafe könne zur Bewährung ausgesetzt werden.

Richterin: "Bedenkliche Gesinnung, was den Respekt vor fremdem Eigentum betrifft"

Richterin Barbara Roßdeutscher verkündet das Urteil. Sie sei zum Teil dem Antrag des Verteidigers gefolgt, sagt sie und verurteilt den Mann zu einem Jahr Haft. Zur Bewährung könne die Strafe allerdings nicht ausgesetzt werden. Immerhin beinhalte das rumänische Strafregister eine Vielzahl von Eintragungen, fast ausschließlich Diebstahlsdelikte. Verfahren habe es auch in den Niederlanden, in Frankreich und Schweden gegeben. „Das“, so Reußdeutscher, „zeugt von einer bedenklichen Gesinnung, was den Respekt vor fremdem Eigentum betrifft“. Auch wenn der Wert der gestohlenen Gegenstände keine 44.000 Euro betragen habe, so seien die Arbeitsgeräte „sicher nicht wertlos“ gewesen.

Sie glaube nicht, dass der Angeklagte künftig keine Straftaten mehr begehen werde. Die 700 Euro, die der Angeklagte von Adrian bekam, werden im Urteil als Wertersatz eingezogen. Die Staatsanwältin, Rechtsanwalt Kühne und der Angeklagte nehmen das Urteil an.