Studie zu Corona-Masken und Gasgeruch

Nach Gasexplosion in Memmingen: Konnten sie das Gas gar nicht riechen?

Die Wucht der Gasexplosion hatte am 5. Februar mehrere Fenster der BRK-Rettungsleitstelle in Memmingen herausgedrückt und ein Flachdach im hinteren Bereich gut zehn Zentimeter angehoben. Zudem flogen Scherben und Schutt bis auf die andere Seite der Straße.

Die Wucht der Gasexplosion hatte am 5. Februar mehrere Fenster der BRK-Rettungsleitstelle in Memmingen herausgedrückt und ein Flachdach im hinteren Bereich gut zehn Zentimeter angehoben. Zudem flogen Scherben und Schutt bis auf die andere Seite der Straße.

Bild: Matthias Balk, dpa (Archivbild)

Die Wucht der Gasexplosion hatte am 5. Februar mehrere Fenster der BRK-Rettungsleitstelle in Memmingen herausgedrückt und ein Flachdach im hinteren Bereich gut zehn Zentimeter angehoben. Zudem flogen Scherben und Schutt bis auf die andere Seite der Straße.

Bild: Matthias Balk, dpa (Archivbild)

Nach dem Unglück beim BRK in Memmingen beschäftigte sich eine Forschungseinrichtung mit der Ursache. Eine klare Empfehlung an Gaswerke und Lieferanten fehlt.
19.07.2021 | Stand: 18:28 Uhr

Corona-Masken schränken die Geruchswahrnehmung deutlich ein: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches), quasi der TÜV für Gaswerke. Anlass für die wissenschaftliche Untersuchung war die Gasexplosion am 5. Februar in der Rettungsleitstelle des Bayerischen Roten Kreuzes in Memmingen. Dabei waren fünf Personen verletzt worden, eine davon schwer. Alle hatten FFP2-Masken im Gebäude getragen.

Um ausströmendes Gas wahrzunehmen, wird es von den Gaswerken beziehungsweise deren Lieferanten sozusagen als vorbeugendes Warnsignal „odoriert“, also mit Duftstoffen angereichert. Denn Gas ist ursprünglich geruchslos. In Memmingen wird seit Jahren der Stoff „Gasodor S-Free“ eingesetzt. Der riecht streng nach chemischen Stoffen. „Testriecher“ unserer Redaktion fühlten sich an den Klebstoff „Pattex“ erinnert – aber eben nicht an Gas. Damit verbanden die Testpersonen immer den Gestank nach faulen Eiern. Was durchaus zutrifft: Bis vor etwa 20 Jahren wurden schwefelhaltige Stoffe als Odorierungsmittel eingesetzt, dann aber aus Umweltschutzgründen wegen der schlechten Abbaubarkeit durch andere Stoffe ersetzt. (Den Kommentar unserers Autors zum Thema Gasgeruch lesen Sie hier.)

Personen melden verdächtige Gerüche

Bei den Memminger Stadtwerken melden sich immer wieder Personen mit verdächtigen Geruchswahrnehmungen, sagte deren Geschäftsführung vor einigen Monaten. In so gut wie allen Fällen gebe es aber eine harmlose Ursache. Dennoch appellieren die Stadtwerke an die Menschen, sich lieber einmal zu viel als zu wenig bei ihnen zu melden. „Wir kommen Tag und Nacht raus“, hieß es seinerzeit.

Die Macher der aktuellen Studie, die an der DVGW-Forschungsstelle in Karlsruhe entstand, prüfen nun, ob sie den Gaslieferanten eine Erhöhung der Geruchsdosierungen empfehlen. So könnte der Warnstoff trotz FFP2-Maske besser wahrgenommen werden. Das Hauptergebnis der Kurzstudie lautet, „dass die Geruchswahrnehmbarkeit von Odoriermitteln durch das Tragen von Schutzmasken deutlich eingeschränkt wird“.

Mund-Nasen-Schutzmasken nicht in Zusammenhang mit Gasexplosion

Immerhin sei der Anteil der Messungen, bei denen die Duftstoffe gar nicht wahrgenommen wurden, mit 3,5 Prozent „sehr niedrig“ gewesen, heißt es bei der DVGW. Entsprechend zieht deren Pressesprecher Lars Wagner sein Fazit: „Nach unserem Kenntnisstand der Ermittlungen durch die zuständigen Behörden steht das Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken nicht im Zusammenhang mit der Ursache für die Gasexplosion in Memmingen vom 5. Februar dieses Jahres. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Gasversorgung in Deutschland – auch basierend auf der Verwendung hochdichter Leitungssysteme – zu den sichersten der Welt gehört und Vorkommnisse wie Explosionen zu den absoluten, wenn auch bedauerlichen, Ausnahmefällen zählen; diese sind wiederum meist auf Fremdeingriffe respektive kriminelle Handlungen zurückzuführen.“

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Zur Maskenproblematik sagt DVGW-Pressesprecher Lars Wagner außerdem: „Abhängig vom Maskentyp und der Odoriermittelkonzentration fällt die Reduzierung der Wahrnehmung mehr oder weniger stark aus.“

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