Naturschutz

Das Benninger Ried: Wie das Naturerbe für die Zukunft bewahrt werden soll

Was ist nötig, um das Benninger Ried mit seinen schützenswerten Lebensräumen für eine Vielzahl seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten zu erhalten und zu pflegen? Eine Antwort darauf soll ein Managementplan geben, dessen Entwurf jetzt bei einem Runden Tisch in Benningen vorgestellt wurde.

Was ist nötig, um das Benninger Ried mit seinen schützenswerten Lebensräumen für eine Vielzahl seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten zu erhalten und zu pflegen? Eine Antwort darauf soll ein Managementplan geben, dessen Entwurf jetzt bei einem Runden Tisch in Benningen vorgestellt wurde.

Bild: Uwe Hirt

Was ist nötig, um das Benninger Ried mit seinen schützenswerten Lebensräumen für eine Vielzahl seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten zu erhalten und zu pflegen? Eine Antwort darauf soll ein Managementplan geben, dessen Entwurf jetzt bei einem Runden Tisch in Benningen vorgestellt wurde.

Bild: Uwe Hirt

Das Benninger Ried ist ein europaweit bedeutendes Biotop – ein Plan zeigt Schritte zur Pflege und zum Erhalt auf. Denn die Artenvielfalt im Gebiet geht zurück.
23.06.2022 | Stand: 08:52 Uhr

„Es ist ein europaweit bedeutendes Kleinod, das Sie vor der Haustür haben“: So beschreibt Biologin Claudia Eglseer das Benninger Ried. Es ist Teil des europaweiten Biotopverbunds Natura 2000, bietet Lebensräume für viele gefährdete und seltene Tier- und Pflanzenarten – etwa die weltweit nur hier vorkommende Riednelke. Zwar bescheinigt die Expertin von der Regierung von Schwaben einen guten Erhaltungszustand – zurücklehnen dürfe man sich aber nicht. Denn Langzeitbeobachtungen zeigten, dass die Artenvielfalt zurückgeht und zum Beispiel kleine Kräuter verschwinden. Bei einem Runden Tisch in Benningen geht es um den Entwurf für einen Managementplan zum Erhalt und zur Pflege des Rieds.

Das Benninger Ried: Heimat vieler gefährdeter Tier- und Pflanzenarten

Erstellt wird der Plan vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Mindelheim, der Regierung von Schwaben, der Stadt Memingen und der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts. Damit die Umsetzung, die auf freiwilliger Basis funktionieren soll, gelingt, müssen aber auch die Betroffenen – Kommunen, die Bewirtschafter der Flächen und die Grundstückseigentümer – mit im Boot sein. Sie wie auch Vertreter von Behörden und Verbänden, Landwirte und alle Interessierten bekommen beim Runden Tisch detaillierte Informationen zum Managementplan. Den vorliegenden Entwurf hat Eglseer mit dem Biologen Hubert Anwander ausgearbeitet, der sich seit Langem für das Ried einsetzt.

Wichtiges Thema im Naturschutzgebiet: der Wasserhaushalt

„Es sind sehr spezielle Bedingungen, die hier herrschen“, betont Anwander, nachdem er einen Einblick in die Entstehung des Kalkquellsumpfes gegeben hat. „Wasser, ein kühles Mikroklima und ein sehr kalkhaltiger Untergrund“: Das sind drei Faktoren, die der Biologe als besonders bedeutsam für die Artenvielfalt und die schützenswerten Lebensräume herausstellt. Um diese zu bewahren, wurde bereits in der Vergangenheit einiges unternommen.

Einschneidende Veränderungen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Denn einschneidende Veränderungen hatte das einst weiter ausgedehnte Ried nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren: Teile des Gebiets wurden nicht nur landwirtschaftlich, sondern auch für Bebauung genutzt. Damals kam es zu Eingriffen in den empfindlichen Wasserhaushalt des Rieds – wo zuvor offene Vegetation vorherrschte, wuchsen in der Folge Büsche und Wald. Mit dem durch EU-Mittel finanzierten Life-Projekt wurde ab den 1990er Jahren gegengesteuert. Eine spätere Grundwassersanierung hatte laut Anwander das Ergebnis, dass Grundwasser, das zuvor in die Kanalisation geflossen war, separat gesammelt und über Rohrleitungen zum Ried geleitet wurde, sodass der Kalkquellsumpf seither dadurch zusätzlich gespeist wird.

Das Benninger Ried im Landkreis Unterallgäu und der Stadt Memmingen gehört zu einem europaweiten Netz von Schutzgebieten.
Das Benninger Ried im Landkreis Unterallgäu und der Stadt Memmingen gehört zu einem europaweiten Netz von Schutzgebieten.
Bild: Uwe Hirt

Weiterhin ein Problem ist laut Eglseer aber, dass das Wasser zu schnell aus dem Gebiet abfließt. Um dem entgegenzuwirken und den Wasserabfluss zu verzögern, sieht der Entwurf des Managementplans vor, mit Buhnen gewissermaßen kleine Barrieren in die Quellbäche einzubauen. Der Wasserrückhalt lässt sich dem Entwurf zufolge auch verbessern, indem Gräben in unmittelbarer Nähe zum Kerngebiet des Rieds nicht vertieft werden.

Büsche und Bäume müssen aus dem Kalkquellsumpf immer wieder entfernt werden

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Um den „Offenlandcharakter“ zu erhalten, werden immer wieder Büsche und Bäume entfernt. Außerdem wird ein verstärktes Pflanzenwachstum laut Eglseer und Anwander auch eingedämmt, wenn sich der Nährstoffeintrag in das Gebiet verringert. Nicht nur dort, sondern möglichst auch auf angrenzenden Flächen ist daher extensive Landwirtschaft gefragt, die ohne Düngemittel auskommt. Von solchen übergeordneten Maßnahmen profitiert das gesamte Ried. Der Plan bündelt dabei vieles, was bereits geleistet wird – etwa durch den Landschaftspflegeverband in Zusammenarbeit mit Landwirten.

Zudem enthält der Plan weitere Puzzleteile, die speziell dafür sorgen sollen, dass sich Schmale Windelschnecke, die Libellen-Art Helm-Azurjungfer oder als seltene Pflanze der Kriechende Sellerie wohlfühlen und im Idealfall mehr verbreiten. Ob sich angesichts der sensiblen und verzahnten Lebensräume alles nach Wunsch entwickelt, muss nach Anwanders Worten auch die Zeit zeigen. Daher gelte es zu beobachten, wie sich Maßnahmen bewähren.

Ein großes Thema im Benninger Ried ist der Wasserhaushalt.
Ein großes Thema im Benninger Ried ist der Wasserhaushalt.
Bild: Uwe Hirt

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