Migration

Neuer Integrationsbeirat in Memmingen geht an die Arbeit

Neben den zwölf gewählten Migrantenvertretern gehören dem Integrationsbeirat auch Uwe Rohrbeck (CRB), Joachim Linse (Grüne/Linke), Sabine Rogg (CSU/FDP), Petra Beer (SPD), Michael Rampp (ÖDP) und Christof Heuß (FW) für ihre Stadtratsfraktionen an, ebenso Rupert Reisinger (Linke) als Integrationsbeauftragter des Stadtrats. Außerdem arbeiten im Gremium Oberbürgermeister Manfred Schilder, Lukas Krupinski (Koordinierungsstelle Integration) und Sozialreferatsleiter Jörg Haldenmayr mit. Ihre Unterstützung sagte bei der konstituierenden Sitzung in der Stadthalle auch Bürgermeisterin Margareta Böckh zu, die selbst nicht im Gremium ist.

Neben den zwölf gewählten Migrantenvertretern gehören dem Integrationsbeirat auch Uwe Rohrbeck (CRB), Joachim Linse (Grüne/Linke), Sabine Rogg (CSU/FDP), Petra Beer (SPD), Michael Rampp (ÖDP) und Christof Heuß (FW) für ihre Stadtratsfraktionen an, ebenso Rupert Reisinger (Linke) als Integrationsbeauftragter des Stadtrats. Außerdem arbeiten im Gremium Oberbürgermeister Manfred Schilder, Lukas Krupinski (Koordinierungsstelle Integration) und Sozialreferatsleiter Jörg Haldenmayr mit. Ihre Unterstützung sagte bei der konstituierenden Sitzung in der Stadthalle auch Bürgermeisterin Margareta Böckh zu, die selbst nicht im Gremium ist.

Bild: Verena Kaulfersch

Neben den zwölf gewählten Migrantenvertretern gehören dem Integrationsbeirat auch Uwe Rohrbeck (CRB), Joachim Linse (Grüne/Linke), Sabine Rogg (CSU/FDP), Petra Beer (SPD), Michael Rampp (ÖDP) und Christof Heuß (FW) für ihre Stadtratsfraktionen an, ebenso Rupert Reisinger (Linke) als Integrationsbeauftragter des Stadtrats. Außerdem arbeiten im Gremium Oberbürgermeister Manfred Schilder, Lukas Krupinski (Koordinierungsstelle Integration) und Sozialreferatsleiter Jörg Haldenmayr mit. Ihre Unterstützung sagte bei der konstituierenden Sitzung in der Stadthalle auch Bürgermeisterin Margareta Böckh zu, die selbst nicht im Gremium ist.

Bild: Verena Kaulfersch

Zu Vorsitzenden wurden Erzieherin Patricia Isac und Stadtplaner Abdoul Rahamane Traore gewählt. Welche Erfahrungen die Mitglieder in das Gremium mitbringen.
19.03.2021 | Stand: 18:02 Uhr

Ein einstiger Spieler der syrischen Basketball-Nationalmannschaft, der nun Teamleiter in einem Elektronik-Unternehmen ist, eine Hausfrau und Mutter mit Wurzeln im Kosovo und eine Krankenschwester, die als kleines Mädchen aus Polen kam und für die Memmingen zum „Heimatstädtle“ wurde: Mahmoud Osfeira, Sanije Pelaj und Daniela Thiel gehören zu sechs Frauen und sechs Männern mit Migrationshintergrund, die sich mit ihren jeweiligen Erfahrungen im neuen Integrationsbeirat einbringen. Als sie bei der ersten Sitzung von sich und ihren Lebensläufen erzählten, wurde deutlich: Für Integration gibt es kein Rezept – sie stellt Aufgaben, die so unterschiedlich sind wie die Menschen, um die es geht. Warum für das Projekt zunächst Startprobleme zu überwinden waren, lesen Sie hier.

Deren Lebenswirklichkeit spiegeln, ihren Belangen bei Stadtpolitik sowie -verwaltung Gehör verschaffen, aber auch dazu beitragen, Integration stärker in die Mitte der Gesellschaft zu tragen und Menschen dafür zu gewinnen: So lautet der Auftrag an den Beirat, der an seine Spitze Patricia Isac als Vorsitzende und Abdoul Rahamane Traore als Stellvertreter wählte.

Patricia Isac wurde zur Vorsitzenden des Integrationsbeirats gewählt.
Patricia Isac wurde zur Vorsitzenden des Integrationsbeirats gewählt.
Bild: Verena Kaulfersch

Vervollständigt wird das Gremium durch Oberbürgermeister Manfred Schilder, jeweils ein Mitglied der Fraktionen im Stadtrat, dessen Integrationsbeauftragten Rupert Reisinger, Sozialreferatsleiter Jörg Haldenmayr, Lukas Krupinski von der Koordinierungsstelle Integration und Ehrenmitglied Mehmet Yildirim.

OB Schilder erinnert sich an "längeres Ringen"

Der Geburtsstunde war laut OB Schilder ein „längeres und nicht ganz unkritisches Ringen“ vorausgegangen: „Wir haben uns nicht leicht getan mit den Fragen, wie wir das gestalten und wie ein solcher Beirat zustande kommt.“ Den Mitgliedern, vor allem den zwölf ehrenamtlichen Migrantenvertretern, sicherte Schilder die Unterstützung von Stadt und Verwaltung zu. Lukas Krupinski von der Koordinierungsstelle werde dem Beirat zur Seite stehen, indem er sich um alles Organisatorische kümmere.

Melek Dinc, die wie Murat Gökce im Beirat die Türkei als Herkunftsgebiet vertritt, unterstrich: „Integration gelingt da, wo sie gewollt ist.“ Letzteres signalisiere die Stadt schon durch ihre Einstellungspolitik. So ist Dinc, Leiterin des Amts für Ausbildungsförderung, nicht die einzige, die bei der Stadt beschäftigt ist: Gökce ist Mitarbeiter des Bauhofs, Isac arbeitet als Erzieherin im Kinderhort Zollergarten und das Stadtplanungsamt wurde zur Wirkstätte von Traore, der aus Burkina Faso (Westafrika) nach Deutschland kam und ein Geografie-Studium samt Masterabschluss absolvierte.

Wegen der Hautfarbe angepöbelt

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Auch beim Projekt Soziale Stadt Ost ist der 32-jährige Familienvater dabei. Ihn treibt der Wunsch an, ein gutes Zusammenleben mitzugestalten: „Auch für meine Kinder, damit sie sich als voll akzeptierte Mitglieder der Stadtgesellschaft fühlen.“ Am Herzen liege ihm die Völkerverständigung: „Die Welt ist bunt. Sie ist ein Dorf, wo jeder willkommen ist. Das müssen wir den Menschen klar machen.“ Traore selbst hat auch andere Reaktionen erlebt: „Es ist schlimm, wenn man überall angepöbelt wird, nur weil man anders aussieht.“

Stellvertretender Vorsitzender Abdoul Rahamane Traore will die Völkerverständigung voranbringen.
Stellvertretender Vorsitzender Abdoul Rahamane Traore will die Völkerverständigung voranbringen.
Bild: Verena Kaulfersch

Anderen derartige Erfahrungen ersparen: Das will auch Giovanni Tortiello (43). Der gebürtige Italiener, der „mit Leib und Seele Verkäufer“ bei einem Baumarkt ist, hat seine gesamte Schullaufbahn in Memmingen absolviert – damals als einziges oder eines von wenigen Kindern mit ausländischer Herkunft in der Klasse. So wisse er auch, wo Integration nicht funktioniert: „Ich habe vieles erlebt, vor dem ich andere bewahren möchte.“ Von dem, was er selbst in der Schule tat oder ließ, sei nur wenig zu seinen Eltern vorgedrungen: „Die Schreiben, die nach Hause kamen, haben sie nicht verstanden“.

Nach der Flucht neu Fuß gefasst

Die Schlüsselrolle von Deutschkenntnissen hob ebenfalls Melek Dinc hervor, die sich nicht nur im Elternbeirat engagiert, sondern sich auch für die sprachliche Förderung türkischer Mütter stark macht. Parastou Rahimi Tembi – ihre Wurzeln liegen im Iran – treibt die Frage an: „Wie können wir für andere Hindernisse aus dem Weg räumen?“ Bislang tat sie dies schon bei ehrenamtlichen Einsätzen als Übersetzerin. Aus Sport und Kameradschaft schöpfte Basketballspieler Osfeira Kraft und Motivation, um nach seiner Flucht in Deutschland Fuß zu fassen. Doch auch aus Hilfestellungen, etwa durch städtische Stellen und im Integrationskurs, zog er wertvolle Orientierung für entscheidende Schritte – bis hin zur Ausbildungsstelle.

Wie sehr indes Probleme mit Behörden für einen Neuankömmling zur Hürde werden können, bekam Michael Tingey (62) zu spüren. Ehe er ins Verlagswesen wechselte, war der Engländer früher in der Flugzeugindustrie tätig, lebte zeitweise in Spanien, Frankreich und Österreich. Besonders in Spanien hatte er mit Schwierigkeiten zu kämpfen: „Es hat ewig gedauert, bis ich meine Papiere bekommen habe: Ich habe mich am Anfang nicht zuhause gefühlt. Sowas ist ein Problem.“ Der 62-Jährige, der seit sieben Jahren in Memmingen wohnt, empfindet es als bereichernd, viele Kulturen und Sprachen kennengelernt zu haben: „Der schönste Blumenstrauß ist für mich ein bunter.“ Eben dies motiviert auch Murat Gökce und Patricia Isac. Die 34-Jährige, die aus Rumänien stammt und seit 1999 in Memmingen lebt, geht mit viel Vorfreude an die Arbeit: „Es wird toll, miteinander und voneinander zu lernen.“

Wissenswertes zum Integrationsbeirat:

  • Hintergrund: Der Integrationsbeirat löst den Ausländerbeirat ab, der Mitte der 1970er Jahre gegründet wurde. Seine Aufgabe war es, die Anliegen der Menschen unterschiedlicher Nationalitäten in der Stadt zu vertreten. Inzwischen machen Menschen mit Migrationshintergrund etwa 40 Prozent der Memminger Bevölkerung aus, die Hälfte von ihnen besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Integrationsbeirat spiegelt, dass die Bestrebungen, Integration und Miteinander zu gestalten, sich daher nicht nur auf ausländische Mitbürger erstrecken, sondern auf alle Menschen mit Migrationsgeschichte.
  • Migrantenvertreter: Afrika: Abdoul Rahamane Traore, Asien: Parastou Rahimi Tembi, (Spät-)Aussiedler: Dr. Eduard Hergenreider und Daniela Thiel, ehemalige GUS-Staaten: Yulia Kazler, Europäische Union: Patricia Isac und Giovanni Tortiello, sonstiges Europa: Sanije Pelaj und Michael William Tingey, Türkei: Melek Dinc und Murat Gökce, Fluchtkontext: Mahmoud Osfeira.
  • Ehrenvorsitzender: Einstimmig wählte der Beirat Commendatore Antonino Tortorici zum Ehrenvorsitzenden. Dessen Engagement – unter anderem als langjähriger Vorsitzender des Ausländerbeirats und als Ausländerbeauftragter der Stadt – seien für Memmingen von herausragender Bedeutung, sagte OB Schilder zur Begründung.