Uraufführung im Landestheater

Nora Schüssler hat ein Stück für Memmingen geschrieben

Die Autorin und Theatermacherin Nora Schüssler hat ein Stück für das Landestheater Schwaben geschrieben.

Die Autorin und Theatermacherin Nora Schüssler hat ein Stück für das Landestheater Schwaben geschrieben.

Bild: Harald Holstein

Die Autorin und Theatermacherin Nora Schüssler hat ein Stück für das Landestheater Schwaben geschrieben.

Bild: Harald Holstein

Premiere im Landestheater Schwaben in Memmingen: Das Theaterstück „Ende in Lachen“ blickt auf eine Gesellschaft, die den Umgang mit Alten überdenken sollte.
26.01.2023 | Stand: 11:17 Uhr

Mit dem Theaterstück „Ende in Lachen“ wartet das Landestheater im Studio erneut mit einer Uraufführung auf. Geschrieben hat es die Theatermacherin und Autorin Nora Schüssler. Ein Sturz auf einer Treppe macht den 68-Jährigen Brauereibesitzer Bonifazius Bengele zu einem Pflegefall. Die unerwartete Lebenssituation bringt das Gefüge der Familie ins Wanken. Seine schwangere Tochter Leni, sein dem Alkohol zugetaner Sohn Ferdinand und seine Volleyball spielende Frau Maria haben „ganz eigene Pläne, in die ein alter, kranker Mann so gar nicht reinpassen will“, heißt es in der Ankündigung des Stückes.

Regisseur Stephan Rumphorst inszeniert das Stück in Memmingen als Komödie

Es geht um Pflege und Pflegebedürftigkeit und um Hierarchien und Machtstrukturen in der Familie. Was passiert, wenn der Patriarch plötzlich nicht mehr kann? Wenn es nicht mehr nur steil bergauf geht? Schlägt seine Vorstellung, wie die Welt funktionieren soll, jetzt auf ihn selbst zurück? Welche Konsequenzen ziehen die anderen Familienmitglieder aus seinem körperlichen und seelischen Abbau? Spannende Fragen, die Autorin Nora Schüssler als Komödie angelegt hat. „Es darf einem aber auch das Lachen im Hals stecken bleiben“, sagt sie. „Ich bin gespannt, was Regisseur Stephan Rumphorst daraus macht.“

Nicht nur die Psychologie der Figuren interessiert die 38-jährige Autorin. Der größere Blick auf die Gesellschaft, auf ein System, das vom Kapitalismus geprägt ist, treibt sie an und die Frage, wie gehen wir mit älteren Menschen um, die extremen Leistungsansprüchen nicht mehr genügen können. Dafür hat sie nicht nur viel zu den Angeboten von Pflegeagenturen recherchiert, sondern auch zum Brauereiwesen. Mit diesen Bezügen und dem Pflegeheim im kleinen Ort Lachen zwischen Memmingen und Ottobeuren, in dem der Brauereibesitzer letztlich endet, fließt Regionales in das Stück ein. Die Autorin hofft, dass sich die Allgäuer wiederfinden.

Nora Schüssler hat in Augsburg und Berlin studiert

Nora Schüssler kommt aus Lorch bei Schwäbisch-Gmünd und schrieb mit 20 Jahren ihr erstes Theaterstück. In Augsburg schloss sie den Studiengang „Ethik der Textkulturen“ ab, bevor sie zum Studium der Regie an die Ernst Busch Schauspielschule nach Berlin ging. Seitdem ist sie als Autorin, freie Regisseurin und Dramaturgin tätig. 2010 entstand das Brüder- und Ehedrama „Anna“, das im Augsburger S’Ensemble aufgeführt wurde. Zur Zeit läuft ihr aktuelles Stück über die Frau des russischen Schriftstellers Lew Tolstoi „Sonja Tolstaja“ auf Münchens kleinster Bühne, dem Theater Mathilde im Westend.

Die Autorin lebt am Ammersee

Seit der Geburt ihres zweiten Kindes hat sie ihren Lebensmittelpunkt mit ihrer Familie an den Ammersee verlegt. Von hier aus gelingt es ihr, Familie und freie Theaterarbeit in einer guten Balance zu verbinden. Von hier aus war sie auch regelmäßig via Internet im Kontakt mit dem Regisseur und den Schauspielern. Das sei für sie eine schöne Möglichkeit gewesen, ins Gespräch über ihren Text zu kommen. Denn schon als Regisseurin, die viele ihrer Texte selbst inszenierte, habe sie gerne im Kollektiv gearbeitet, Anregungen aufgenommen, gestrichen und umgearbeitet. Bei dieser Produktion konnte sie den Schauspielern Futter für ihre Figuren geben. In dem Fünf-Personenstück wird auch das langjährige Ensemblemitglied André Stuchlik zum einzigen Mal in dieser Saison in der Figur des Brauereibesitzers Bonifazius Bengele zu sehen sein.

Autorin Nora Schüssler fände es schön, wenn die Zuschauer sich nach ihrem Stück fragen, welche Veränderungen notwendig sind, damit wir alte Menschen besser behandeln. Für sie ist ihr Stück dann gelungen, wenn sich der Fokus mehr auf Begegnung und persönliche Beziehung hin bewegt.

Premiere ist am Freitag, 27. Januar, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen am 31. Januar, 1., 2., 4., 5., 19., 23. und 24. Februar.