Pandemie

Nur mit Corona-Test zum Haare schneiden

Friseure in der Krise

Martina Peschel wäscht im Salon ihrer Schwester Karin einer Kundin vor dem Schneiden die Haare. Wer jetzt zum Friseur will, braucht einen gültigen Corona-Test.

Bild: Dunja Schütterle

Martina Peschel wäscht im Salon ihrer Schwester Karin einer Kundin vor dem Schneiden die Haare. Wer jetzt zum Friseur will, braucht einen gültigen Corona-Test.

Bild: Dunja Schütterle

Zweimal mussten die Friseure wegen Corona komplett dicht machen. Was Kunden beachten müssen und mit welchen Problemen die Salons in Memmingen kämpfen.
26.04.2021 | Stand: 17:45 Uhr

„Der Berufsstand des Friseurs ist keiner, der so schnell aufgibt – wir kämpfen weiter bis zum Schluss“, erklärt Enrico Karrer selbstbewusst. Der Obermeister der Friseurinnung Memmingen-Mindelheim und Betreiber eines eigenen Salons am Memminger Schmiedplatz weiß wovon er redet, denn die Corona-Pandemie hat ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen bereits zweimal ein Berufsverbot beschert.

Mit den aktuell hohen Inzidenzzahlen in der Stadt und im Landkreis steigt wieder die Angst vor einem erneuten Lockdown.

„Mit den gegenwärtigen Änderungen der Bundesregierung braucht es neben einem Termin zum Haare schneiden jetzt auch noch einen negativen Corona-Test“, erklärt Friseurmeisterin Karin Peschel die aktuelle Situation der Bundes-Notbremse. Die Kunden können zu ihrem Termin einen Selbsttest mitbringen, der vor Ort gemacht werden muss, oder sie bringen ein bestätigtes negatives Ergebnis eines PCR-Testes mit, das nicht älter als zwei Tage alt sein darf.

Hygienekonzept weiter verbessert

„Wir hatten schon vor dem ersten Lockdown ein sehr hohes und gutes Hygienekonzept, das wir immer nachjustiert haben, wie die Quadratmeter-Regelung“, betont Innungsmeister Karrer. Auf zehn Quadratmeter Ladenfläche darf sich lediglich eine Person aufhalten – egal ob Kunde oder der Friseur selbst. „Das ist gerade für kleinere Salons problematisch. Auch die Anzahl der Angestellten spielt dabei eine Rolle. Wir haben für unser Team eine Früh- und Spätschicht eingeführt, dabei müssen wir auch noch die Ausgangssperre beachten“, so Karrer.

Auch in Karins Haarstudio im Memminger Westen wurde im Laufe der Pandemie einiges geändert. Zunächst wurden Plastikscheiben vor dem Kassenbereich und zwischen den einzelnen Plätzen angebracht. Die Kunden müssen FFP2-Maske tragen, weiter steht bei Eintritt ein Desinfektionsmittel für die Hände zur Benutzung bereit. „Zudem waschen wir nach Benutzung alle gebrauchten Handtücher, benutzen auch Umhänge und Handschuhe für den Einmalgebrauch und desinfizieren alle Utensilien“, erzählen die beiden Friseurmeisterinnen Karin Peschel und Stefanie Dürr.

Höhere Kosten zahlen Kunden mit

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Das alles verursacht höhere Kosten, die selbstständige Unternehmer in ihre aktuelle Kostenkalkulation miteinberechnen müssen. Das Loch der fehlenden Umsätze aus den vorangegangenen Wochen der Schließungen tragen die Unternehmer selbst. „Diese Wochen fehlen mir für die Altersvorsorge“, so Peschel. Den Umständen entsprechend müssen die Kunden je nach Salon mit einem Aufschlag zwischen zehn bis vierzig Prozent für bestehende Leistungen rechnen. „Je mehr Wochen ins Land gingen, um so mehr wurde nach der ersten Phase der Entspannung im Lockdown eine Anspannung mit der Sorge um die Existenz“, erinnert sich Inhaberin Karin Peschel an die Zeit des konsequenten Berufsverbots, das wie sie sagt, nicht alle ihrer Berufskolleginnen und Kollegen so strikt eingehalten haben sollen.

Ihre Kollegin Stefanie Dürr hat es gleich doppelt getroffen: Ihr Mann arbeitet als Koch in der Gastronomie, für die bis dato immer noch kein Land in Sicht ist, was die Lockerungen betrifft. Um so erfreulicher war es für die Friseurbranche, als Anfang März die Salons wieder aufmachen durften. „Die erste Zeit stand das Telefon nicht still. Unsere Stammkunden haben uns Blumen und Süßigkeiten mitgebracht“, berichten die beiden Friseurinnen. Für die Kunden sei ein Friseurbesuch trotz aller zu beachtender Regelungen zu einer "Oase der Normalität" geworden, nach der sich viele in dieser Zeit sehnen – unabhängig von der Haarlänge. „Auch wenn wir derzeit keine kosmetischen Behandlungen aufgrund des Mindestabstandes, keine Zeitschriften und keinen Kaffee anbieten können“, sagt Peschel.

Flexibel bei der Ausbildung

Flexibel müssen die Handwerksbetriebe auch in Sachen Ausbildung sein. „Die Ausbildungspflicht pausierte auch im Lockdown nicht, weswegen wir unsere Auszubildende im ersten Lehrjahr mit Übungsmaterialien versorgt haben“, erklärt Karrer. An den Berufsschulen wurden die Azubis im Homeschooling wie auch im Wechselunterricht unterrichtet. In den Friseurstudios wird das Beste aus den immer wieder neuen Verordnungen gemacht. „Wir wollen dazu beitragen, dass sich die Menschen auch in diesen Zeiten glücklich fühlen“, sagt Dürr.

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