Antrag des Vereins Notausgang

253 Polizeieinsätze in zwei Jahren: Streetworker soll in Memminger Obdachloseneinrichtung deeskalieren

erlenweg

Brenzlig ist die Situation in der Obdachloseneinrichtung am Erlenweg derzeit, heißt es beim Verein Notausgang, der die Bewohner unterstützt. Vor allem die Gewalt, die von einigen der Bewohner ausgeht, müsse in den Griff bekommen werden.

Bild: Andreas Berger (Archivbild)

Brenzlig ist die Situation in der Obdachloseneinrichtung am Erlenweg derzeit, heißt es beim Verein Notausgang, der die Bewohner unterstützt. Vor allem die Gewalt, die von einigen der Bewohner ausgeht, müsse in den Griff bekommen werden.

Bild: Andreas Berger (Archivbild)

Die Situation in der Obdachloseneinrichtung am Erlenweg sei schimm: Um die Situation zu beruhigen, hat der Verein Notausgang einen Sozialarbeiter beantragt.
21.12.2021 | Stand: 05:45 Uhr

253 Polizeieinsätze hat es in der Obdachlosen-Einrichtung am Memminger Erlenweg seit 1. Januar 2020 gegeben. Das hat die Polizei unserer Redaktion bestätigt. Diese Zahl bestärkt Conrad Reinker vom Verein Notausgang in seiner Forderung: Es muss ein Streetworker engagiert werden, der sich um die Menschen dort kümmert. Und zwar vor allem am Abend. „Denn abends geht es hier ab.“

Conrad Reinker ist Geschäftsführer des Vereins Notausgang, der sich unter anderem um die Bewohner des Erlenwegs kümmert. „Ein Streetworker könnte vieles auffangen und entschärfen.“ Zum Beispiel könne er einerseits versuchen, zu deeskalieren, wenn sich eine Auseinandersetzung anbahne. Und zum anderen die Geschehnisse direkt aufarbeiten, schauen, warum es zu einer Überreaktion gekommen sei – zusammen mit den Beteiligten. Deshalb hat Reinker jetzt bei der Stadt beantragt, dass ein Streetworker eingestellt wird. „Wir hoffen, dass wir grünes Licht bekommen.“

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Seit einiger Zeit sei die Situation im Erlenweg wieder schlimmer. Einige Bewohner lebten in Angst, weil es jederzeit zu Schlägereien und Übergriffen kommen könne. Deshalb ist es Conrad Reinker wichtig, einen Mann als Streetworker einzustellen. Für eine Frau könne es zu gefährlich werden. Er erzählt von einer Situation, in der eine Mitarbeiterin des Vereins einen Streit schlichten wollte und deshalb ins Krankenhaus kam. Er hätte auch bereits zwei geeignete Kandidaten für diesen Job. „Beide sind absolut befähigt. Im Idealfall werden beide eingestellt.“ Die Männer kämen aus Memmingen. Beim Blick auf das Geld für Streetworker müsse bedacht werden, dass durch deren präventive Arbeit auch Kosten eingespart werden. Zum Beispiel, weil es dann weniger Sachbeschädigung, Polizei- und Ambulanzeinsätze gebe, sagt Conrad Reinker. Er hofft, dass schnell darüber entschieden wird, ob die Stadt einen Streetworker für den Erlenweg einstellt. Denn die Situation dort sei brenzlig. Die Stadt prüft den Antrag derzeit.

Eine Sozialarbeiterin hatte sich seit November 2020 um die Bewohner der Unterkunft gekümmert und ihnen unter anderem in organisatorischen Fragen geholfen. Sie half beispielsweise dabei, nach Jobs zu suchen, Bankkonten zu eröffnen, Versichertenkarten zu beantragen, sogar Wohnungen zu finden. Und sie hatte ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bewohner. Derzeit muss diese Sozialarbeitern aus privaten Gründen pausieren. Doch das Projekt werde fortgesetzt, sagt Helmut Gunderlach, Geschäftsführer von SKM, Katholischer Verein für soziale Dienste Memmingen und Unterallgäu, bei dem die Frau angestellt ist. Es werde nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin gesucht.

Warmes Essen für die Bewohner

Warme Mahlzeit für die Erlenweg-Bewohner: Hanne Lempenauer (rechts) vom Verein Notausgang kocht das Essen, Bewohnerin Heike Zweifel (Hintergrund) hilft ihr dabei, die Speisen auszugeben.
Warme Mahlzeit für die Erlenweg-Bewohner: Hanne Lempenauer (rechts) vom Verein Notausgang kocht das Essen, Bewohnerin Heike Zweifel (Hintergrund) hilft ihr dabei, die Speisen auszugeben.
Bild: Andreas Berger

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Unterdessen hat der Verein Notausgang die Versorgung der Bewohner verbessert: Bekamen sie vor einem Jahr einmal pro Woche eine warme Mahlzeit, kocht der Verein mittlerweile drei Mal in der Woche für die Menschen dort. In der Küche von Notausgang, die im Erdgeschoss der Einrichtung untergebracht ist, bereiten Mitglieder dienstags, mittwochs und donnerstags das Essen zu. Etwa 30 Portionen. Dazu gehören frisch gekochte Speisen, Salat und auch Kuchen und Kaffee. Donnerstags können die Bewohner eine zusätzliche Mahlzeit mitnehmen, die sie sich für freitags oder das Wochenende aufheben. Einige der Zutaten werden von der Tafel gespendet, sagt Notausgang-Geschäftsführer Conrad Reinker. Einige Lebensmittel kommen als Spende von Geschäften und Bäckereien. Und auch Fußballfans spenden jedes Jahr an die Bewohner des Erlenwegs Lebensmittel: und zwar die des FC Augsburg, darunter der Fan-Verein Biesinger Tribüne.

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Die Obdachlosenunterkunft in Memmingen am Erlenweg