Wirtschaft

Oberbank aus Österreich eröffnet Filiale in Memmingen - und will im Allgäu Firmen und vermögende Privatleute als Kunden gewinnen

MM Lok Memmingen Oberbank Eröffnung

Filialleiter Markus Staib (rechts) und Mitarbeiterin Dilara Frech erklären das Konzept der Oberbank in Memmingen.

Bild: Siegfried Rebhan

Filialleiter Markus Staib (rechts) und Mitarbeiterin Dilara Frech erklären das Konzept der Oberbank in Memmingen.

Bild: Siegfried Rebhan

Während Mitbewerber reduzieren, rüstet dir Bank aus Österreich auf. Die acht Mitarbeiter konnten bereits ein gutes Dutzend heimische Firmen als Kunden gewinnen.
11.06.2021 | Stand: 10:20 Uhr

Andere Banken schließen ihre Filialen oder stellen ihren Kunden nur noch Automaten hin – die Oberbank eröffnet gegen diesen Trend eine Filiale. In der Memminger Altstadt ließ sich das aus Österreich stammende Geldhaus nieder – und will von hier aus im gesamten Allgäu vor allem mittelständische Firmen und vermögende Privatleute als Kunden gewinnen.

Als „vermögende Privatleute“ bezeichnet Markus Staib Menschen, die mehr als 100.000 Euro als Barvermögen zur Verfügung haben. Der 52-Jährige leitet die frisch eröffnete Filiale am Memminger Roßmarkt. Gerade den hiesigen Standort schätzt er diesbezüglich als gut ein – denn in Memmingen und dem Umland „brummt“ die Wirtschaft. Entsprechend hätten er und sein insgesamt achtköpfiges Team – alles Vollzeitkräfte – bereits ein gutes Dutzend heimische Firmen als Kunden gewinnen können. Alle „namhaft“, wie Staib betont.

Oberbank aus Österreich eröffnet Filiale in Memmingen: Vor Ort vernetzt

Er kennt Land und Leute, machte seine Ausbildung bei der Sparkasse in Memmingen und betreute vor seinem Wechsel zur Oberbank für die Landesbank Baden-Württemberg Allgäuer Firmen mit mindestens 100 Millionen Euro Jahresumsatz. Zudem bezeichnet er sich als „gut vernetzt“ – unter anderem ist er beim Fischertagsverein Kassier der Wallenstein-Gruppe der Marodeure, kickte beim FC Memmingen und spielt immer noch aktiv Tennis. Auch seine Kollegen kommen aus der Region und teilweise von Mitbewerbern.

Die Unterkunft in Memmingen passt auch historisch zum aktuellen Geschäft. Denn dort war einst die „Bank für Gemeinwirtschaft“ – später SEB – untergebracht, und zuletzt ein Sportgeschäft. „Das hat uns den Umzug erleichtert, denn die Böden sind sehr stabil und tragen auch nun wieder die tonnenschweren Tresore“, sagt Staib.

Rund 550.000 Euro wurden in den Umbau der Filiale mit ihren rund 300 Quadratmetern Fläche investiert. Vermieter ist der Großkonzern Liebherr. Neben den Büros gibt es einen Schalterraum für den direkten Kundenkontakt. Er ist montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr zugänglich. Die Beratungszeiten sind montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr. (Lesen Sie auch: Der Druck ist hoch: Weshalb immer mehr Regionalbanken fusionieren)

Oberbank will im Allgäu Firmen und vermögende Privatleute als Kunden gewinnen: Produktpalette wie Großbanken

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„Wir sind eine so genannte Vollbank“, erklärt Staib. Es könnten also wie bei einer Großbank alle Sparten abgedeckt und alle Produkte angeboten werden, denn die Oberbank habe vor Ort alle Experten an Bord – „und wir schwätze Dialekt“, fügt der Filialleiter schmunzelnd hinzu. Vom Geschäftsvolumen sei mittelfristig angestrebt, an die Kunden jährlich 30 bis 35 Millionen Euro an Krediten auszugeben.

Nach spätestens drei Jahren soll eine „schwarze Null“ geschrieben werden. Das wollen Staib und sein Team vor allem über Vertrauen erreichen – „denn Bankprodukte sind beliebig austauschbar“. Der gute Kontakt zu den Menschen sei daher ebenso wichtig und ausschlaggebend wie gutes Personal, Verlässlichkeit und Handschlag-Qualität. Die Oberbänker sind alle chic gekleidet – Krawatten wie bei anderen Geldhäusern tragen die Männer jedoch nicht. „Eine Krawatte erhöht nicht die Kompetenz“, betont Staib. (Lesen Sie auch: Sparkassen-Fusion Sparkasse Schwaben-Bodensee: Diese Änderungen kommen auf die Kunden zu)

Hauptsitz der Oberbank ist in Österreich

Die Oberbank wurde 1869 in Österreich gegründet. Hauptsitz ist in Linz. Von den insgesamt rund 2000 Mitarbeitern arbeitet in der dortigen Hauptverwaltung etwa die Hälfte. Seit 1990 ist die Oberbank auch in Deutschland aktiv und hat hier über 40 Filialen – insgesamt sind es 177.

Die Gesamtjahresbilanzsumme liegt aktuell bei etwa 25 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss vor Steuern bei rund 167 Millionen Euro und das Eigenkapital bei drei Milliarden Euro. Gezielt würden Standorte ausgewählt, die Wachstum versprechen – wie aktuell Memmingen beziehungsweise das Allgäu.

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