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Ortsumfahrung Steinheim: „Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten“

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Steinheim aus luftiger Höhe: Aktuell fahren mehr als 13.000 Autos durch die Ortsmitte. Eine Umfahrung soll das in Zukunft ändern.

Bild: Thomas Weigert (Archivbild)

Steinheim aus luftiger Höhe: Aktuell fahren mehr als 13.000 Autos durch die Ortsmitte. Eine Umfahrung soll das in Zukunft ändern.

Bild: Thomas Weigert (Archivbild)

Die Varianten für die Ortsumfahrung Steinheim sorgen bei Grünen-Stadtratsfraktion und Bund Naturschutz nicht für Begeisterung. Gibt es Alternativen?
10.12.2021 | Stand: 12:00 Uhr

„Wie lösen wir das Problem Steinheim?“, sagt Dieter Buchberger, Vorsitzender der Grünen-Stadtratsfraktion Memmingen. Mit dem Bund Naturschutz und dem Bürgerausschuss Steinheim diskutiert er im Dorfgemeinschaftshaus Steinheim über das „Problem“ einer geplanten Ortsumfahrung.

Bereits im Oktober hat die Stadt Memmingen bei einer Infoveranstaltung für Bürger sechs verschiedene Baumöglichkeiten für eine Umgehung vorgestellt. Bei den ersten drei Trassenplänen würde eine neue Straße um Steinheim herum gebaut. Bei den Varianten vier bis sechs sollen bereits vorhandenen Strecken wie die Fraunhofer Straße, der Obere Buxheimer Weg, die Teramo- oder Europastraße unterschiedlich erweitert werden.

  • Das wollen die Grünen und der Bund Naturschutz: „Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten“, sagt Dr. Markus Büchler, Grünen-Landtagsabgeordneter und Sprecher für Mobilität, beim Gespräch im Dorfgemeinschaftshaus. Es gebe bereits ein ausreichendes Straßennetz in Steinheim. Die bestehenden Wege sollten Büchler zufolge lieber verstärkt werden, bevor man eine neue Straße baut. Daher lehnen die Grünen und der Bund Naturschutz die ersten drei Trassen-Varianten ab. Es entstehe zu viel Flächenversiegelung und behindere den Klimaschutz. Der „Königsweg“ ist in den Augen des Bund Naturschutz und der Grünen-Stadtratfraktion das Zusammenlegen der Varianten vier, fünf und sechs. Die Idee stammt aus dem Bürgerworkshop in Amendingen. Der Obere Buxheimer Weg, die Fraunhofer Straße, die Europastraße und die Teramostraße würden in diesem Fall alle ausgebaut. „Damit werden auch die geplanten Kosten deutlich kleiner, denn keine der Straßen muss so ausgebaut werden, dass sie den Verkehr alleine aufnimmt“, sagt Buchberger. Zeitgleich sollen verschiedene Maßnahmen dem Verkehr innerorts entgegen wirken. „Die Radwege müssen verbessert werden“, findet Buchberger, „und der ÖPNV verstärkt.“
  • Das ist dem Bürgerausschuss Steinheim wichtig: „Steinheim braucht zwingend einen verkehrsberuhigten Bereich“, sagt der Erste Vorsitzende des Bürgerausschusses, Matthias Heuss. 13.000 Fahrzeuge im Ort pro Tag – das sei zu viel. „Die Pendler müssen aus Steinheim rausgehalten werden. Für uns Bürger käme daher am ehesten die Variante eins infrage.“ Bei dieser kann die neue Umgehungsstraße zur Staatsstraße werden. Und die Ortsdurchfahrt könnte zur kommunalen Straße umgewidmet werden. Dann sind laut Bücheler verkehrsberuhigende Maßnahmen leichter durchzusetzen. Auch wenn sich die Mitglieder des Bürgerausschusses trotzdem uneinig sind, welche Variante die beste ist, in dieser Sache stimmen sie überein: „Die Verkehrsbelastung muss abnehmen und die Lärmbelastung darf für die Steinheimer nicht zunehmen.“
  • Das meinen die Bürgerinnen und Bürger Steinheims: Bis zum 20. November konnten die Bewohner von Steinheim über die Varianten diskutieren und online abstimmen. Von den rund 120 Teilnehmenden fanden 19 Prozent eine Verkehrsberuhigung ohne Umfahrung am besten. Insgesamt erhielten die Varianten vier bis sechs am meisten Zustimmung, wobei Nummer sechs mit 38 Prozent Zustimmung der beliebteste Plan war. Für die erste Baumaßnahme sprachen sich ebenfalls 23 Prozent aus – in den Kommentaren bekam diese Alternative allerdings auch am meisten Kritik und 75 Prozent bewerten die Variante als schlecht. So richtig beliebt ist laut der Umfrage allerdings keine der Planungen: Mindestens 40 Prozent der Bürger finden jede Maßnahme schlecht.
  • So sieht es das Stadtplanungsamt Memmingen: Uwe Weißfloch vom Stadtplanungsamt Memmingen geht davon aus, dass die Varianten eins bis drei schneller zu bauen sind: Bei einem Straßenneubau rechne er grob mit zwei Jahren Bauzeit. Bei den anderen Plänen gebe es mehr Beeinträchtigungen für Anlieger und den Verkehr.

Die Idee der Grünen und des Bund Naturschutz sowie das Thema Verkehrsberuhigung sollen laut Weißfloch demnächst in einer Besprechung mit dem Staatlichen Bauamt beim Verkehrsministerium diskutiert und geklärt werden. Anfang 2022 soll das Gespräch im Ministerium stattfinden. Aufgrund dieser Besprechung will sich der Stadtrat im Sommer 2022 für eine der untersuchten Trassenvarianten entscheiden.

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