Ottobeuren

Ottobeurer Konzert mit Bamberger Symphonikern findet statt

Bamberger Symphoniker

Nicht mit ihrem Chefdirigenten, dem Tschechen Jakub Hruša (Mitte), kommen die Bamberger Symphoniker nach Ottobeuren, sondern mit dem Finnen Jukka-Pekka Saraste. Sie führen die achte Symphonie von Anton Bruckner auf.

Bild: Andreas Herzau

Nicht mit ihrem Chefdirigenten, dem Tschechen Jakub Hruša (Mitte), kommen die Bamberger Symphoniker nach Ottobeuren, sondern mit dem Finnen Jukka-Pekka Saraste. Sie führen die achte Symphonie von Anton Bruckner auf.

Bild: Andreas Herzau

Das Orchester will auf jeden Fall auftreten, egal ob 100 oder 300 Leute in der Basilika sitzen dürfen. Es kommt aber ohne Chor und spielt Bruckner statt Brahms.

01.08.2020 | Stand: 13:00 Uhr

Als „Silberstreif am Horizont“ hatte der Ottobeurer Touristikamtsleiter Peter Kraus den Konzerttermin der Bamberger Symphoniker im September bezeichnet, nachdem er die Juni- und Juli-Aufführungen in der Basilika und den größten Teil des Programms im Kaisersaal coronabedingt absagen musste. Und dieser Silberstreif erstrahlt jetzt tatsächlich in der Marktgemeinde. Allerdings auf andere Weise als gedacht. Denn Kraus selbst wollte die Saison bereits komplett absagen, weil bei Konzerten noch immer höchstens 200 Zuhörer erlaubt sind. Schließlich hat er allein 450 Abonnenten in der Basilika mit ihren insgesamt rund 2100 Sitzplätzen. Doch nun sind es die Musiker, die unbedingt am Sonntag, 13. September, um 15 Uhr auftreten wollen. Egal wie viele Zuhörer dann im prächtigen Kirchenschiff sitzen dürfen.

Jukka-Pekka Saraste dirigiert Bamberger Symphoniker

Gastieren wollte das berühmte Orchester mit seinem charakteristischen dunklen, runden und strahlenden „böhmischen“ Klang eigentlich mit dem Philharmonischen Chor München. Es war geplant, unter Leitung von Jukka-Pekka Saraste Johannes Brahms’ „Deutsches Requiem“ aufzuführen – eigens einstudiert für Ottobeuren (und deshalb honorarmäßig im Spitzenbereich). Das geht zwar nun nicht, weil große Chöre noch nicht auftreten dürfen, aber die Bamberger spielen nun stattdessen Anton Bruckners achte Symphonie, die eigentlich die Dresdner Philharmonie unter Leitung von Marek Janowski am 21. Juni aufführen wollte. So erklingt das vielleicht monumentalste Werk des österreichischen Meisterkomponisten nun doch noch unter der barocken Kuppel.

Fragt sich, wie Konzertorganisator Kraus das bezahlen will, wenn er nicht einmal zehn Prozent der Plätze verkaufen darf. Ganz einfach: Die Bamberger Symphoniker begnügen sich mit dem, was am Konzerttag eingenommen wird. Sie verstehen sich als Kulturbotschafter Bayerns und wollen in dieser schwierigen Zeit ein Zeichen setzen. Die Reise ins Unterallgäu nehmen die Franken zudem gerne auf sich, weil sie unbedingt einmal wieder in der Ottobeurer Basilika spielen wollten, diesem erhabenen Raum, in dem am Ende statt Applaus das große Geläut der Abteikirche aufbrandet. Ob 100 oder 300 Leute zuhören, ist ihnen egal. Dafür verzichten sie auf ihr ursprünglich vereinbartes Honorar.

Neuer Vorverkauf beginnt Mitte, Ende August

Zu vergeben hätte Kraus für dieses Konzert nach der aktuellen Abstandsregel 450 Plätze, momentan dürfen aber höchstens 200 besetzt werden. „Eventuell sind es bis September 400, aber wer weiß, was bis dahin ist“, sagt Kraus. Deshalb hat das Touristikamt erst einmal die bereits verkauften Tickets für das ursprünglich geplante Brahms-Konzert komplett zurückgegeben. „Wie hätte ich entscheiden sollen, wer von den 1600 Kartenbesitzern kommen darf?“, sagt er. Ab Mitte, Ende August beginnt dann der neue Vorverkauf, der genaue Termin wird noch bekannt gegeben – Kraus will noch abwarten, ob es bis dahin neue Coronaregeln gibt.

Zwei Doppelkonzerte im Kaisersaal der Abtei Ottobeuren

„Retten“ konnte er außerdem die beiden letzten Termine in der Kaisersaal-Konzertreihe am Samstag, 12. September, mit dem clair-obscur Saxophonquartett und am Samstag, 19. September, mit dem Cello-Duo DuoCalva. Dort dürfen aktuell statt 200 Zuhörern nur maximal 90 Personen in neun Reihen sitzen. Deshalb hat Kraus mit den Ensembles ausgehandelt, dass sie an diesen Tagen Doppelkonzerte spielen, jeweils um 15.30 und um 18.30 Uhr. Geboten wird dabei eine gute Stunde Programm ohne Pause und ohne Ausschank, die Ensembles haben ihr Programm entsprechend geändert. „Mondsüchtig. Beethoven zum 250. Von der ganz eigenen Fassung der Mondscheinsonate über Mozart zu Glenn Miller und bis ins 21. Jahrhundert“, nennen die Saxophonisten das ihre. „Zauberflöte, Tell und andere große Opern für zwei Celli“ will das DuoCalva präsentieren. „Das wird sicher beides sehr unterhaltsam“, verspricht Kraus.

Dass er dafür den barocken Kaisersaal der Abtei noch einmal aufschließen kann, bevor er wegen Umbaumaßnahmen für zwei Jahre gesperrt wird, freut ihn besonders. Der Saal muss in Sachen Brandschutz auf Vordermann gebracht werden. Die Konzerte finden in dieser Zeit im Museum für zeitgenössische Kunst statt.