Mundart

Peter Hanka schreibt vom „romlackla“ und dem ersten Kuss

Im Dialekt und in vergangenen Zeiten schwelgen können Leser im Mundart-Buch von Peter Hanka.

Im Dialekt und in vergangenen Zeiten schwelgen können Leser im Mundart-Buch von Peter Hanka.

Bild: Franz Kustermann

Im Dialekt und in vergangenen Zeiten schwelgen können Leser im Mundart-Buch von Peter Hanka.

Bild: Franz Kustermann

Der Autor erzählt in seinem Buch „Oimol war allamol es Easchtemol“ von einschneidenden Premieren in seinem Leben. Warum der Wolfertschwender im Dialekt schreibt.
26.02.2021 | Stand: 09:15 Uhr

--- Update, 25.2., 14.30 Uhr - Wie die Familie von Peter Hanka mitteilt, ist der Autor kurz nach dem Gespräch mit unserer Redakteurin verstorben. Unser aufrichtiges Beileid gilt den Angehörigen ---

Geschichten und Anekdoten, die „ziemlich nahe an der Wahrheit des Erlebten“ sind, hat der Wolfertschwender Peter Hanka in seinem Büchlein „Oimol war allamol es Easchtemol“ aufgeschrieben. In Mundart und Gedichtform erzählt der 77-Jährige auf amüsante Art, wie ihm verschiedenste Begebenheiten zum ersten Mal im Leben widerfahren sind.

Dabei ist Hanka gar kein Ur-Allgäuer, sondern kam erst als Dreijähriger mit Mutter und Großmutter als Heimatvertriebener nach Benningen – der Vater war noch nicht aus Russland zurück. „Huraflichtling“ dürfte dann eines der ersten Dialektwörter gewesen sein, die er dort zu hören bekam.

Doch Hanka wuchs hinein in die neue Heimat und heute ist er ein großer Verfechter des Allgäuer Dialekts – ganz im Sinne des Fördervereins Mundart Allgäu, der sein Buch in der Reihe „Echt Allgäu“ herausgebracht hat. Dem Autor geht es dabei nicht darum, in Nostalgie zu schwelgen. „Die Mundart ist eine lebendige Sprache, die es zu erhalten gilt“, sagt er.

Allerdings hat es eine Weile gedauert, bis Hanka zum Mundartschriftsteller wurde. Der Benninger machte eine Schlosserlehre in Kirchdorf und studierte Maschinenbau und BWL im Saarland. Danach war er in mehreren internationalen Unternehmen tätig, ehe er mit seiner Frau in Memmingen ein kleines Maschinenbauunternehmen für Fördertechnik übernommen und ausgebaut hat. Mit dem Ruhestand wagte er dann noch einmal Neues: Das Ehepaar kaufte ein 335 Jahre altes Haus in Wolfertschwenden, um es zu restaurieren und den Lebensabend darin zu verbringen – und Hanka widmete sich fortan ganz dem Chorgesang, dem Veranstalten von Kulturevents und der Geschichtenschreiberei in gereimter schwäbischer Mundart.

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Der Vorstand des Fördervereins Mundart Allgäu blickte bei seiner Jahresversammlung zurück und voraus: (von links) Beisitzerin Cornelia Bessler (Bad Oberdorf), Zweiter Vorsitzender Max Adolf (Sonthofen), Vorsitzender Simon Gehring (Durach), Schriftführer Uwe Söder (Nesselwang), Schatzmeisterin Andrea Lotter (Pfronten/Seeg) und Beisitzerin Mechthilde Reichart (Mauerstetten).
Ostallgäu

Engagement für Heimat und Dialekt

Bei allem Humor kommt es ihm dabei darauf an, auch leise Töne anzuschlagen, den Leser ins Sinnieren zu bringen. Es dauert ein wenig, bis man über die ungewohnte Schreibweise in den Rhythmus der Verse findet. Aber dann trifft man auf so selten gewordene Wörter wie umg’heia (umwerfen), grilla (laut schreien), Guckaschecka (Sommersprossen) oder romlackla (scherzhaft Raufen).

Hanka nimmt seine Leser mit in den Kindergarten oder ins Wirtshaus, in einer Zeit, in der Schmalhans Küchenmeister war und man Spielzeug noch selbst gebastelt hat. Er lässt sie an allerhand Streichen teilhaben oder an seiner ersten Zugreise im Viehwaggon nach Passau und erzählt von „Schronda und Rufa“, die er sich zugezogen hat, als es ihn „vom Rad ra g’schlaa“ hat. Köstlich auch die Episode, wie er sich als „jonger Buuscht“ das erste Mal eine Art Joint aus Knöterichzweigen „nei’zoga hot“ (mit üblen Folgen). Ganz zu schweigen von der einschneidenden Erfahrung, als er zum ersten mal „eine Fehl pussiert“ hat. Und am Ende sieht er dann „s’easchtemol“ ziemlich alt aus.

Illustriert ist das Mundart-Buch mit Hankas eigenen Zeichnungen.

Das Buch „Oimol war allamol es Easchtemol“ von Peter Hanka ist in der Reihe „Echt Allgäu“ des Fördervereins mundART Allgäu erschienen. Es kostet 12,95 Euro und kann bestellt werden per E-Mail an mundart-allgaeu@gmx.de oder im Internet auf der Seite www.mundart-allgaeu.de