Boos

Photovoltaikanlagen auf Freiflächen - Warum Gemeinderäte in Boos dagegen sind

Die Gemeinde Boos hat den Antrag der Firma Vensol abgelehnt, die im Bereich der Kommune Freiflächen-Photovoltaikanlagen errichten wollte.

Die Gemeinde Boos hat den Antrag der Firma Vensol abgelehnt, die im Bereich der Kommune Freiflächen-Photovoltaikanlagen errichten wollte.

Bild: Symbolfoto: Armin Schmid

Die Gemeinde Boos hat den Antrag der Firma Vensol abgelehnt, die im Bereich der Kommune Freiflächen-Photovoltaikanlagen errichten wollte.

Bild: Symbolfoto: Armin Schmid

Das Gremium in Boos revidiert damit einen Grundsatzbeschluss des alten Gemeinderats. Die Firma Vensol will das Projekt auf anderen Gemarkungen weiterverfolgen.
30.09.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Eine Kehrtwende hat der Booser Gemeinderat mit Blick auf den Bau von großen Fotovoltaikanlagen auf landwirtschaftlich benachteiligten Flächen vollzogen. Einen bereits gefassten Grundsatzbeschluss hat das Booser Ratsgremium in seiner jüngsten Sitzung nun noch einmal überprüft und denkbar knapp abgelehnt. Letztlich geht es in erster Linie um ein Vorhaben der Firma Vensol aus Babenhausen, die sternförmig angeordnet, mehrere große Photovoltaik-Anlagen im nordwestlichen Unterallgäu und dem südlichen Landkreis Neu-Ulm errichten möchte.

Eigentlich stand der frühere Booser Gemeinderat diesem Vorhaben positiv gegenüber. Im Bereich der Gemeinde wäre es auch an zwei Standorten möglich gewesen, größere PV-Anlagen zu errichten. Parallel hatte sich eine Interessengemeinschaft gebildet, die es nicht hinnehmen wollte, dass landwirtschaftliche Flächen auf Booser Gemeindeflur für die Erzeugung von regenerativem Strom verwendet werden.

Knappes Ergebnis

Bürgermeister Helmut Erben meinte, dass es in diesem Zusammenhang wichtig ist, dass der neu formierte Gemeinderat sich eine Meinung bildet und den Grundsatzbeschluss nochmals prüft. Dabei zeigte sich, dass es im Ratsgremium gleichermaßen befürwortende als auch ablehnende Stimmen gibt. Mit einem sehr knappen Abstimmungsergebnis von 7:7 hob das neue Ratsgremium den alten Grundsatzbeschluss wieder auf. Rathauschef Erben fügte an, dass der Gemeinderat das Thema im Moment nicht weiterverfolgen wird und es demnach auch keinen Bebauungsplan für den Bau einer großen PV-Anlage im Gemeindegebiet von Boos geben kann. Der betreffende Gebietsbereich, den die Firma Vensol ins Auge gefasst hatte, bezieht die Gemeinden Pleß, Kellmünz, Boos, Osterberg, Oberroth, Babenhausen und Winterrieden mit ein.

Vensol-Projektleiter Thomas Schultheiß berichtete auf Anfrage, dass sich die Ratsgremien in Pleß und Winterrieden schon im vergangenen Jahr gegen den Bau der PV-Anlagen ausgesprochen haben. Hinzu kommt nun auch Boos. Somit haben sich die Flächenbereiche für eine Projektumsetzung auf nunmehr vier Gemeinden verringert. Schultheiß betonte, dass die Firma Vensol das Vorhaben weiter vorantreiben will. Letztlich werde man versuchen, sich geeignete Flächen zu sichern und dann auf die einzelnen Kommunen zwecks Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens zugehen. Angesichts der derzeitigen Niedrigzinsphase sei das Interesse der Bürger, sich an großen Freiflächen-Fotovoltaikanlagen zu beteiligen, vorhanden. „Wir erleben ein sehr großes Interesse.“

Gemeinde will abwarten

Der Osterberger Bürgermeister Martin Werner meinte auf Nachfrage, dass sich der Gemeinderat noch nicht mit dem Vorhaben beschäftigt hat. Man werde abwarten, ob es der Firma Vensol gelingt, ein Projekt auf Osterberger Flur auf die Beine zu stellen. Sobald ein entsprechender Antrag eingegangen sei, werde sich das Gremium damit befassen. Transparenz ist dem Oberrother Bürgermeister Willibold Graf wichtig. Falls man im weiteren Verfahren betroffen sei, werde man das Thema im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung beraten. Der Babenhauser Bürgermeister Otto Göppel meinte, dass es entscheidend ist, ob es der Firma gelingt, entsprechend große und zusammenhängende, landwirtschaftliche Flächen zu sichern. Generell schwierig sei hierbei das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und regenerativer Stromerzeugung. Beide Seiten haben nach Ansicht von Göppel gute Argumente. Wenn man die Energiewende wolle, müsse man mehr regenerativen Strom erzeugen. Andererseits sei es schwierig, hierfür Flächen zu verwenden, die bislang der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung standen.