Behandlung in Memmingen

Die Nähe ist wichtig, damit Krebspatienten nicht unnötig warten müssen

Strahlen

Millionenschweres Gerät: Dr. Carsten Fels (links) und Andreas Batsios, beides Fachärzte für Strahlentherapie in Memmingen, stehen am Linearbeschleuniger, also dem Bestrahlungsgerät. Das soll in einigen Monaten gegen ein neues, moderneres Gerät ausgetauscht werden.

Bild: Andreas Berger

Millionenschweres Gerät: Dr. Carsten Fels (links) und Andreas Batsios, beides Fachärzte für Strahlentherapie in Memmingen, stehen am Linearbeschleuniger, also dem Bestrahlungsgerät. Das soll in einigen Monaten gegen ein neues, moderneres Gerät ausgetauscht werden.

Bild: Andreas Berger

Was wird aus der Praxis für Strahlentherapie in Memmingen, wenn das Klinikum an den neuen Standort zieht? Es gibt bereits Pläne.
04.09.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Damit Krebspatientinnen und -patienten in Memmingen, Unterallgäu und Umgebung gut behandelt werden können, ist es wichtig, dass die Praxis für Strahlentherapie in der Nähe des Klinikums angesiedelt ist. Kurze Wege, schnelle Absprachen zwischen den Ärzten, weniger Wartezeit für Patienten. Was aber passiert, wenn das Memminger Krankenhaus bis 2030 an den neuen Standort zieht? Theoretisch müsste die Strahlentherapie nicht mitgehen, sondern könnte sich an einem anderen Ort niederlassen, da sie eigenständig ist und nicht zum Klinikum gehört.

Ganz klare Antwort: Sie zieht mit um an den neuen Standort auf dem ehemaligen Ikea-Areal neben dem Memminger Autobahnkreuz. „Für uns war von vornherein klar, dass wir mitgehen wollen“, sagt Dr. Carsten Fels, der die Praxis in Memmingen zusammen mit Andreas Batsios leitet. Beide sind Fachärzte für Strahlentherapie. Ihre Praxis gehört zu einem Verbund (siehe Infokasten).

Andreas Batsios erklärt an einem Beispiel, warum die Nähe zum Klinikum so wichtig ist: Er untersucht einen Patienten. Es stellt sich heraus, dass er Hirnmetastasen hat. Jetzt sitzen beide im Arztzimmer und sprechen darüber, wie der Krebs behandelt werden kann. Bestrahlen? Das ginge in seiner Praxis. Oder operieren? Das könnte im Klinikum nebenan übernommen werden. Statt das Thema nun zu vertagen, damit Andreas Batsios mit einem Neurochirurgen aus dem Krankenhaus den Fall besprechen kann, und so dem Patienten unangenehme Wartezeit zuzumuten, greift Batsios zum Telefon. Er bittet den Neurochirurgen, kurz herüber zu kommen. Gleich weiß der Patient, wie es weitergehen soll. Der Vorteil der direkten Nachbarschaft. Und so soll es künftig bleiben. Die Strahlentherapie wird in eines der Nebengebäude des Neubaus ziehen, in dem auch die Onkologie untergebracht sein wird. Auch sie befasst sich mit Krebserkrankungen.

Weiter Vorteile für Krebspatienten

Mit dem Neubau gibt es noch weitere Vorteile für Patientinnen und Patienten: Der Therapieraum, in dem das Gerät steht, mit dem bestrahlt wird, soll größer und freundlicher werden. Auch der Wartebereich wird großzügiger. Die Zahl der Patienten werde sich vermutlich aber nicht stark verändern, sagt Carsten Fels. Bisher werden pro Tag etwa 50 bis 60 Menschen behandelt. Wenn es mehr werden, könne flexibel reagiert werden. 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inklusive Ärzten kümmern sich um die Bestrahlung. Mehr sollen es in den neuen Praxisräumen vermutlich nicht werden, sagt Fels.

Die Bestrahlung selbst wird aber bald schneller ablaufen: Denn noch bevor die Praxis in den Neubau zieht, wird ein neuer Linearbeschleuniger, also ein neues Bestrahlungsgerät, gekauft. Kosten: zwei Millionen Euro. Im Frühjahr soll es so weit sein. Sechs bis acht Wochen dauert es dann, bis das schwere Gerät eingebaut ist. Da in dieser Zeit nicht behandelt werden kann, nutzt das Team die Pause und modernisiert die Räume: neue Möbel und Bilder, frische Wandfarbe, eventuell Trennwände, es soll gemütlicher werden. Denn noch werden die alten Räume einige Jahre genutzt werden müssen.

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Die übrigens sind kleiner, als sie hätten sein sollen. Denn erst als die Planungen für das jetzige Klinikum-Nebengebäude fast abgeschlossen waren, kam die Strahlentherapie als potenzieller Mieter ins Gespräch. Zu diesem Zeitpunkt standen aber keine anderen Räumlichkeiten mehr zur Verfügung, sagt Andreas Batsios. Das war 2007. Die neue Praxis wird etwa um ein Drittel größer. Und schon jetzt sagen Carsten Fels und Andreas Batsios den Planern des Klinikums, welche weiteren Wünsche sie haben. Eigentümer der Räume werden sie aber nicht sein: Die Strahlentherapie wird als Mieter des Klinikums einziehen.

Niemals nur ein Arzt

Die Memminger Praxis für Strahlentherapie ist Teil des Praxisverbunds Strahlentherapie Süd. Dazu gehören Praxen in Kaufbeuren, Kempten, Biberach, Garmisch-Partenkirchen und Ingolstadt mit insgesamt 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Praxen arbeiten eng mit Kliniken zusammen und tauschen sich untereinander aus. So wird jeder Fall von mehreren Ärzten begutachtet, die zusammen die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten festlegen.