Kindertheater

Premiere in Memmingen: Spaß haben im LTS Kinder und Erwachsene

In der flotten Aschenputtel-Version des Landestheaters Schwaben darf am Ende sogar die böse Stiefschwester mittanzen. Unser Bild zeigt (von links): Linda Prinz (Aschenputtel), Delia Rachel Bauen (Stiefschwester Isolde), Benedikt Schulz (Prinz Freddy) und Butz Buse (Vater).

In der flotten Aschenputtel-Version des Landestheaters Schwaben darf am Ende sogar die böse Stiefschwester mittanzen. Unser Bild zeigt (von links): Linda Prinz (Aschenputtel), Delia Rachel Bauen (Stiefschwester Isolde), Benedikt Schulz (Prinz Freddy) und Butz Buse (Vater).

Bild: Forster/Landestheater

In der flotten Aschenputtel-Version des Landestheaters Schwaben darf am Ende sogar die böse Stiefschwester mittanzen. Unser Bild zeigt (von links): Linda Prinz (Aschenputtel), Delia Rachel Bauen (Stiefschwester Isolde), Benedikt Schulz (Prinz Freddy) und Butz Buse (Vater).

Bild: Forster/Landestheater

Das Märchen Aschenputtel kommt im Landestheater Schwaben als flotte, zeitgemäße Geschichte auf die Bühne. Woran Britta K. Schreiber in ihrer Fassung gedreht hat.
14.11.2022 | Stand: 18:00 Uhr

Wer kennt sie nicht, die wunderbare Geschichte von Aschenputtel, vom Mädchen, das trotz aller Schikanen der bösen Stiefmutter fromm und gut bleibt – und am Ende sogar einen Königssohn heiratet. Auch den meisten Kindern dürfte der Grimmsche Märchenklassiker vertraut sein. Dem Landestheater Schwaben ist es gelungen, diese altbekannte Geschichte frisch und zeitgemäß zu erzählen. Das bestens aufgelegte Ensemble mit drei Gästen überzeugt. Bei der Premiere im fast ausverkauften Großen Haus hatten Kinder und auch Erwachsene viel dabei zu lachen.

Hühner picken die Linsen

In der eigens von Regisseurin Britta K. Schreiber entwickelten Textfassung sind es nicht Tauben, sondern profane, aber nicht minder fleißige Hühner, die dem mit absurden und sinnlosen Aufgaben überhäuften Aschenputtel zur Seite stehen, Linsen sortieren und ein Ballkleid für sie herbeizaubern. Als Handpuppen kommentieren sie das Geschehen vom Hühnerstall aus. Linda Prinz sprüht als Aschenputtel vor Lebendigkeit und bleibt trotz herber Demütigungen stets überzeugend zuversichtlich. Sie bekommt in dieser Fassung nicht zwei, sondern nur eine Stiefschwester. Delia Rachel Bauen spielt dafür doppelt ausdrucksstark. Herrlich kraftvoll und ganz heutig verkörpert sie das Bild einer überdrehten, oberflächlichen Möchtegern-Influencerin, die nur Schlankheitswahn, angesagte Produkte und die neuesten Tanzmoves kennt. Sie ist es auch, die Aschenputtel naserümpfend den bekannten Namen verpasst.

Gastschauspielerin Vanessa Jeker wechselt als Stiefmutter wunderbar zwischen Sadismus und einschmeichelnder Freundlichkeit. Selbst ihre leibliche Tochter muss unter ihrem strengen Ernährungsplan leiden. Aschenputtels Vater ist als Figur sehr zurückgenommen. Dafür glänzt Gastschauspieler Butz Buse in seiner Doppelrolle als Haushofmeister umso mehr und bringt die Kinder mit witzigen Buchstabenverdrehern und ähnlichklingenden Wörtern, die den Sinn in sein Gegenteil verkehren, immer wieder zum Lachen.

Moderner Prinz hat Sympathien auf seiner Seite

Auch der Prinz hat in der Schreiber-Version ein starkes und modernes Profil. Er will sich von Rollenzwängen emanzipieren und sucht nach Volksnähe und Echtheit. Benedikt Schulz füllt das charmant aus und hat alle Sympathien auf seiner Seite.

Neben der feinen Figurenführung zeichnet Britta K. Schreiber auch für die Bühne verantwortlich. Mit nur wenigen verschiebbaren, einfachen Elementen einer Krone schafft sie die notwendigen Räume von Gutshof und Schloss. Unterstützt werden die Figuren auch durch vielsagende Kostüme von Gerd Friedrich. Er hat nicht an mondänen Formen, aufwendiger (Kunst-)Haartracht und opulenten Reifröcken gespart. Nur das Ballkleid für Aschenputtel wirkt halbfertig. In der Musik von Thomas Limpinsel haben Aschenputtel, Stiefschwester und Prinz ein eigenes Lied, in dem sie ihre Wünsche besingen oder rappen.

Am Ende gibt es viel Jubel und langen Applaus

Den meisten Schwung bringt jedoch der geschmackvolle Humor, der nie albern oder aufgesetzt daherkommt. Die Komik entsteht immer aus der Situation heraus und lässt auch Raum für Betroffenheit und Schmerz. Doch Lebensfreude lässt sich nicht unterdrücken oder gar brechen, so die hoffnungsfrohe Botschaft. Das Authentische setzt sich durch und mündet in einen versöhnlichen Tanz, in den auch die Garstigen mit eingeschlossen werden. Viel Jubel und langer Applaus für eine äußerst sehenswerte Portion Optimismus und Lebenslust mit Herz.

An den Sonntagen 20. November und 18. Dezember hat eine begrenzte Zahl Kinder die Möglichkeit, nach der Vorstellung hinter die Kulissen zu schauen. Erforderlich ist dafür vor der Vorstellung eine Anmeldung an der Kasse.