Memmingen

Radler-Demo für eine fahrradfreundliche Stadt

Ein knapp einstündiger Fahrradkonvoi durch die Memminger Altstadt machte am Samstag die Maustadt zu einer fröhlichen, vor allem aber auch zu einer „fahrradfreundlichen Stadt“. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Memmingen-Unterallgäu.

Ein knapp einstündiger Fahrradkonvoi durch die Memminger Altstadt machte am Samstag die Maustadt zu einer fröhlichen, vor allem aber auch zu einer „fahrradfreundlichen Stadt“. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Memmingen-Unterallgäu.

Bild: Franz Kustermann

Ein knapp einstündiger Fahrradkonvoi durch die Memminger Altstadt machte am Samstag die Maustadt zu einer fröhlichen, vor allem aber auch zu einer „fahrradfreundlichen Stadt“. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Memmingen-Unterallgäu.

Bild: Franz Kustermann

250 Teilnehmer, insbesondere Eltern mit Kindern, machen sich in Memmingen für nachhaltige Mobilität stark. Woran's  hierbei noch hapert.
21.09.2020 | Stand: 10:14 Uhr

Ralf Hohendorf sitzt gemütlich auf den Stufen der Großzunft und liest seinen Kindern geduldig eine Geschichte vor. Zusammen mit Martin, Jen und Patrik will der Tannheimer Familienvater an diesem Samstagnachmittag bei der Fahrrad-Demo mitmachen. Oft fährt er mit dem Rad die zehn Kilometer lange Strecke in die Maustadt, auf den Wochenmarkt zum Einkaufen: „Da ist es immer ein bisschen anstrengend, über die Eisenbahnbrücke rum; drum machen wir heute mit!“ Die zwei Jüngsten setzt er meist in seinem Kinderfahrrad-Anhänger; den Ältesten auf das „Sitzerle“ vorne drauf. An diesem Tag darf er auf seinem kleinen Fahrrad aber selber mitradeln.

„Ich möchte für die Fahrräder in der Buxacher Straße eine eigene Spur; wie die Autofahrer das machen, ist mir im Prinzip egal“, sagt ein dort wohnhafter Psychiater, der mittlerweile in Rente ist. „Auf dem Land gibt es relativ gute Fahrradwege. Je näher man in die Stadt kommt, desto schwieriger wird es immer“, klagt der Holzgünzer Benedikt Odekerken, der mit seiner Tochter neben einer Frau aus Altusried und ihrem Freund aus Schwaighausen ebenfalls auf dem Marktplatz auf die Abfahrt wartet.

Bundesweite Aktion

Ein knapp einstündiger Fahrradkonvoi durch die Memminger Altstadt – organisiert vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Memmingen-Unterallgäu – macht im Rahmen eines bundesweiten Aktionswochenendes die Maustadt zu einer fröhlichen, vor allem aber zu einer „fahrradfreundlichen Stadt“. An der Demonstration beteiligen sich rund 250 Radler, insbesondere Eltern mit ihren Kindern. Nach der Rundfahrt durch die für den übrigen Verkehr gesperrte Altstadt – vom Marktplatz bis zum Schrannenplatz – versammeln sich die Teilnehmer am Festplatz im Stadtpark Neue Welt. Dort können die Radler auf drei Kursen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden ihre Fähigkeiten testen.

Für den Vorsitzenden des ADFC Memmingen, Klaus Schuster, stellt sich die Frage, „ob in Memmingen achtjährige Kinder und 85-jährige Senioren bedenkenlos mit dem Fahrrad fahren können“. Wenn dies in der Maustadt möglich sein solle, dann habe dies für ihn „Konsequenzen für die Geschwindigkeit, die Infrastruktur und die Organisation des Verkehrs“. Notwendig sei ein radikales Umdenken in der Verkehrspolitik, bei der bislang bei allen Planungen immer nur das Auto an oberster Stelle stehe.

Platz fehlt

Damit sich auch Kinder und Senioren selbstständig in der Stadt bewegen könnten, müsse sich die Priorität ändern: „In der Verkehrspolitik und Verkehrsplanung kommt zuerst die aktive Mobilität, also Fußgänger und Radler, dann der ÖPNV, danach Mitfahrzentrale und Pkw-Verleih und erst zum Schluss der individuelle Autoverkehr.“ Laut Schuster fehlt es in Memmingen vor allem am Platz: „Die Fahrradwege sind oft zu schmal, zu ungeschützt und oft gibt es gar keine Fahrradwege.“ Viele Eltern hätten deshalb Angst, ihre Kinder allein mit dem Fahrrad in die Schule zu schicken, brächten sie daher lieber mit dem Auto. Der ADFC-Vorsitzende fordert: „Die Schulwege müssen so gestaltet sein, dass Kinder zu Fuß und mit dem Fahrrad die absolute Priorität haben.“ Zur Verbesserung der Lebensqualität in der Innenstadt gehöre: „Autofrei am Weinmarkt, Sperrung der Maximilian- und Kalchstraße für Pkw.“ Ausnahmen dürfe es nur für Lieferverkehr, den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) und Behinderte geben.

Intelligente Verbindungen

Schuster sagt: „Die Stadt muss ein Verkehrssystem entwickeln, das auf die Nähe und intelligente Verbindung verschiedener Verkehrsmittel baut und in dessen Mittelpunkt das Fahrrad steht.“ Der Fahrradfan sieht zwar „im Kleinen gute Fortschritte“, etwa die Aufhebung der Einbahnstraßenregelung für Fahrradfahrende in der Herrenstraße und die schnelle Ausbesserung von Schlaglöchern auf Fahrradwegen. Im Großen dominiere allerdings immer noch das Auto. Die Verkehrsplanung müsse deshalb „im großen Rahmen und zukunftsweisend gedacht und umgesetzt werden“. Schuster fordert daher weitere Fahrradstraßen, auch in Nord-Süd-Richtung – und: „Die Autos konsequent aus der Innenstadt rausnehmen.“ Nachhaltige Mobilität ist für den Vorsitzenden „ein wichtiger Baustein, um die drohende Klimakatastrophe noch abzuwenden“.

Bilderstrecke

250 Radler demonstrieren für fahrradfreundliches Memmingen