Rafahren in Memmingen

Radler-Kritik in Memmingen: Zu kurz grün, zu wenig Platz

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Lange Wartezeiten für Radfahrer an der Ampel: Das bemängeln einige Leser noch an der „Fahrradstadt“ Memmingen. So wie hier an der unteren Ampel am Kuhberg, bei der die Ampelschaltung extra angefordert werden muss.

Bild: Theresa Osterried

Lange Wartezeiten für Radfahrer an der Ampel: Das bemängeln einige Leser noch an der „Fahrradstadt“ Memmingen. So wie hier an der unteren Ampel am Kuhberg, bei der die Ampelschaltung extra angefordert werden muss.

Bild: Theresa Osterried

Leser der Memminger Zeitung bringen weitere Ideen und Verbesserungsvorschläge zum Thema „Radfahren in Memmingen“ ein. Städtischer Radverkehrsexperte äußert sich zu kritischen Stimmen
03.09.2021 | Stand: 12:32 Uhr

In den vergangenen Jahren bekam Memmingen als „Fahrradstadt“ stets recht gute Bewertungen. Was wirklich gut ist und was noch alles verbessert werden kann, beleuchten wir in unserer neuen Rad-Serie. In diesem Serienteil stellen wir weitere Leserstimmen und Anregungen zum Thema „Radfahren in Memmingen“ vor – und wir gehen darauf ein, was die Stadt dazu sagt.

„Memmingen ist eine tolle Stadt, auch zum Radfahren“, meint Stephan Glockner, „aber sie kann nicht ansatzweise mit richtigen Fahrradstädten wie Erlangen oder Bamberg mithalten.“ Am meisten stört ihn die Benachteiligung der Radfahrerinnen und Radfahrer an vielen Ampeln und die stellenweise maroden Radwege auf den Hauptstrecken.

Die Ampelschaltunge dauere für Radler zu lang

„Die meisten Ampeln sind nach wie vor primär für Autos geschaltet“, sagt Glockner. Einfacher wäre es in seinen Augen, Fahrradampeln zyklisch komplett auf grün zu schalten. Beispielhaft führt er dafür die Lindenbadstraße stadtauswärts an, an der man als Radler enorm lang warten müsse. Auch an der Kreuzung Augsburger Straße/ Benninger Straße haben die Autos laut Glockner eine längere Grünphase. Genauso müsse man mit dem Rad an der unteren Ampel am Kuhberg mehrere Minuten warten – und zudem noch extra vorher Drücken. „Gerade an Zubringerstraßen für Radfahrer sollten die Ampelschaltungen diese nicht benachteiligen, sondern bevorzugen“, findet er.

Radverkehrsbeauftragter Urs Keil: Das Problem liegt bei den verschiedenen Geschwindigkeiten der Radfahrer

„Eine längere Grünzeit für einzelne Verkehrsströme bringt immer negative Auswirkungen auf die anderen Verkehrsströme mit sich“, sagt Radverkehrsbeauftragter Urs Keil zur Situation an den Ampeln. Das Gebot der Verkehrssicherheit stünde an erster Stelle – dann erst wird auf den Verkehrsfluss wert gelegt. „Bei Radfahrern herrscht leider kein einheitliches Geschwindigkeitsniveau“, sagt Keil, daher gestalte sich eine Koordinierung einzelner Ampelanlagen schwierig. „Welche Geschwindigkeit soll man denn ansetzen? 25 Stundenkilometer für E-Biker? Oder doch die meist langsamere Durchschnittsgeschwindigkeit der nicht-motorisierten Biker?“

Kritik an den östlichen Auf- und Abfahrten bei der Bahnüberführung am Schumacherring

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Johannes Schlichtling weist auf die Situation bei der östlichen Auf-und Abfahrt bei der Bahnüberführung am Schumacherring hin. „Dort sind die Fahrrad- und Gehwege viel zu schmal und entsprechen nicht den Vorschriften.“

Er findet es gefährlich, dort mit dem Fahrrad unterwegs zu sein – weil die Leitplanke an dieser Stelle viel zu niedrig sei. „Wenn man vom Fahrrad stürzen würde, fällt man auf die stark befahrene Fahrbahn“, sagt Schlichtling. „Zumindest ein Geländer wäre wichtig.“ Er habe dies bereits der Stadt Memmingen mitgeteilt, aber bisher sei nichts unternommen worden. Karl-Heinz Scheufele übt dieselbe Kritik an den Fahrradwegen in Steinheim. „In Steinheim ist der Fahrradstreifen, wohl um den Autofahrern mehr Verkehrsraum zu bieten, in der Breite auf 1,10 bis 1,40 Metern reduziert.“ Nach den gesetzlichen Vorgaben liegt die Mindestbreite jedoch bei 1,85 Metern.

Umbau zu schmaler Fahrradwege gestaltet sich laut Keil schwierig

„Die Radwege in Steinheim an der Heimertinger Straße im südlichen Bereich sind ungenügend“, gibt Urs Keil Karl-Heinz Scheufele recht. Aber es gebe bereits Planungsansätze zur Verbesserung der dortigen Infrastruktur. „Oftmals haben wir leider die Einschränkung, dass uns im Straßenraum nicht ausreichend Platz für großzügige Gehwege, Radwege, Grünstreifen, Parkstreifen und Fahrbahnen zur Verfügung steht“, bedauert der Radverkehrsbeauftragte. Genauso verhalte es sich mit dem von Johannes Schlichtling kritisierten Übergang bei der Bahnlinie. Beim Bau vor 50 Jahren entsprach der Weg den üblichen Maßen für Geh- und Radwege – ein Umbau gestaltet sich daher sehr schwer.

Gefährlich wird es dann, wenn von mehreren Seiten gleichzeitig Radler kommen können

Frau Bucher wünscht sich, dass auf dem Abschnitt Braunstraße zwischen der Einmündung Rügenstraße und Buxheimer Straße die Radfahrer entweder auf dem Gehsteig fahren dürfen oder eine Lösung für die Engstelle samt der dort parkenden Autos gefunden wird. „Die Situation vor Ort ist für Fahrradfahrer wie auch für Autofahrer schwierig.“ Als Radfahrerin fühlt sich Frau Bucher auf der engen Straße nicht sicher. „Das prüfen wir gerne beim nächsten Termin mit Polizei- und Verkehrsbehörde“, sagt Keil zu dieser Bitte.

„Für mich ist eine der schlimmsten Stellen mit dem Rad die Kreuzung Augsburger Straße, Kalchstraße, Kohlschanzstraße und Bahnhofstraße“, findet Gertrud Miska. Von vier Seiten könnten gleichzeitig Radler auf einander zu kommen.

Westertor: Radfahrer und Autos müssen sich nun die enge Fahrbahn teilen

Karl Ripfel missfällt, dass der Radweg am Westertor auf die Straße verlegt wurde. „Während vorher die Radfahrer auf der eigenen Spur am Westertor vorbeigeleitet wurden, müssen sie sich jetzt das Nadelöhr durch das Tor mit den Kraftfahrzeugen teilen.“

Vor dem Westertor wurde die Zone 30 in Richtung Westen bis kurz vor die Ampel verlängert, erklärt Urs Keil. Tempo 30-Zonen und die Ausweisung benutzungspflichtiger Radwege schließen sich verkehrsrechtlich aus. Deswegen müssten die Radfahrer auf der Fahrbahn fahren – wie überall in der Altstadt. „Leider haben auch einige Autofahrer noch nicht verinnerlicht, dass hier am Westertor Radler auf der Fahrbahn unterwegs sind“, bedauert Keil.

Wolfgang Kurz möchte darauf aufmerksam machen, dass in einer Fahrradstraße das Parken nicht erlaubt sei. Er denke vor allem an die Buxacher Straße westlich des Kreisverkehrs.

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