Memmingen

Raserin verwickelt Polizei in Verfolgungsjagd

MM Donaustraße

MM Donaustraße

Bild: Anna Kabus

MM Donaustraße

Bild: Anna Kabus

Vermutlich fühlte sich die Frau zu einem Autorennen herausgefordert. Ihr drohen jetzt hohe Strafen
30.11.2020 | Stand: 10:12 Uhr

Unfreiwillig in ein rasantes Autorennen verwickelt zu werden – das ist am Sonntag ausgerechnet zwei Polizisten passiert. Die Zivilstreife überprüfte gegen 21.30 Uhr eine Ampelanlage bei der Kohlschanzstraße, als ihnen ein Auto mit „Tuning-Optik“ auffiel. Die Fahrerin war von ihrem Handy abgelenkt, weshalb die Polizisten sie anhalten wollten. Als die Beamten dem weißen Mercedes in die Donaustraße folgten, beschleunigte die Fahrerin auf mindestens 130 Stundenkilometer – sie war also mehr als doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt.

Die Frau fuhr weiter in Richtung Steinheim und Heimertingen, wobei sie mehrmals gefährliche Überholmanöver durchführte. Einige Male habe der Gegenverkehr bremsen müssen, um einen Zusammenstoß zu verhindern, sagt Manfred Guggenmos, Leiter des Sachbereichs Verkehr der Polizei Memmingen. Die Frau hielt nicht an, obwohl die Zivilstreife ihr mit einer Kelle zu verstehen gab, rechts ranzufahren. Außerdem fuhr sie teilweise in der Mitte der beiden Fahrstreifen und verhinderte, dass die Zivilpolizei sie überholte. Bei Heimertingen konnte die Fahrerin aber schließlich von den Beamten gestellt werden.

Guggenmos vermutet, dass die Fahrerin das Zivilfahrzeug nicht als Polizeistreife erkannte. „Möglicherweise hat die Frau gedacht, das Auto will mit ihr ein Rennen fahren.“ Ihr Fahrverhalten deute zumindest darauf hin, erklärt er. Laut dem Verkehrspolizisten zeigte sich die Frau jedoch nicht einsichtig, nachdem sie gestoppt wurde. Gegen sie wird wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Kraftfahrzeugrennens ermittelt. Die Polizei entzog ihr die Fahrerlaubnis und stellte den Mercedes sicher: „Wenn das Auto als Tatmittel eingezogen wird, bekommt sie ihn möglicherweise auch nicht mehr zurück“, sagt Guggenmos. Wurde die Raserei mit dem Handy gefilmt, was bei illegalen Autorennen durchaus üblich sei, kann grundsätzlich auch dieses als Beweismittel beschlagnahmt werden.

So geschehen etwa bei einem Autorennen in der Donaustraße Ende Juni. Dort rasten zwei Cousins um die Wette. Einer der Wagen kam von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Laternenmast. Der 18-jährige Fahrer erlitt Knochenbrüche und Schnittwunden, sein gleichaltriger Beifahrer wurde ebenfalls verletzt. Er hielt das Autorennen damals mit seinem Handy fest.

Nachdem die Zeitung über diesen Vorfall berichtet hatte, meldete sich laut Goggenmos ein Zeuge, der aussagte, dass es am Wochenende häufiger zu solchen Autorennen in der Donaustraße komme. „Da haben wir uns die Sache mal näher angeschaut.“ Die Polizei startete eine groß angelegte Überwachungsaktion. Zivilbeamten beobachteten im September vier Wochenenden lang nachts die Donaustraße, die Europastraße und den Eberttunnnel. „Wir konnten aber nichts Auffälliges feststellen“, sagt Guggenmos. Er gehe daher nicht davon aus, dass solche Rennen regelmäßig stattfinden. „Das sind absolute Ausnahmen.“

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Stellt die Polizei allerdings tatsächlich ein illegales Rennen fest, steht sie laut Guggenmos oft vor einem Problem: Sie muss nachweisen, dass es sich nicht „nur“ um eine Gefährdung des Straßenverkehrs handelt, sondern tatsächlich um ein Autorennen. Letzteres ist seit Oktober 2017 in Deutschland ein eigener Straftatbestand. Wem die Wettfahrt beziehungsweise rücksichtloses Fahren mit dem Ziel einer „höchstmöglichen Geschwindigkeit“ nachgewiesen werden kann, der muss mit empfindlichen Strafen rechnen: Wird beispielsweise beim Rennen ein Mensch schwer verletzt oder kommt gar um, droht dem Fahrer eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Im Fall der gefährlichen Verfolgungsnacht von Sonntag ist die Polizei noch auf der Suche nach Zeugen. Sie fragt in diesem Zusammenhang: Wer hat gegen 21.30 Uhr im Bereich der Donaustraße, in Steinheim oder in Heimertingen etwas mitbekommen? Wer wurde möglicherweise sogar von der Frau mit dem weißen Mercedes überholt? Die Polizei bittet um Hinweise unter (08331) 1000.