Quartier in der Altstadt

Ringen ums Rosenviertel geht in Memmingen weiter

MM Rosenviertel

Was soll im Rosenviertel zwischen Bahnhofstraße (unten), Maximilianstraße (links), Kalchstraße und Heidengasse entstehen?

Bild: Thomas Weigert (Archiv)

Was soll im Rosenviertel zwischen Bahnhofstraße (unten), Maximilianstraße (links), Kalchstraße und Heidengasse entstehen?

Bild: Thomas Weigert (Archiv)

Die Mewo hält sich als Grundstückseigentümerin bedeckt, was sie mit ihrem Anteil im Rosenviertel Memmingen plant. Sogar Ikea könnte wieder eine Rolle spielen.
14.07.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Es ist die letzte große Freifläche in der Memminger Innenstadt, die auf eine Bebauung wartet: Das Bahnhofsareal, das jetzt Rosenviertel heißt, liegt noch im Dornröschenschlaf. Im Herbst will die Stadt einen so genannten städtebaulichen Wettbewerb starten. Unklar bleibt indes, was die Memminger Wohnungsbau eG – kurz Mewo – plant. Denn ihr gehören rund 60 Prozent des insgesamt etwa 7700 Quadratmeter großen Areals zwischen Bahnhofstraße, Maximilianstraße, Kalchstraße und Heidengasse; fast die übrige Fläche gehört der Stadt Memmingen, ein kleiner Teil Privatpersonen.

„Wir sind für alles offen, warten aber erst einmal ab, was die städtebauliche Planung ergibt“, sagt Mewo-Vorstand Hans-Peter Fischer auf MZ-Nachfrage. Sein Unternehmen hat die Fläche aktuell für die Kulturveranstaltungen der „Memminger Meile“ hergerichtet. Danach sollen auf dem Areal Pkw-Stellplätze entstehen.

Mewo: "Grundsätzliche Beteiligung möglich, aber..."

Grundsätzlich sei es möglich, dass sich die Mewo an dem Großprojekt – geschätzte Gesamtinvestitionen: rund 50 Millionen Euro – beteiligt. „Wir können uns dort vieles vorstellen und dass wir auch so manches mitmachen“, sagt Fischer, ohne Details zu nennen. Klar sei aber, dass es der Mewo immer um das Schaffen von günstigem Wohnraum gehe. Das sei beim Rosenviertel schwierig, da es wegen der guten strategischen Lage ein wertvolles Areal sei. da könne der tatsächliche Grundstückswert nicht einfach ignoriert werden. Daher könne dort günstiger Wohnraum wohl nur entstehen, wenn die Stadt den Bau entsprechend fördere, so der Vorstand.

Sein Unternehmen halte sich auch die Option offen, dass Gelände zum Beispiel an einen Investor zu verkaufen. Da es sich um „ein Schlüsselgrundstück in der Stadt“ handele, sei das Areal entsprechend teuer. Und werde wohl auch wertvoll bleiben, blickt Fischer wegen der Bahnhofsnähe auf die gute Verkehrsanbindung nach München und Ulm.

Besser doch nur einen Investor nehmen?

In der noch offenen Grundstücksfrage sieht auch die Memminger Baugenossenschaft „Siebendächer“ ein Problem: „Wer verkauft eventuell wem die Grundstücke, wer verteilt sie und wer bebaut sie?“, fragt Vorstand Markus Sonntag. Er wirft die Frage auf, ob es daher nicht doch besser sei, alles von nur einem Investor mit einem Gesamtkonzept zu stemmen anstatt wie aktuell geplant das Areal in mehrere Bauabschnitte aufzuteilen. „Wie sollen mehrere Investoren zum Beispiel den Bau einer gemeinsamen Tiefgarage regeln oder wenn die Gebäude ineinander verschachtelt sein sollen?“ Als Lösung sähe er dann nur so genannte Arbeitsgemeinschaften, die das auch juristisch regeln.

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Sein Unternehmen habe aber durchaus grundsätzliches Interesse, sich an dem Großprojekt zu beteiligen; Projekt bezogen könnten auch Partnerschaften eingegangen werden. Bisher hätte die Stadt aber nur angefragt, ob die „Sieberdächer“ an dieser Stelle etwas entwickeln könnten. „Da haben wir nicht Nein gesagt“, so Sonntag. Immerhin habe sein Unternehmen bisher nicht nur Wohnungen gebaut, sondern auch Flächen wie die Schranne gestaltet. In Sachen „Sozialer Wohnungsbau“ teilt Sonntag die Bedenken der Mewo: „Dafür ist die Lage aus Kostengründen nur bedingt geeignet.“

Bahnhof und Kunsthalle bei Planung mit berücksichtigen

Für Sonntag ist es wichtig, dass bei dem Großprojekt auch das direkte Umfeld wie der Bahnhof und die Mewo-Kunsthalle mit berücksichtigt werden. Das sehen auch die Mitglieder der ehemaligen Bürgerinitiative „Bfh/4“ so, die seinerzeit das Bürgerbegehren initiierte, das das Vorgängerprojekt mit dem privaten Investor Ten Brinke 2019 stoppte und die nun als Verein „Bürgerforum Altstadt Memmingen“ am aktuellen Prozess beteiligt ist.

Für den Verein sitzt Architekt Max Eichenauer in der Arbeitsgruppe Rosenviertel, die derzeit die Grundlagen für einen städtebaulichen Wettbewerb erarbeitet (wir berichteten). Eine erste Sitzung im Juni reichte jedoch nicht aus, um die dafür nötigen Detailfragen zu klären. Einen weiteren Termin gibt es noch nicht, obwohl der Bauausschuss den Wettbewerb eigentlich in seiner Sitzung nach der politischen Sommerpause auf den Weg bringen soll. Er habe das Gefühl, dass das Thema „verschleppt“ wird, sagt Rolf Diefenthaler vom Vorstand des Vereins Bürgerforum.

Sein Kollege Joseph Neudegger fordert: „Die Stadt muss mit der Mewo ein Konzept erarbeiten und klären, ob sie ihren Teil verkaufen oder selbst bauen will.“ Was die Nutzung des Areals angeht, hat der Verein klare Vorstellungen: Der Wohnanteil soll bei 60 Prozent liegen – „eine Mischung aus sozial verträglichen Wohnungen, aber auch attraktivem Wohnen.“ Und für die Nutzung der geplanten Ladenbereiche hat der Verein auch eine Idee: „Warum nicht wieder bei Ikea anfragen?“ Denn der schwedische Konzern verfolge eine neue Strategie mit kleineren Verkaufs- und Präsentationsflächen in Innenstädten.

Welchen Lösungsvorschlag er für das Areal hat, schreibt der Redaktionsleiter der Memminger Zeitung in einem Kommentar.