Memmingen

Satter Alphornsound

Abschlusskonzert

Abschlusskonzert

Bild: Horst Hacker

Abschlusskonzert

Bild: Horst Hacker

Abschlusskonzert Kurs präsentiert sich in der Martinskirche. Was manche Besucher verpassten
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Von Horst Hacker
09.10.2019 | Stand: 15:41 Uhr

Der außergewöhnlichen und seltenen Kombination von Orgel mit Alphörnern dürfte es zu verdanken sein, dass sich zu diesem Konzert in der gut besuchten Memminger St. Martinskirche über 200 Besucher einfanden. An der Goll-Orgel von St. Martin saß Kirchenmusikdirektor Hans-Eberhard Roß. Seine Gäste waren die Teilnehmer eines Alphornkurses an der Landesmusikakademie in Ochsenhausen unter der Leitung von Martin Roos aus Basel (Schweiz). In ihrem Abschlusskonzert boten die Hornisten Musik für Alphörner in verschiedensten Formationen: vom Solostück bis zum überwältigenden Klangerlebnis des Plenums aller dreizehn Bläser.

Zu Beginn ertönte der „Allgäuer Alphornruf“ (Anonymus). Nur drei Bläser standen vorn vor dem Altarraum der Kirche, die anderen hatten sich frei im weiten Raum des Kirchenschiffs verteilt. Einer großen Stereoanlage mit zahlreichen Lautsprechern ähnelnd, vereinigten sich die aus verschiedenen Ecken kommenden Klänge zu einem wahren Klangteppich. Er erfüllte den gesamten Kirchenraum mit sattem Sound ganz prächtig und verursachte sicherlich nicht selten Gänsehaut. Martin Roos stand im Mittelgang mit Blickrichtung zur Orgel und dirigierte von dort das langsam und eindringlich gespielte, choralhaft wirkende Stück.

Von Roß an der Orgel begleitet, blies ein Duo die besinnliche „Abendruhe“ des 1950 geborenen Nordwestschweizer Komponisten Hans-Jürg Sommer. Mit über 500 selbst geschaffenen Melodien gilt er als meistgespielter Alphornkomponist. Der Kanton Solothurn zeichnete ihn 2006 in Anerkennung seiner kulturellen Leistung mit dem Preis für Musik aus. Vom gleichen Komponisten standen einige weitere Werke auf dem Programm, beispielsweise das von der Orgel mit sehr melodischem Wohlklang begleitete, anheimelnde „Gmüetlich und schön“, das von einem Duo geblasen wurde.

Waren dabei alle Bläser an der Orgel postiert, fanden sie sich zum „Bächistübli“ des in Ulm geborenen und seit 2012 ins Alphorn verliebten Komponisten Andreas Frey wieder vorn vor dem Altar ein. Dort erklangen auch Guy Buechers „Sur les hautes chaumes“ und der pastorale Szenen bietende „Hirtenruf“ des aus Zusmarshausen stammenden Komponisten und Hornisten Franz Kanefzky (Jahrgang 1964).

Die durch den Wechsel der Standorte entstehende kleine Zwischenpause nutzte eine Reihe von Besuchern, um das Weite zu suchen. Dadurch entgingen ihnen aber die konzertanten Höhepunkte der Veranstaltung. Zum Finale präsentierten nämlich alle Alphornbläser zusammen mit dem Organisten Roß zwei Sätze aus Hans-Jürg Sommers „Missa montana“. Zunächst das Präludium (1. Satz), dann das Agnus Dei (6. Satz) dieser ergreifenden Bergmesse, die auch unter dem Namen „Hirtenmesse“ (opus 707) bekannt ist. Das getragene Präludium verströmte balsamische Ruhe. Das ähnlich geartete, aber deutlich bewegtere und stärker rhythmisierte Agnus Dei des vorletzten Satzes der Messe spendete dem Hörer tröstlich wirkenden, innigen Hörgenuss.

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