Memmingen

Schüler wachsen im „Lernort Museum“ über sich hinaus

Lernort Museum - Was steckt dahinter?

Nicht nur Malereien sind in der Ausstellung „Achtung, kann gut sein“ zu sehen, auch an Skulpturen trauten sich die Achtklässler aus Memmingerberg heran.

Bild: Dunja Schütterle

Nicht nur Malereien sind in der Ausstellung „Achtung, kann gut sein“ zu sehen, auch an Skulpturen trauten sich die Achtklässler aus Memmingerberg heran.

Bild: Dunja Schütterle

In der Mewo-Kunsthalle tauchten zwei Mittelschul-Klassen tief in den Kunstbetrieb ein. Ihr bestes Abschlusszeugnis sind zwei Ausstellungen mit eigenen Werken

07.06.2020 | Stand: 06:00 Uhr

„Weil’s einfach Spaß macht, mit Kunst zu arbeiten“, antwortet Axel Lapp auf die Frage, warum er sich für den Beruf des Kurators entschieden hat. Die Schülerinnen und Schüler der achten Klasse der Mittelschule Memmingerberg wollten das in ihrem Exklusivinterview mit dem Leiter der Mewo-Kunsthalle Memmingen genau wissen. Die Befragung der Mitarbeiter aus den einzelnen Fachbereichen der Kunsthalle war ein Baustein ihres Schulprojekts „Lernort Museum – Was steckt dahinter?“ Sie waren aber auch künstlerisch tätig. Die Resultate dieser Schulklasse und die Werke einer 10. Klasse der Mittelschule Amendingen, die in einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Kreativität entstanden, sind aktuell in der Mewo-Kunsthalle zu sehen.

Hinter diesem Projekt mit dem Namen „lab.Bode“ steckt das staatliche Bode-Museum Berlin, das im September 2018 eine Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen ins Leben gerufen hat. Dafür ausgewählt wurde auch die Mewo-Kunsthalle. Seit Ende letzten Jahres stand deshalb bei den Memmingerberger Achtklässlern im 14-tägigen Rhythmus Kunst auf dem Stundenplan – und das hautnah vor Ort in der Kunsthalle. „Für uns bot sich damit die Gelegenheit, ein Kunstmuseum mal wirklich zu erleben, vielfältig zu erfahren und über längere Zeit kennenzulernen“, schildert Mittelschullehrerin Irina März die Begegnungen der Schüler mit der Kunsthalle.

Aller Anfang ist bekanntermaßen schwer und so brauchte es ein wenig Zeit, bis sich alle Schüler auf das neue, für sie ungewohnte Projekt einlassen konnten. „Es bedarf schon Mut, sich dem Neuen zu öffnen, auch weil es für viele die erste Begegnung mit zeitgenössischer Kunst und einem Museum war“, sagt Linda Blaske, die das lab.Bode-Projekt im Rahmen eines wissenschaftlichen Volontariats begleitete. An insgesamt 23 Häusern in ganz Deutschland wurden ähnliche Projekte zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der Vermittlungsangebote realisiert, unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes.

„Linda Blaske hat uns immer sehr viel über die einzelnen Kunstwerke der aktuellen Ausstellung erzählt, was einerseits gut war, weil sie ziemlich viel über die Kunstwerke wusste, manchmal war das viele Zuhören aber auch anstrengend. Aber zum Glück haben wir auch immer praktisch gearbeitet“, erklärten die Achtklässler in einer schriftlichen Zusammenfassung ihre Zeit im Museum. Die hätten sie auch gerne zusammen mit den Gästen in einer Vernissage reflektiert – leider musste die Eröffnung ihrer Ausstellung „Achtung, kann gut sein!“ dann ganz kurzfristig abgesagt werden, als wegen Corona alle Kultureinrichtungen schließen mussten.

Inspiriert von Collagetechnik

Zudem konnten die Arbeiten der zweiten Schule des Projekts nicht mehr ganz fertiggestellt werden. Einmal in der Woche kamen die Amendinger Zehntklässler mit ihrer Lehrerin Sarah Ritzel ins Haus. Über ausgewählte Kunstwerke der Ausstellung „Karavane – verschollene Collagen von Hannah Hösch“ (die bereits zu Ende gegangen ist) lernten die Schüler selbst die Collagetechnik kennen und ließen sich von ihr inspirieren. Corona hat auch hier auf den Pausenknopf gedrückt, was nun ihre Ausstellung zeigt, die sie mit „colourfulFREEmind“ überschrieben haben: Nicht alle Arbeiten, darunter das Gemeinschaftsbild, konnten wegen des Lockdowns beendet werden. Mit der Wiedereröffnung der Museen sind jetzt aber beide Ausstellungen der jungen Künstler zu sehen.

„Ein stolzes Gefühl als Kunstlehrerin stellt sich dann ein, wenn Schülerinnen und Schüler sich plötzlich wie selbstverständlich über Perspektive und Farbausdruck ihrer Bilder austauschen und eine Gruppe über die optimale Hängung fachsimpelt“, blickt Irina März heute auf die besondere Zeit mit ihren Schülern zurück, „die am Lernort Museum über sich hinauswuchsen“.