Gesundheit

Die Lücke in der Versorgung schließen

Ein Schlaganfall bedeutet häufig einen starken Einschnitt in das bisherige Leben. Nach einem Krankenhausaufenthalt müssen Betroffene zurück in den Alltag finden. Dabei können Schlaganfall-Helfer unterstützen.

Ein Schlaganfall bedeutet häufig einen starken Einschnitt in das bisherige Leben. Nach einem Krankenhausaufenthalt müssen Betroffene zurück in den Alltag finden. Dabei können Schlaganfall-Helfer unterstützen.

Bild: Boris Roessler/ dpa (Symbolbild)

Ein Schlaganfall bedeutet häufig einen starken Einschnitt in das bisherige Leben. Nach einem Krankenhausaufenthalt müssen Betroffene zurück in den Alltag finden. Dabei können Schlaganfall-Helfer unterstützen.

Bild: Boris Roessler/ dpa (Symbolbild)

Im Memmingen und dem Unterallgäu gibt es jetzt eine Ausbildung zum Schlaganfall-Helfer. Wie das abläuft und warum sie für Betroffene eine Entlastung sein kann.
09.05.2022 | Stand: 18:00 Uhr

Von einem Tag auf den anderen ist alles anders: Wenn ein Mensch einen Schlaganfall erleidet, muss er von diesem schicksalhaften Moment an häufig mit dauerhaften Beeinträchtigungen zurecht kommen. Um Betroffenen zur Seite zu stehen, gibt es nun in Memmingen und dem Unterallgäu die Ausbildung zum Schlaganfall-Helfer.

Am 10. Mai ist der Tag gegen den Schlaganfall, einer „Volkskrankheit“, wie Dr. Christoph Lichy vom Klinikum Memmingen es nennt. Etwa eine Viertelmillion Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Hirnschlag. „Im Klinikum Memmingen behandeln wir jedes Jahr etwa 600 bis 700 Patientinnen und Patienten“, erklärt Lichy.

Betreuungslücke nach Krankenhaus und Reha

Viele von diesen Menschen blickten danach anders auf das Leben: Einige müssten sich dem Arzt zufolge erst wieder neu orientieren, mit eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten, physischen und psychischen Problemen zurecht kommen. „Nach der akuten Erstversorgung und der Reha gibt es eine Art Betreuungslücke“, sagt er. Die Hausärzte seien zwar weiterhin Ansprechpartner und behandelten die Patienten so gut es gehe, könnten jedoch die persönliche und individuelle Versorgung, gerade psychischer Art, nicht immer sicherstellen.

„An diesem Punkt kommen Schlaganfall-Helfer ins Spiel“, sagt Heike Waigel vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Gemeinsam mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bietet der BRK diese Schulung an. Unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ stünden die Ehrenamtlichen den Betroffenen zur Seite. Die Arbeit sei nicht darauf ausgelegt, pflegerische Aufgaben zu erfüllen, sondern die Helfer sollen mehr unterstützend und motivierend agieren.

Schlaganfall-Helfer: Ein offenes Ohr und eine hilfsbereite Hand für Betroffene

„Das kann immer unterschiedlich aussehen“, sagt Waigel. Für manche Betreute seien ein offenes Ohr und ein Ansprechpartner bereits eine große Erleichterung. Andere bräuchten Hilfe beim Antrag für einen Schwerbehindertenausweis oder anderen Formalitäten.

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Daher benötigt man Heike Waigel zufolge für den ehrenamtlichen Dienst keine medizinische Ausbildung. Sie freut sich, wenn sich Personen aus sämtlichen Alters- und Berufsgruppen bewerben. „Denn die Mischung macht es aus“, sagt sie. Denn so unterschiedlich wie die Patienten und ihre Bedürfnisse seien auch die Helfer.

Wer sich für die Ausbildung zum Schlaganfall-Helfer interessiert, der kann zunächst bei der Rettungssanitäterin anrufen und sich beraten lassen. Im Anschluss bildet eine 40-stündige Online-Schulung die Basis für das Ehrenamt. „Da wird beispielsweise der medizinische Background vermittelt oder erklärt, welche Hilfsmittel es für die Patientinnen und Patienten gibt“, erläutert Waigel.

Ausbildung findet in Ansbach bereits großen Anklang

Nach der Teilnahme an der Online-Schulung erwartet die Freiwilligen ein weiteres Gespräch mit der Rettungssanitäterin, um Fragen und Vorstellung der Arbeit abzuklären. „Danach gibt es das Zertifikat und wir lassen die Helfer auf die Patienten los“, sagt die Rettungssanitäterin mit einem Lächeln.

Die Ausbildung ist kostenlos, allerdings müssen die Helfenden ein Polizeiliches Führungszeugnis vorweisen.

Das Angebot der Schlaganfall-Helfer gibt es in Bayern noch nicht besonders häufig. Etabliert hat es sich bereits in Ansbach. Dort werde das Projekt mit 50 ehrenamtlichen Helfern im Einsatz bereits gut angenommen. Heike Waigel hofft auch in Memmingen und dem Unterallgäu auf einen ähnlichen Zulauf, um die Patientinnen und Patienten besser unterstützen zu können.

Was ist ein Schlaganfall und wie kann man ihn erkennen?

  • Ein Schlaganfall (Apoplexia cerebri) ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland (nach Herzkrankheiten und Krebs).
  • Er zeichnet sich durch eine massive Fehlfunktion des Gehirns aus, die zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen führt.
  • Ischämischer Schlaganfall: Auslöser ist akute Minderdurchblutung.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall: Wenn die fehlende Durchblutung auf einer Blutung des Gehirns beruht.
  • Folgen eines Schlaganfalls können beispielsweise dauerhafte Lähmungen (auf einer Körperseite), Sprach- oder Sehstörungen sein.
  • Schlaganfall-Symptome lassen sich gut mit dem sogenannten FAST-Test ermitteln:
  • Face (Gesicht): Bitten Sie die Person, zu lächeln.
  • Arme: Kann die Person die Arme nach vorne strecken und dabei die Handflächen nach oben drehen?
  • Sprache: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen.
  • Time (Zeit): Wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome. (ost)

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