Go Ahead Bayern

Volle Strecke bremst schnelle E-Züge im Allgäu

go ahead

In den Farben des Freistaats: Die Züge des Bahnunternehmens Go Ahead - hier am Bahnhof Memmingen - sind in Blau und Weiß gehalten. Der Halt in Memmingen gehört zum E-Netz Allgäu, auf dem die elektrisch angetriebenen Go-Ahead-Züge zwischen Lindau und München pendeln.

Bild: Andreas Berger

In den Farben des Freistaats: Die Züge des Bahnunternehmens Go Ahead - hier am Bahnhof Memmingen - sind in Blau und Weiß gehalten. Der Halt in Memmingen gehört zum E-Netz Allgäu, auf dem die elektrisch angetriebenen Go-Ahead-Züge zwischen Lindau und München pendeln.

Bild: Andreas Berger

Fahrgäste berichteten von Verspätungen und Ausfällen auf der neuen Zugstrecke zwischen Memmingen und München. Wir haben gefragt, wie es läuft.
12.01.2022 | Stand: 23:32 Uhr

40 Minuten schneller von Memmingen nach München: Das ist mit einem der neuen Züge möglich, die seit 12. Dezember auf der elektrifizierten Bahnstrecke zwischen Lindau, Memmingen und München fahren. Doch wie ist das E-Netz Allgäu angelaufen? Das wollten wir von dem Bahn-Unternehmen wissen, das seit Mitte Dezember die Verbindungen bedient: Go Ahead mit Sitz in Augsburg.

Fahrgäste, die wir am Bahnhof in Memmingen befragt haben, berichteten teils auch von Verspätungen und Zugausfällen in den ersten Tagen. Dazu sagt Winfried Karg, Pressesprecher von Go Ahead: „Alle Berufstätigen haben irgendwann einmal im Berufsleben angefangen, und niemand hat alles vom ersten Tag an gekonnt. Bei uns hat das ganze Unternehmen neu angefangen. Wir sehen, dass die Abläufe sich immer mehr einspielen, unser Team bekommt zunehmend Routine.“

Einige Probleme seien in Absprache mit DB Netz und anderen Eisenbahnunternehmen bereits behoben worden. Es gebe manchmal auch Schwierigkeiten mit der Technik. Karg nennt als Beispiel das Kuppeln der Züge. „Aber eine komplett störungsfreie Technik gibt es nirgends, auch bei der Eisenbahn nicht. Wir arbeiten daran, diese Schwierigkeiten zu lösen, beobachten aber keine ungewöhnliche Häufung.“

Was Verspätungen und Zugausfälle in den ersten Tagen angeht, von denen uns Fahrgäste berichtet haben, sagt Winfried Karg: „An einigen Tagen gab es fast keine Verspätungen, an anderen Tagen fuhren wir nicht so pünktlich, wie wir das möchten. Wir sind nicht mit jedem einzelnen Zug, aber mit der Gesamtentwicklung zufrieden. Und wir sind zuversichtlich, dass wir in der nächsten Zeit einen stabilen Betrieb hinkriegen - soweit wir dies beeinflussen können.“

Wo es auf der 200-Kilometer-Strecke hakt

Doch nicht alles sei von dem Bahnunternehmen beeinflussbar. Zum Beispiel die Streckenauslastung, die der Einhaltung eines Fahrplanes in die Quere kommen kann. Winfried Karg beschreibt die 200-Kilometer-Strecke und wo es dort hakt:

  • München-Pasing bis Geltendorf: Die etwa 35 Kilometer von München-Pasing bis Geltendorf sind zweigleisig. Doch dieser Abschnitt sei „zu manchen Zeiten extrem dicht belegt mit bis zu sechs S-Bahnen pro Stunde und Richtung, den Eurocityzügen München-Zürich, Regionalzügen von BRB und DB Regio und auch von uns, und natürlich auch durch Güterzüge“.
  • Geldendorf bis Buchloe: Die folgenden 26 Kilometer von Geltendorf bis Buchloe sind zweigleisig ausgebaut und seien eher unproblematisch.
  • Buchloe über Memmingen bis Hergatz: Die 120 Kilometer zwischen Buchloe bis Hergatz sind eingleisig. Die Auslastung dort sei hoch, es gebe viele lange Abschnitte von bis zu 14 Kilometern, auf denen es keine Ausweichmöglichkeit gebe, also ein schnellerer Zug einen langsameren überholen könnte. „Für diesen Teil der Strecke stellen wir fest, dass die Kapazität tagsüber oft komplett ausgereizt ist. (...) Klar ist, dass sich da Verspätungen schnell auf andere Züge übertragen. Verspätungen zwischen Lindau und Memmingen wirken sich auch auf den Abschnitt Memmingen-München aus und umgekehrt. Auch zwischen Geltendorf und Pasing kommt es vor, dass wir hinter der S-Bahn herfahren müssen und so wesentlich langsamer vorankommen als geplant.“
  • Hergatz bis Lindau: Dieser Abschnitt von etwa 20 Kilometern ist zweigleisig ausgebaut und sei einigermaßen normal ausgelastet.

Lesen Sie auch
##alternative##
Bus und Zug nach Lindau

Verkehrsunternehmen ziehen ernüchternde Bilanz zum 9-Euro-Ticket am Bodensee

Was die Auslastung der Go-Ahead-Züge in den ersten Wochen angeht, will das Unternehmen derzeit keine Zahlen nennen. Unter anderem deshalb, weil bisher durch Ferien, Feiertage und Corona-Pandemie keine aussagekräftigen Daten zusammengekommen seien.

Sehr viele Rückmeldungen von Fahrgästen habe Go Ahead noch nicht erhalten. Bei einigen sei es um die Klimaanlagen in den Zügen gegangen, die wohl noch nicht optimal eingestellt seien. „Diesen Hinweisen gehen wir derzeit nach.“ Es gebe auch Anfragen zum WLAN in den Zügen. Das aber funktioniere nur dort, wo die Züge ein Mobilfunksignal empfangen und es im Zug verteilt werden könne. „Das ist ein altbekanntes Problem in der Region“, das auch von der Bundesnetzagentur dokumentiert werde. „Was uns ehrlich freut: Immer wieder loben Fahrgäste das Auftreten und die Freundlichkeit unserer Kundenbetreuer. Und wir haben auch Rückmeldungen von ausgewiesenen Branchenkennern, die unseren Start als sehr gelungen bezeichnen.“

100 Tage Einarbeitungszeit

Mehr Details wollte Winfried Karg nicht nennen. Noch nicht. In der Politik, beispielsweise neuen Regierungen, würden 100 Tage Einarbeitungszeit gewährt. Darum bittet Go Ahead auch. Danach sei das Unternehmen bereit, weitere Eindrücke und Erfahrungen zu schildern.

Die drei Linien von Go Ahead:

Im E-Netz Allgäu hat das Bahnunternehmen Go Ahead mit Sitz in Augsburg die Linien RE 72 (Memmingen-München), RE 96 (Lindau-Memmingen-München) und RB 92 (Memmingen-Kißlegg-Lindau) übernommen.

RE 96: Vor allem der neue RE 96 bietet eine schnellere Anbindung von Memmingen nach München: Er ist laut Fahrplan knapp 40 Minuten schneller am Ziel als bisherige Züge. Er benötigt dafür 64 Minuten. Dafür hält er aber auch weniger an: Die Halte sind in Mindelheim, Türkheim, Buchloe, München-Pasing und schließlich München Hauptbahnhof. Neben dem zweistündlichen ECE (Zürich-Memmingen-München) wird nun auch der neue RE 96 alle zwei Stunden nach München verkehren.

RE 72: Dieser Zug benötigt 76 bis 93 Minuten von Memmingen nach München – je nach dem, an wie vielen Bahnhöfen er hält. Der Zug mit der längsten Reisezeit hält in Sontheim, Stetten, Mindelheim, Rammingen, Türkheim, Buchloe, Kaufering, Geltendorf, München-Pasing und München Hauptbahnhof.

RB 92: Er fährt in knapp 70 Minuten von Memmingen über Hergatz nach Lindau- Insel.