Ehrenamt

Schulweghelfer: Wo es an Unterallgäuer Straßen gefährlich wird, stehen sie bereit

Übung zu nächtlicher Stunde: Der Rentner Helmut Ebel demonstrierte mit roter Kelle und gelber Warnweste, wie er sich künftig als Schulweghelfer in Memmingen für eine sichere Straßenüberquerung schützend vor die Kinder stellen will.

Übung zu nächtlicher Stunde: Der Rentner Helmut Ebel demonstrierte mit roter Kelle und gelber Warnweste, wie er sich künftig als Schulweghelfer in Memmingen für eine sichere Straßenüberquerung schützend vor die Kinder stellen will.

Bild: Franz Kustermann

Übung zu nächtlicher Stunde: Der Rentner Helmut Ebel demonstrierte mit roter Kelle und gelber Warnweste, wie er sich künftig als Schulweghelfer in Memmingen für eine sichere Straßenüberquerung schützend vor die Kinder stellen will.

Bild: Franz Kustermann

25 Erwachsene absolvieren in Ottobeuren einen Kurs. Worauf sie ein Auge haben müssen.
05.11.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Er selbst hat keine kleinen Kinder – doch der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Helmut Ebel ist in Rente und auch die ehrenamtliche Richtertätigkeit des Memmingers ist ausgelaufen. Der Sicherheit des Nachwuchses widmet er sich darum bei einer neuen Aufgabe. Ebels Schwester hat ihn nach Ottobeuren geschickt: Dort absolviert er zusammen mit 24 anderen – zum Großteil sind es junge Mütter, aber auch etliche Väter – den Kurs „Schulweghelfer“. Eine Stunde lang erläutert ihnen Polizeioberkommissar Andreas Strehl, worauf es ankommt bei dem „ehrenamtlichen Job bei jedem Wind und Wetter“.

Alle Gefahrenstellen abgedeckt

Der Verkehrserzieher hat in den vergangenen fünf Jahren im Dienstbereich Memmingen knapp tausend Schulweghelfer (Erwachsene) und 500 Schülerlotsen (Schüler) ausgebildet: „Dort, wo diese Helfer standen, ist bisher noch nie etwas passiert“, erzählt er. Mit etwas Starthilfe durch einen Artikel unserer Zeitung verzeichneten drei vorausgegangene Kurse nun einen „richtig guten Zulauf“. Mit Ausnahme von Bad Grönenbach, wo es bereits seit einem Jahr an der „Bedarfsampel“ an der Bahnhofstraße keine Schulweghelfer mehr gibt, konnten heuer wieder alle anderen besonders gefährlichen Stellen besetzt werden.

Ausgestattet mit roter Kelle und gelber Warnweste stehen Schulweghelfer (Erwachsene) und Schülerlotsen (Schüler) an besonders gesicherten und gekennzeichneten Straßenübergängen wie Zebrastreifen, ampelgeregelten Fußgängerfurten oder Übergängen mit dem Verkehrszeichen „Schülerlotsenfurt“ (Verkehrshelfer) und unterstützen die Schüler beim Überqueren der Straße. Als Schulbusbegleiter übernehmen sie zudem die Betreuung der Schüler an Haltestellen. Polizeiliche Befugnisse zur Verkehrsregelung haben die Schulweghelfer nicht – sie werden an Stellen eingesetzt, wo andere Verkehrsteilnehmer laut Straßenverkehrsordnung ohnehin warten müssen.

Stets als Erster auf der Straße

Die wesentliche Aufgabe besteht darin, die Schüler zu „sammeln“ und dann gemeinsam sicher über die Straße zu geleiten. Dabei gilt es für die Helfer, die Geschwindigkeit des herannahenden Verkehrs zu beachten. Überdies tritt der Helfer immer als Erster auf die Straße und verlässt diese als Letzter. Bei ihrer Aufgabe müssen die Ehrenamtlichen beispielsweise im Kopf behalten, dass der Anhalteweg auf trockener Straße bei einem Tempo von 30 Stundenkilometern 13,5 Meter beträgt. Bei doppelter Geschwindigkeit vervierfacht sich der Bremsweg.

Die Schulung in Babenhausen hat Kristina Cseh wegen einer Fußverletzung verpasst, dafür ist sie nun nach Ottobeuren gekommen: Die aus Ungarn stammende Frau hat ein Kind in der ersten Klasse und findet es „super-wichtig, dass Schulweghelfer für einen sicheren Gang zur Schule sorgen“. Denn Kinder machten doch „ganz schön viel Blödsinn, gerade wenn sie zu zweit oder zu dritt unterwegs sind“. In Winterrieden, wo frühmorgens bei Dunkelheit viele Lastwagen vom nahe gelegenen Ziegelwerk wegfahren, sei es „schon sehr wichtig, dass dort morgens jemand steht“.

Dass es an so mancher Stelle zu gefährlichen Situationen kommen kann, steht auch Simone Uhlmann vor Augen. Die junge Mutter will als „Betroffene“ den Kindern im Memminger Stadtteil Eisenburg beim sicheren Einstieg in den Bus zur Seite stehen. Meist sind die Schulweghelfer an gefährlichen Übergängen allein tätig – nur an der verkehrsreichen Hauptstraße in Wolfertschwenden beziehen sie stets zu zweit Position.