Memmingen

Selbstporträt aus unzähligen Schnipseln

MM Ausstellung MEWO BSG

MM Ausstellung MEWO BSG

Bild: Dunja Schütterle

MM Ausstellung MEWO BSG

Bild: Dunja Schütterle

Ausstellung Strigel-Schüler gestalten „Inszenierungen des Ichs“ in verschiedenen künstlerischen Techniken. Welche Einblicke sie damit in ihre Persönlichkeiten geben, ist jetzt in der Mewo-Kunsthalle zu sehen
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Von Dunja Schütterle
21.01.2020 | Stand: 15:58 Uhr

Die nahe liegende Meinung, dass Menschen durch Selfies und Likes zu selbstverliebten Egoisten werden, revidiert derzeit eine Ausstellung von jungen Erwachsenen in der Memminger Mewo-Kunsthalle. Acht Schülerinnen und Schüler aus dem W-Seminar (Wissenschaftspropädeutisches Seminar) und zwölf aus dem Kunst-Additum des Bernhard-Strigel-Gymnasiums beschäftigten sich über einen längeren Zeitraum in Kooperation mit der Kunsthalle mit sich und der künstlerischen Darstellung ihrer Person. Herausgekommen sind spannende „Inszenierungen des Ichs“, wie auch der Titel der Ausstellung lautet, die noch bis zum 2. Februar im Atelier des Hauses zu sehen ist.

Die Entdeckung des Ichs in der Kunst ist nicht neu. Albrecht Dürer zum Beispiel hat sich schon als kleiner Junge zum ersten Mal selbst porträtiert. „Um das rein naturalistische Abbild ging es aber bei diesem Projekt gar nicht“, erklärt Kunstlehrerin Christin Murr vom Strigel-Gymnasium. Die Beschäftigung mit sich und die Umsetzung des Themas, die allgemeine Komposition und der künstlerische Ausdruck standen im Vordergrund der Arbeiten – die von der Kunstlehrerin auch benotet werden mussten. Die Schüler des W-Seminars haben zusätzlich zu ihrer praktischen Arbeit eine theoretische Seminararbeit geschrieben. In diesem Fall überwog die Praxisarbeit für die bessere Note.

Unabhängig davon sind die Ergebnisse sehenswert. Alina Schneider hat sich beispielsweise mit dem Künstler Chuck Close auseinandergesetzt. Der US-Amerikaner ist einer der bekanntesten Fotorealisten in den USA, der Porträts aus verschiedenen kleinen Bildpartien zu einem großen Gesamtbild zusammensetzt. Nicht mit Hilfe der Fotografie, sondern mit Details aus Zeitungen entstand aus kleinen farbigen Schnipseln ein einzigartiges Abbild ihres Antlitzes. „Fünfzig Stunden an reiner Klebezeit stecken in meinem Bild“, erklärt Alina Schneider. Die aufwändige Technik hat sie für sich gewählt, weil sie damit zeigen wollte, dass sie sich nicht nur über sich selbst identifiziert, sondern auch gerne über die Dinge, die sie tut – was die unzähligen, zusammengesetzten, kleinen Papierschnipsel eindrücklich beweisen.

Die Jugendlichen konnten aus verschiedenen Sparten wie Bildhauerei, Malerei, Fotografie oder Collagenkunst selbst ihr eigenes Medium wählen. Lan Ann Hoang etwa hat sich mit der Kunst von Frida Kahlo beschäftigt, die in ihren Bildern oft auch Tiere malte. Ihr Tier ist der Fuchs, der im asiatischen Kulturraum eine hohe Symbolkraft trägt. Mit ihm spiegelt sie die gute und helle Seite ihrer Persönlichkeit, wie auch die versteckte dunkle Seite in drei Aquarellarbeiten.

Andrea Sacipi stellte für ihre Ich-Inszenierung verschiedene Masken her, die sie von ihrem Gesicht abgenommen und dann einer Schaufensterpuppe aufgezogen hat. Der Dialog mit sich selbst warf auch die Frage auf, wie viel man von sich preisgeben möchte. Auf dem Bild von Luana Dibah-Lavorante ist das Buch, hinter dem sie hervorlugt, präsenter als ihre Person selbst. „Ich verstecke mich eben gerne hinter Geschichten“, erklärt sie dazu.

Neben den Werken können Besucher auch einen Blick in die Skizzenbücher der Schüler werfen. Bei der Vernissage ernteten die Schülerinnen und Schülern nicht nur einen nach oben gerichteten Daumen, sondern auch viel anerkennenden Applaus.