Baumaßnahmen

Sich wappnen, bevor die Fluten ins Günztal kommen

OB Hochwasserschutz

Ein farbenfrohes Blütenmeer hat sich bereits ein Jahr nach Fertigstellung des Hochwasserdammes Eldern an den Böschungen eingestellt. Zunächst soll die Pflege der steilen Flächen planmäßig über den Landschaftspflegeverband (LPV) organisiert werden. Später könnten die Maßnahmen eventuell auch von „gut ausgerüsteten Landwirten“ übernommen werden. In dem Einstaubereich sollen auch noch Nistkästen für Vögel und Fledermäuse aufgestellt werden.

Bild: Franz Kustermann

Ein farbenfrohes Blütenmeer hat sich bereits ein Jahr nach Fertigstellung des Hochwasserdammes Eldern an den Böschungen eingestellt. Zunächst soll die Pflege der steilen Flächen planmäßig über den Landschaftspflegeverband (LPV) organisiert werden. Später könnten die Maßnahmen eventuell auch von „gut ausgerüsteten Landwirten“ übernommen werden. In dem Einstaubereich sollen auch noch Nistkästen für Vögel und Fledermäuse aufgestellt werden.

Bild: Franz Kustermann

Hochwasser-Zweckverband übernimmt Rückhaltebecken Eldern. Welche weiteren Projekte in Engetried und Frechenrieden geplant sind.
05.07.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Der Himmel öffnete zwar massiv seine Schleusen, während der Zweckverband Hochwasserschutz Günztal im Haus des Gastes tagte. Zu einem Probestau des nun auch formell zum 1. Juli übergebenen Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Eldern reichte der Hagelschauer dennoch nicht aus: Laut Abteilungsleiter David Kempter könnte es noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis die Stahlklappen des millionenschweren Bauwerks auch unter realistischen Bedingungen getestet werden können – weil dazu ein Einstau von etwa drei Viertel nötig sei. Bis dorthin übernimmt der Freistaat noch die Haftung für Mängel am Bauwerk sowie eine eventuell notwendige Nachrüstung.

Weiter verpflichtet sich Bayern zudem, den verkaufswilligen Eigentümern im Einstaubereich auch weiterhin ihre Flächen zum „Verkehrswert“ abzukaufen. Die offizielle Einweihung des Hochwasserprojektes mit einem Infotag für interessierte Bürger soll – mit Umwelt- und Verbraucherschutz-Minister Torsten Glauber – möglichst Mitte September erfolgen. Laut dem Verbandsvorsitzenden, Ottobeurens Bürgermeister German Fries, werde man sich hier wohl nach dem Minister richten müssen.

Kleinigkeiten fehlen noch

Die noch fehlenden Geländer an den Böschungstreppen wurden bereits nachgerüstet. Momentan fehlend sind nur noch zwei Wartungspodeste am Durchlassbauwerk.

Mit der nun erfolgten Übernahmevereinbarung zum 1. Juli wurden Betrieb, Unterhalt, Verkehrssicherungspflicht, Instandhaltung und die erforderlichen Reinvestitionen für die nächsten 100 Jahren an den Zweckverband übertragen: Bei einem Einstau ist der Zweckverband für die Beseitigung von Unrat sowie die Entschädigung der Grundstücksbesitzer zuständig. Betriebsleiter vom HRB Eldern sowie Projektleiter des HRB Sontheim ist Daniel Weber.

Auch beim HRB Engetried ist die Ausführungsplanung bereits abgeschlossen. Als Baubeginn ist hier der kommende August geplant. Die Inbetriebnahme soll im Oktober 2023 erfolgen. Die Besonderheit ist laut Kempter hier, dass die Staatsstraße 2012 über den Damm verlegt wird. Bis auf wenige Wochen wird die extra gebaute Umleitungsstrecke Markt Rettenbach-Obergünzburg während der gesamten Bauzeit ganzjährig befahrbar bleiben.

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Die Höhersetzung der Kapelle – mitten auf einer Ausbuchtung im Damm platziert – werde mit einer separaten Ausschreibung vergeben, so Kempter. Weitere Besonderheit sei, dass das für den geschwungenen Damm benötigte Material vor Ort – südlich von Engetried – abgebaut werden könne. „Somit kann eine übermäßige Verkehrsbelastung durch Engetried vermieden werden“, betonte Kempter. Zudem wird durch die Entnahme bis zu 60000 Kubikmeter zusätzliches Rückhaltevolumen geschaffen.

Holz und Stahl werden teurer

Bei den „vorbereitenden Maßnahmen“ seien bisher die Ausschreibungsergebnisse sehr positiv verlaufen – also ohne große Preissteigerungen. Rohstoffe wie Holz und Stahl für das Drosselbauwerk aber würden wahrscheinlich teurer als anfangs geplant werden, vermutete der Fachmann.

Beim Hochwasserrückhaltebecken Frechenrieden läuft das Planfeststellungsverfahren noch. Anstelle von einem Erörterungstermin gibt es hier bis zum 20. Juli eine sogenannte „Online-Konsultation“. Kempter hofft, dass hier noch in diesem Sommer der Genehmigungsbescheid erfolgt. Bis Ende des Jahres könne die Ausführungsplanung abgeschlossen werden.

Im kommenden Jahr sollen Ausschreibung und Vorabmaßnahmen erfolgen. Beabsichtigter Baubeginn wäre im Frühjahr 2023. Der Umbau zu einem einstauverträglichen Wald und die Sanierung eines Feldweges als künftige Baustraße haben hier bereits begonnen.

Kämmerer Daniel Scharpf stellte die einstimmig genehmigte Jahresrechnung 2020 vor: Der Verwaltungshaushalt umfasst demnach „planmäßig“ 23000 Euro und der Vermögenshaushalt 1,54 Millionen Euro.

Für den überraschend verstorbenen Hermann Wassermann wurde eine Gedenkminute eingelegt: Der 62-jährige Markt Rettenbacher hatte sich nach den entsprechenden Schulungen bereit erklärt, im Zweckverband als Stauwärter mitzuarbeiten.