Memmingen

Sie erzählen Geschichtchen zur Geschichte

Freizeit Memmingens Stadtführungen finden großen Anklang. 2020 wird Wallenstein wieder thematisiert
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Von von thomas schwarz
25.10.2019 | Stand: 15:29 Uhr

Die Maustadt hat viel Sehenswertes zu bieten. Und viele Menschen wollen nicht einfach achtlos durch die Altstadt gehen, sondern Hintergründe und Hintergründiges erfahren. Dieses Bedürfnis wird bei Stadtführungen befriedigt – mit Geschichten und Geschichtchen. Allein im vergangenen Jahr nahmen fast 13 000 Menschen daran teil.

„Stadtführungen wurden in Memmingen bis 1983 ausschließlich über den damaligen, 2014 verstorbenen Heimatpfleger Uli Braun angefragt und von ihm selbst oder den beiden betagten Herren Schölhorn und Bolkart durchgeführt“, erzählt Luka Nathalie Schächer von der Memminger Touristinformation. Einmal im Monat kamen auch Kurgäste aus Bad Grönenbach und Ottobeuren zu einer Stadtführung in die Maustadt. Für neu eingeführte Pauschalwochenenden der Deutschen Bahn entstand neuer Bedarf für Gruppenstadtführungen, erklärt Schächer weiter. Diese waren auch die ersten Stadtführungen, die über das neue „Verkehrsamt“ bestätigt wurden. Danach habe es eine langsame, aber stetige Zunahme von Anfragen gegeben und die „Auslagerung“ des Heimatpflegers in die Stadtinformation erfolgte.

Sabine Streck, heute eine von neun Stadtführern, arbeitete von 1983 bis 1992 selbst in der Stadtinfo und konnte diese Anfänge frei gestalten. Sie absolvierte quasi eine Profi-Ausbildung zur Gästeführerin bei der damaligen Tourismus-Dozentin Dr. Marie-Louise Schmeer-Sturm in München und ist seit Jahren Mitglied im Bundesverband der Gästeführer in Deutschland. Weitere Stadtführer sind Elisabeth Breternitz-Seybold, Anni Lanzl, Sabine Rogg, Heidi Stölzle, Birgit Kitzmann, Katherina Standhartinger, Andrea Himmelsbach und Herbert Heuß.

„Das stetige Wachstum an gebuchten Gruppenstadtführungen besteht weiterhin“, freut sich Schächer. Es vergehe kaum ein Tag ohne eine solche. „Über die starken Tourismus-Monate hinweg laufen unsere Stadtführer oft mehrmals täglich sowie zeitgleich mit den Gruppen.“

Das belegen auch die Zahlen. Im Jahr 2018 fanden 82 öffentliche Stadtführungen (am Freitagabend, Themenführungen, Kunstführungen, Gruselführungen, Desperate Housewives, Wanderführungen, kulinarische Stadtführung und andere) statt. Zusätzlich wurden noch 528 Gruppenstadtführungen gebucht. An letzteren nahmen im vergangenen Jahr rund 10 900 Personen teil. Hinzu kamen noch etwa 2000 Personen, die an den öffentlichen Stadtführungen teilnahmen.

Welche die am meisten besuchte Führung war, lasse sich pauschal schwer sagen, so Schächer. „Natürlich liegen uns die Teilnehmerzahlen vor, aber alle Führungen liegen erfreulicherweise von der Anzahl her sehr nahe beieinander.“

Bei den gebuchten Führungen stehe für Reisegruppen und Touristen die Führung „Zauber der Altstadt – Memmingen zum Kennenlernen“ an oberster Stelle und bei den Einheimischen kämen die speziellen Themenführungen wie die Südstadt-Führung mit Begehung der Stadtmauer, die Kostümführungen oder Führungen mit Memminger Mundart super an, erklärt die Tourismus-Expertin. „Nicht zu vergessen sind aber auch die Buchungen der Führungen zur Zeitgeschichte, die häufig von Schulklassen besucht werden und den Unterrichtsstoff der Schule perfekt ergänzen – zum Beispiel zur Reformation, den Bauernartikeln, dem jüdischen Leben oder Lebensschicksale von Frauen“, ergänzt Schächer.

„Egal, ob es der gruselige Nachtwächter ist, die verzweifelten Hausfrauen, Memmingen das Italien ähnelt, barocker Glanz nach dem 30-jährigen Krieg, Winterzeit und Sternenzauber oder einfach eine Stadtführung zu den Memminger Wahrzeichen – alle Führungen wurden super angenommen und wenn es mal weniger Teilnehmer waren, lag es wirklich am schlechten Wetter. Das haben wir bis jetzt noch nicht zu einer Kooperation überreden können“, schmunzelt sie.

Das neue Programm für 2020 wird voraussichtlich Anfang des nächsten Jahres erscheinen. Zur Vorbereitung findet demnächst eine Besprechung statt. „Es wird aber auf jeden Fall im nächsten Jahr spezielle Turnusführungen während der Wallenstein-Woche im Juli geben und auch wieder Nachmittagsführungen an Feiertagen“, blickt Schächer nach vorne. „Wir selbst hier in der Tourist-Info werden meistens auch erst an der Jahresbesprechung von unseren Stadtführern mit neuen Themen und Ideen überrascht und begeistert.“